Punk- und Popmusik als Zeichen gegen Rechts
Mehr als 200 junge Leute besuchen Konzert linker Bands im Jugendhaus Rußdorf - Übergriffe blieben aus
Limbach-Oberfrohna. Größer als erwartet war der Besucheransturm im Rußdorfer Jugendhaus "Area 23" am Samstagabend. Gut 200 Gäste hatten sich zum Konzert der Bands Feine Sahne Fischfilet, Supershirt und Egotronic eingefunden, das unter dem Motto "Raven gegen Rechts" stand. Die Veranstalter von der Sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna wollten damit nach eigener Aussage eine Freizeitalternative anbieten, die völlig frei von rechtsextremistischem Gedankengut ist.
Musiker verzichten auf Gage
Jan Gorkow, Sänger der Greifswalder Punkband Feine Sahne Fischfilet, zog Parallelen zwischen Limbach und seinem Heimatort in Mecklenburg-Vorpommern: "Dort gibt es die gleichen Probleme mit Nazis wie hier." Deswegen sei es dem 24-Jährigen wichtig, die alternativen Jugendlichen hier zu unterstützen. In eine ganz andere musikalische Richtung begab sich das Publikum danach mit Supershirt. Die früher eher unpolitischen Rostocker spielen sehr tanzbaren Elektro-Pop, verpacken aber zunehmend Gesellschaftskritik in ihre Texte.
Wie auch Egotronic ist die Band bei der Hamburger Plattenfirma Audiolith unter Vertrag, deren Agent Artur Schock mit in Rußdorf war. "Von Limbach-Oberfrohna und seinen Schwierigkeiten hatten wir durch Presseberichte und Facebook schon gehört und waren gerne bereit, den Jugendlichen hier unter die Arme zu greifen", erklärte er. Mit Bedacht habe man Bands aus verschiedenen Musikrichtungen ausgewählt, um ein breit gefächertes Programm bieten zu können. Die Musiker erhielten für ihre Auftritte keine Gage, um den Eintrittspreis bei acht Euro halten zu können. Das eingenommene Geld reiche gerade, um die Kosten zu decken.
22.45 Uhr betrat Egotronic die Bühne. Die Berliner Elektropunk-Band hat 2011 auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel bei Bremen gespielt, das mit bis zu 70.000 Besuchern zu den größten Musikfestivals Deutschlands zählt. Torsun, der 37-jährige Sänger, erzählte: "Mit 16 Jahren begann ich, mich in politischen Gruppen zu engagieren und weiß deshalb, wie schwierig politische Arbeit besonders in kleinen Orten sein kann."
Das kann auch Daniel Drescher von der Sozialen und politischen Bildungsvereinigung bestätigen. "Wir sind sehr froh, dass dieser Abend möglich war. Es gibt schon Schwierigkeiten, wenn man einen Veranstaltungsort finden will: Viele Saalbesitzer haben Angst vor möglichen rechten Übergriffen."
Gäste auch von weiter her
Unter den Gästen am Samstagabend waren Punks und Alternative ebenso wie junge Leute im Alter von 15 bis über 30, Studenten, Schüler und Lehrlinge. "Es ist schön, zu sehen, wie viel Spaß alle haben und dass dabei noch eine politische Botschaft vermittelt wird", freute sich die 22-jährige Susanne Müller aus Rostock. "Wir sind mit einer Truppe von neun Mann hergekommen, hatten von Freunden und durch die Presse von dem Naziproblem Limbachs gehört", sagte Petra Pöbel aus Dresden. Sebastian, 19, aus Freiberg hat durch die Internetcommunity Facebook von der Veranstaltung erfahren: "Ich bin hier, um Präsenz gegen Rechts zu zeigen." Er sorgte sich etwas, dass es am Abend noch zu Zusammenstößen kommen könnte.
Nach Angaben der Polizei gab es in der Stadt bis zum Sonntagmorgen jedoch keine Zwischenfälle. Ordnungskräfte wären notfalls zur Stelle gewesen, versicherte der Präven- tionskoordinator der Stadtverwaltung, Dietrich Oberschelp.


