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Weil sie sich an der Zentralhaltestelle nicht mehr sicher fühlen, lassen sich viele Busfahrer der CVAG inzwischen lieber an der Haltestelle am Roten Turm auf der Straße der Nationen ablösen.

Foto: Andreas Seidel

Busfahrer scheuen Ausstieg an der Zenti

Die größte und wichtigste Haltestelle der Stadt ist sogar dem Personal des Verkehrsbetriebes CVAG zu unsicher geworden. Doch jetzt gibt es Hoffnung auf Besserung.

Von Michael Brandenburg
erschienen am 10.03.2017

Belästigungen von Passanten und Auseinandersetzungen meist junger Männer untereinander und mit Sicherheitspersonal sind an der Zentralhaltestelle seit einiger Zeit fast alltäglich. Viele Fahrgäste steigen deswegen lieber an einer anderen Haltestelle aus oder ein, wenn ihnen das problemlos möglich ist. Und selbst die Busfahrer des Verkehrsbetriebes CVAG versuchen inzwischen, die größte Haltestelle der Stadt zu meiden - zumindest beim Schichtwechsel und in ihren Pausen. Das hat der Bundestagsabgeordnete und Stadtrat Detlef Müller kürzlich erfahren und auf einer öffentlichen SPD-Veranstaltung davon berichtet. "Die CVAG hat schon ihre Ablöseorte verlegt", sagte Müller, um das Unsicherheitsgefühl an der Zentralhaltestelle zu verdeutlichen.

CVAG-Pressesprecher Stefan Tschök bestätigt auf Anfrage die veränderte Praxis. Die Verlegung der sogenannten Wechselpunkte erfolge aber nicht auf Anordnung des Unternehmens, sondern auf eigene Initiative der Fahrer, erklärt er. Offiziell sei zwar nach wie vor die Zentralhaltestelle der auch durch den Betriebsrat bestätigte wichtigste Wechselpunkt im CVAG-Netz. Denn dort, an der Ratsapotheke, befindet sich auch der Pausenraum, in dem die Mitarbeiter während der Schicht beispielsweise etwas essen und auf Toilette gehen können. Den Fahrern stehe es aber frei, sich mit dem Kollegen, der sie ablösen soll, für den Wechsel an einer anderen Haltestelle zu verabreden. Oft werde dafür in letzter Zeit die Haltestelle am Roten Turm gewählt, so Tschök. Auf die Fahrpläne habe die private Verschiebung der Fahrerwechsel keinen Einfluss.

CVAG-Betriebsratsvorsitzender Silvio Venus, der selbst auch im Fahrdienst tätig ist, kennt aus vielen Gesprächen die Gründe, warum vor allem Busfahrer nur ungern an der Zentralhaltestelle aussteigen. "Sie müssen ja dabei die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf mitnehmen", erklärt er. Straßenbahnfahrer seien daher weniger betroffen, so Venus. Nur wenige Busfahrer seien so "cool", mit dem Geld durch die Menge zu laufen, die zu einem großen Teil nicht mehr aus Fahrgästen bestehe. Außerdem gebe es ja unter den Fahrern auch Frauen, die genauso wie ihre männlichen Kollegen in die Spät-, Nacht- und Wochenenddienste eingebunden sind.

"Die fehlende Sicherheit an der Zentralhaltestelle betrifft aber alle Fahrer", sagt Venus und ist auch aus Betriebsrats-Sicht unzufrieden mit der Situation. "Durch den Wechsel an anderen Haltestellen büßen die Fahrer ja Pausenzeiten ein", begründet er. Denn die Wege zum Pausenraum an der Straße Am Rathaus verlängern sich, wenn die Zentralhaltestelle umgangen wird.

Ab Montag, wenn der Umbau der Zentralhaltestelle beginnt, ändern sich ohnehin für viele Fahrer die Wechselpunkte. Venus ist skeptisch, ob sich damit auch die Situation in dem Bereich entspannt. Denn die Überdachung und das freie W-Lan dürften trotz Baustelle weiter junge Leute anlocken, schätzt er. "Wir können nur hoffen, dass die geplante Videoüberwachung etwas bringt", so der Betriebsratsvorsitzende.

