Rüdiger Freiherr von Schönberg spricht im Hotel Lay über die Adelsfamilie von Schönberg.
Foto: Andreas Truxa
Ein Adelsspross auf der Spur seiner Ahnen
Rüdiger Freiherr von Schönberg erzählt beim Genealogie-Stammtisch über die Geschichte seiner Familie
Limbach-Oberfrohna. Die von Schönbergs sind für Limbach ähnlich bedeutend wie die Fugger für Augsburg. Im Jahr 1789 war es Helena Dorothea von Schönberg, die das Wirkerei-Innungsrecht beim sächsischen Kurfürst Friedrich August für ihre Stadt durchsetzte -mit dem Effekt, dass Limbach in wenigen Jahren zu einer der bedeutendsten Textilstädte der Welt wurde.
Rüdiger Freiherr von Schönberg, der jetzt Limbach besucht hat, und die im Jahr 1799 verstorbene Dame tragen nicht nur den selben Familiennamen. Mit Georg dem I. von Schönberg (1546 bis 1588) haben sie auch einen direkten gemeinsamen Vorfahren. Ihm gehörte das Limbacher Rittergut, in dem sich heute das Rathaus befindet - dazu das Vorwerk Oberfrohna und das Rittergut Mittelfrohna. Diese Besitztümer verwaltete die Familie bis 1799. Danach wurden sie verkauft.
Einige Adlige aus dem Geschlecht der von Schönbergs blieben vorerst im Limbacher Land und betrieben Handel und Gewerbe bis zum 19. Jahrhundert, dann zerstreuten sich auch hier ihre Wege.
Am Mittwoch ließ sich mit Rüdiger Freiherr von Schönberg wieder ein Vertreter der berühmten Adelsfamilie in Limbach blicken - wenn auch nur als Gast für einen Vortrag beim Genealogie-Stammtisch. "Obwohl es hier seit 1799 keine Schönbergs mehr gibt, fühle ich mich in der Stadt zu Hause", sagte der 71-Jährige, der heute in seinem Schloss Thammenhain bei Wurzen lebt. An seine Zuhörer wandte er sich mit den Worten: "In diesem Umfeld meinen Vortrag halten zu dürfen, empfinde ich als liebevolles Geschenk an einen Nachfahren derer, denen früher die Leute hier anvertraut waren."
Der Umgang seiner Vorfahren mit den Limbacher Untertanen sei für ihn beispielgebend, sagte der Freiherr. Stolz schwingt in seiner Stimme mit, als er erzählte: "Über fast drei Jahrhunderte bestand eine konstante Beziehung zwischen meiner Familie und den Einwohnern dieser Stadt, und immer haben die Schönbergs fürsorglich gehandelt und ihre Verantwortung im Sinne des Nächsten ausgeübt."
Das Interesse des Schlossbesitzers an seinen Wurzeln wurde schon früh geweckt. "Als ich fünf Jahre alt war, mussten wir das bis dahin familieneigene Schloss Thammenhain im Herzens Sachsens verlassen", erzählte Schönberg. "Meine Geschwister wussten immer viel über die einstige Heimat zu erzählen - nur ich war traurig, weil ich so wenige Erinnerungen hatte." Deshalb habe er von selbst begonnen, sich mit seiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Von 1972 bis 2008 war der vor sieben Jahren pensionierte Jurist deshalb auch Familienarchivar der von Schönbergs, 2000 kaufte er sein Elternhaus in Thammenhain zurück, in dem er gemeinsam mit seiner Frau lebt.
Seine Ausarbeitungen zur Verbindung seiner Vorfahren mit Limbach will Rüdiger Freiherr von Schönberg nach weiteren Recherchen im Internet veröffentlichen, danach plane er, sich mit der Historie Thammenhains zu beschäftigen.
Zuhörer hatte er am Mittwochabend reichlich: 57 Familienforscher und Interessierte nahmen am Stammtisch teil. Die Veranstalter, René Gränz aus Dresden und Limbach-Oberfrohnas Stadtarchivar Christian Kirchner, zeigten sich erfreut über diese Zahl: "So viel Interesse hatten wir nicht erwartet. Zum ersten Stammtisch im November 2008 sind 22 Leute gekommen - wir sind also schon ziemlich gewachsen", sagt René Gränz.
Zum nächsten Treffen am 9. Mai informiert der Genealoge Jürgen Udolph über die Entstehung und Verbreitung von Ortsnamen, Flurnamen und Familiennamen. Dazu wurden am Mittwochabend aus den Nachnamen aller Anwesenden 25 gezogen, über die berichtet wird. http://gsl.graenz.name


