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Seit 2005 gibt es am Weißen Weg in Hilbersdorf die Abfallsortieranlage. Auf dem Nachbargrundstück (im Hintergrund) könnte nun ein Kraftwerk gebaut werden, in dem der sortierte und zu Pellets gepresste Müll verbrannt werden soll.

Foto: Andreas Seidel Bild 1 / 2

Chemnitzer Müll soll künftig am Weißen Weg verbrannt werden

Abfallverband will am Zeisigwald Kraftwerk errichten - Dort sollen Strom und Fernwärme erzeugt werden

Von Swen Uhlig
erschienen am 21.03.2017

Die Mitglieder des Umweltausschusses des Stadtrates müssen sich heute hinter verschlossenen Türen mit Plänen des Abfallwirtschaftsverbandes auseinander setzen. Der Verband plant, Hausmüll aus der Region nicht nur wie bisher aufzubereiten, sondern auch in einem Kraftwerk zu verbrennen. "Freie Presse" beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Was hat der Abfallwirtschaftsverband in Chemnitz vor?

Der Verband erwägt, den in der Region anfallenden Hausmüll selbst zu verwerten. Bisher wird der Müll in einer speziellen Anlage am Weißen Weg lediglich sortiert, zerkleinert, getrocknet und zu Pellets verarbeitet. Diese Pellets - in der Fachsprache Ersatzbrennstoffe genannt - werden anschließend in die Lausitz transportiert und dort in Kohlekraftwerken verbrannt. Das Verbrennen der Pellets will der Verband ab 2020 selbst übernehmen, weil die Verträge mit den Anlagen in der Lausitz auslaufen. Dafür soll in Chemnitz ein Kraftwerk errichtet werden, das Strom und Fernwärme erzeugt.

Um welchen Müll handelt es sich dabei?

Konkret geht es um den Restmüll jedes einzelnen Haushalts, der in der schwarzen Tonne entsorgt wird. Die Abfälle kommen dabei aus dem Verbreitungsgebiet des Abfallwirtschaftsverbandes, also der Stadt Chemnitz selbst sowie aus Teilen der Landkreise Mittelsachsen sowie Erzgebirge. Im Verbandsgebiet leben rund 580.000 Einwohner, pro Jahr fallen derzeit 85.000 Tonnen Rest- und Sperrabfall an. Hieraus werden in der Anlage am Weißen Weg 60.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe in Form von Pellets produziert.

Wo könnte das neue Müllkraftwerk gebaut werden?

Als mögliche Standorte nennt der Abfallwirtschaftsverband die ehemalige Deponie Kornweg in Wittgensdorf, das Gelände des Heizkraftwerks in Furth, das Grundstück des Heizwerks in Altchemnitz sowie das Areal rund um die Deponie Weißer Weg in Hilbersdorf. Favorisiert wird vom Verband ein Grundstück zwischen Weißem Weg und Dresdner Straße, das unmittelbar an den Standort der heutigen Sortieranlage angrenzt. Die Fläche gehört der Stadt Chemnitz und befindet sich nach Einschätzung des zuständigen Bürgermeisters Miko Runkel weit genug weg von Wohnhäusern.

Welche Nachteile hätte der Standort?

Das Grundstück befindet sich im Außenbereich, der gültige Flächennutzungsplan weist es als Waldfläche aus. Um dort überhaupt bauen zu dürfen, müsste also der Flächennutzungsplan geändert werden, was nur der Stadtrat beschließen kann. Zudem müsste ein Bebauungsplan erstellt werden und das Genehmigungsverfahren eingeleitet werden. Außerdem gibt es bislang am Weißen Weg keine Möglichkeit, die produzierte Wärmeenergie ins Fernwärmenetz der Stadt einzuspeisen. Es wäre also der Bau einer neuen Trasse notwendig - welche Gebiete davon betroffen sein könnten, steht bisher noch nicht fest.

Welche Aussagen gibt es zu den Emissionen des Kraftwerks?

Wie bei allen Verbrennungen wird auch ein mögliches Müllkraftwerk am Weißen Weg Emissionen ausstoßen. Für das Genehmigungsverfahren wäre die Landesdirektion zuständig. Die Belastung mit Schadstoffen müsse so gering sein, "dass eine Gefährdung der Gesundheit und der Umwelt ausgeschlossen ist". Nötig wäre eine Rauchgasreinigung, die nach Angaben von Bürgermeister Miko Runkel "Staub, Schwermetalle und weitere Schadstoffe auf ein Minimum" reduzieren soll.

Was sagen die Anwohner zu den Plänen?

An den derzeit favorisierten Standort grenzen Hilbersdorf und Euba. Die Bewohner der beiden Stadtteile haben derzeit noch keine Kenntnis von den Plänen des Verbandes und konnten sich daher auch noch keine Meinung bilden. Selbst der Ortsvorsteher von Euba, Thomas Groß, weiß bislang noch nichts von dem Vorhaben. "Ich habe dazu überhaupt noch keine Informationen von der Stadtverwaltung bekommen", sagte er gestern.

Wie soll es weitergehen?

Heute beschäftigen sich erstmals die Stadträte mit dem Thema - allerdings in nichtöffentlicher Sitzung. Der Abfallwirtschaftsverband als möglicher Bauherr hat nach eigenem Bekunden ein Bauleitplanverfahren bei der Stadt beantragt. Für Planung und Genehmigung rechnet man im Rathaus mit einer Dauer von zwei Jahren, die Bauzeit selbst könnte drei Jahre betragen.

Zu den Plänen des Abfallverbandes informieren die Geschäftsführerin Sabine Weikert und der Leiter des städtischen Umweltamtes Thomas Scharbrodt am morgigen 22. März im Umweltzentrum, Henriettenstraße 5. Beginn der Diskussionsrunde ist 17 Uhr.

 
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