In der Stadtratssitzung am Mittwoch kündigte Ordnungsbürgermeister Miko Runkel für den 22. März eine Beratung seines Dezernates mit Vertretern der Polizei, der CVAG und der Bauverwaltung zur Installation der Videoüberwachung an. Diese sei nur eine Ergänzung zu anderen Maßnahmen, sagte er. So sei vorgesehen, die Streifen des Ordnungsamtes, die derzeit etwa alle 30 Minuten an der Zentralhaltestelle Präsenz zeigten, spätestens ab April wieder durch Bürgerpolizisten zu verstärken. In dem Bereich treffen sich regelmäßig ab dem späten Nachmittag überwiegend minderjährige Flüchtlinge, berichtete Runkel. "Die festgestellten Delikte korrespondieren aber nicht mit der medialen Darstellung", sagte er. In anderen Bereichen der Innenstadt, so rund ums Tietz, habe sich die Situation beruhigt. Die Maßnahmen der Stadt zeigten Wirkung, so Runkel.

 
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Kommentare
9
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 10.03.2017
    17:47 Uhr

    weibel72: Selbst wenn es an der Zenti wieder sicherer sein sollte, wird das eigentliche Problem nur an einen anderen Ort verlagert.
    Gelangweilte Jugendliche müssen beschäftigt werden, dann kommen die auch nicht auf dumme Gedanken.

    2 4
     
  • 10.03.2017
    17:39 Uhr

    Steuerzahler: @Pedaleur: Vorsicht! Ich habe nicht von Schnellverfahren gesprochen. Diese sind aus der unseligen deutschen Vergangenheit mehr als negativ behaftet. Ich habe von "beschleunigten Verfahren" gesprochen, die seit Jahren ein Instrument der Strafverfolgung des deutschen Rechtsstaates sind, ohne dass Abstriche an der Beweisführung gemacht werden. Nicht zuletzt dadurch ist ihre Anwendung nicht immer möglich, erst Recht nicht bei Personen, deren Identität verschleiert oder nicht sicher ist.

    0 6
     
  • 10.03.2017
    17:38 Uhr

    612115: Auch wenn das eigentliche Problem damit nicht gelöst, sondern nur verlagert wird, wäre es doch naheliegend, an der Zentralhaltestelle kein kostenloses WLAN mehr bereitzustellen. Dann würden wie schon im Tietz deutlich weniger Personen dort herumlungern. Wer stellt das denn dort überhaupt bereit?

    2 8
     
  • 10.03.2017
    14:05 Uhr

    Pedaleur: @Steuerzahler: Da muss ich Sie enttäuschen. Mein Nick geht auf mein Hobby zurück. Mir ging es um die gesamten Beschlüsse dieser -derzeitgen- Koalition. Falls Sie aber auf die Straßenradsport- Meisterschaften anspielen- das finde ich natürlich super, dass diese in Chemnitz stattfinden.
    Ich stimme Ihnen zu und hatte ja auch geschrieben: "...leider mit mehr Überwachung und besser mit verstärkten Kontrollen und Streetwork." Wenn Sie Schnellverfahren meinen, dann finde ich, sind diese mit Vorsicht zu genießen. Ein saubere Beweisführung ist zwingend. Was die Konsequenz der Rechtsprechung betrifft, da ist sicher Luft nach oben.

    3 7
     
  • 10.03.2017
    13:40 Uhr

    Steuerzahler: @Pedaleur: "die Sicherheit an der Zenti im wahrsten Sinne in den Blick zu nehmen. "
    Ich nehme auf Grund Ihres Alias mal an, dass Sie den R2G von Haus aus sehr nahe stehen. Trotzdem muss es Ihnen doch einleuchtend sein, dass es genau das ist, was bisher gemacht wird: in den Blick nehmen-also zuschauen. Besser wäre eine sofortige Reaktion mit Zugriff, beschleunigtem Verfahren und schnellem Urteil, welches nicht zur Erheiterung bei den Tätern führt.

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