Thomas Kablau ist einer von rund 5600 Neu-Chemnitzern, die seit Jahresbeginn in die Stadt gezogen sind. Bis Juni fuhr der Feuerwehrmann täglich aus dem Erzgebirge zur Arbeit nach Chemnitz.
Foto: Sven Gleisberg
Chemnitz: Wie Pendler in die Stadt gelockt werden
4000 Euro Begrüßungsprämie bei Umzug nach Chemnitz! Mit Slogans wie diesem versuchen Unternehmen, Zugezogene als Kunden langfristig zu binden
Das Angebot klingt beinahe zu verlockend, um wahr zu sein, und dürfte zumindest auf den ersten Blick so manchem Bürgermeister im Chemnitzer Umland zu denken geben: Ein gemeinsames "Startgeschenk" mit Produkten und Dienstleistungen Chemnitzer Unternehmen im Wert von zusammen rund 4000 Euro können Auswärtige noch bis März 2013 erhalten, wenn sie sich für einen Umzug nach Chemnitz entscheiden. Seit April sind den Initiatoren zufolge bereits einhundert dieser "Begrüßungsprämien" ausgereicht worden. Davon viele an ehemalige Pendler aus der Region, aber auch an Rückkehrer aus den alten Bundesländern und Menschen, die hier eine berufliche Perspektive gefunden haben.
Nur für Mieter der GGG
Die Neu-Chemnitzer müssen allerdings eine wesentliche Voraussetzung erfüllen - nämlich Mieter werden beim kommunalen Großvermieter GGG, dem mit Abstand größten Wohnungsunternehmen der Stadt. Nur dann gibt es von dessen Tochterfirma Wohnen in Chemnitz (WiC) die sogenannte WiC-Card.
Mit im Boot: Der Chemnitzer Energieversorger Eins mit einem Stromtarif, der von Jahr zu Jahr etwas Nachlass gewährt, das Nahverkehrsunternehmen CVAG, das innerhalb eines Monatskarten- Jahresabonnements ein Monats- ticket gratis anbietet, und die Volksbank Chemnitz, die Neukunden ein Startguthaben auf dem Konto gutschreibt. Ferner winken - jeweils unter bestimmten Voraussetzungen - unter anderem Rabatte in einem Möbelhaus, bei einem Umzugsunternehmen oder beim Eintritt zu Sportveranstaltungen. Selbst ein Kasten Bier gratis ist dabei.
Der wohl größte Beitrag kommt von der GGG selbst: Sie erlässt sechs Grundmieten, allerdings zeitlich gestaffelt über drei Jahre hinweg: im ersten Jahr eine, im zweiten Jahr zwei, im dritten schließlich drei. Ob der durchschnittliche Gesamtwert des "Begrüßungspakets" von 4000 Euro tatsächlich erreicht wird, ist somit abhängig von der jeweiligen Wohnungsgrundmiete und dem individuellen Stromverbrauch. Andere Vergünstigungen setzen vergleichsweise hohe Ausgaben voraus. Den "Einkaufsbonus" von 100Euro beim Fahrradhändler etwa gibt es ausweislich des WiC-Internetauftritts erst ab einem Einkaufswert von 599Euro. "Natürlich muss der Verbraucher hier ganz genau hinschauen und sich überlegen, ob er sich vom Angebot locken lässt", sagen Verbraucherschützer.
Thomas Kablau, einer der ersten 100 Nutznießer der WiC-Card, ist indes des Lobes voll. "Eine prima Aktion, ich war sehr angenehm überrascht", sagt der 46-jährige einstige Pendler, der im Juni aus Herold im Erzgebirge in die Chemnitzer Innenstadt gezogen ist. Im Küchenstudio habe ihm seine Karte bereits Vorteile gebracht, auch bei seinem Abonnement der "Freien Presse" freue er sich über einen Bonus. "Wenn dieses Programm mehr publik gemacht werden würde, könnte das dem einen oder anderen vielleicht tatsächlich einen Anstoß geben, über einen Umzug nachzudenken", glaubt er.
Mehr Freizeit, mehr Geld
Gänzlich neu ist der Ansatz indes nicht. Die Wohnungsbaugenossenschaft CAWG etwa verspricht Pendlern und neuen Fachkräften schon seit Jahren "Elf Tage mehr Freizeit und 1700 Euro mehr pro Jahr". Soviel Zeit und Spritkosten nämlich würden die neuen Mieter laut CAWG im Schnitt sparen, wenn sie nicht mehr zwischen ihrem Wohnort und Chemnitz pendeln müssen, erläutert Unternehmenssprecher Daniel Pfaff. Von der Genossenschaft obendrauf gebe es unter anderem drei Monatskarten für das komplette Bus- und Bahnnetz der Stadt und einen Monat mietfrei.
Auf dem eigens für Rückkehrwillige und Pendler eingerichteten Fachkräfteportal der Chemnitzer Wirtschaftsförderung CWE (www. chemnitz-zieht-an.de) findet man Verweise auf derlei Willkommenspakete bislang allerdings eher versteckt. Möglicherweise, weil längst nicht alle Chemnitzer Vermieter auf diese Form des Marketings setzen.


09:54 Uhr
ChemB: @torschro: Bitte den Artikel erst lesen, dann Kommentar schreiben. Bitte erst Mathekurs besuchen, dann Kommentar schreiben.
Allein schon die Zusatzangebote (sollte man diese alle Nutzen - viele sind als Prozentwerte zu verstehen, dazu noch ein Rabattheftel für 500 Euro,... dann rechnen die sicher schon mit über 2000 Euro für das Zusatzpaket und dann für Miete und Strom noch 2000 Euro. Und Grundmiete für 333 Euro pro Monat geht doch noch.
19:19 Uhr
torschro: 6 Grundmieten für 4000Euro? das heisst ich muss der GGG über 36Monate hinweg 20000Euro in den Rachen werfen...wie dämlich ist das denn?
23:52 Uhr
ramon: Mal sehen, wie viel die GGG mit dem Marketinganhängsel WiC in den nächsten Jahren noch bieten wird, damit die sanierten Platten nicht aussterben. In solche Aktionen kann man schön das Geld reinvestieren, was die Abrissförderung der Gründerzeitbauten in den letzten Jahren eingebracht hat.
19:46 Uhr
unwichtig: Schön... Irgendwie, das ist meine Schlussfolgerung, hat eben alles auch 'nen Pferdefuß. :-)
00:14 Uhr
PeKa: Nun müssen bloß noch die Chemnitzer Unternehmer beim Lohn etwas draufschlagen.