Werbung/Ads
Menü

Themen:

Dominique Stern (links) mit Sohn Lennox-Gabriel auf Pferd Paula und der Reittherapeutin Stefanie Blau auf dem Reiterhof an der Limbacher Straße 160. Die Reitstunden tun dem Jungen gut, sagt seine Mutter. Um die Therapie zufinanzieren, hat sie einen Spendenaufruf gestartet.

Foto: Andreas Seidel

So hilft Pony Paula einem Jungen

Eine Mutter möchte ihren fünfjährigen Sohn zur Reittherapie schicken. Weil das für sie teuer ist, hat sie eine Spendenaktion in eigener Sache gestartet. Ihr Junge ist nicht ihre einzige Sorge.

Von Jana Peters
erschienen am 21.03.2017

Lennox-Gabriel Stern ist ein Wirbelwind. Seine Markenzeichen: Blonder Wuschelkopf und grüne, runde Brille. Sie ist ein Sportlermodell, mit Gummiband am Hinterkopf. Eine normale Brille würde dem Energiebündel wohl permanent von der Nase fallen. "Er ist 24 Stunden am Tag nur aufgekratzt", sagt seine Mutter Dominique. Diagnostiziert sei bei ihrem Sohn eine zentrale Koordinationsstörung und eine Entwicklungsstörung der Motorik. Dazu plagen ihn Kurzsichtigkeit, Knick-Senkfüße und starke Neurodermitis.

Lennox hat einen Integrationsplatz in einer Kindertagesstätte. Das bedeutet Einzelförderung. Dorthin wird er gefahren, das gehört dazu. Seine Mutter könnte ihn auch nur sehr schlecht in die Kita bringen. Denn sie leidet unter einem Gen- Defekt, dem Morbus-Stickler-Syndrom.

Es ist eine Krankheit, die sich im Laufe des Lebens verschlimmert. Die 25-Jährige ist seh- und hörbehindert, außerdem werden ihre Muskeln immer schwächer. Bisher kam sie mit medizinischen Hilfsmitteln aus. Weil sie mittlerweile kaum noch gehen könne, brauche sie einen Rollstuhl, sagt sie. Der werde gerade für sie angefertigt. Im Moment verlasse sie darum ihre Wohnung nur sehr selten. Außerdem habe sich eine Fehlstellung ihrer Wirbelsäule so ausgewirkt, dass diese Herz und Lunge abgedrückt habe. Weil das wahrscheinlich tödlich geendet hätte, sei sie 2009 operiert worden. Zwei Stangen stützten nun ihre Wirbelsäule vom Nacken bis zum Steißbein. "Ich sehe auf einem Röntgenbild aus wie ein Rollbraten", sagt die junge Frau und lacht. "Was soll ich auch sonst tun?", fragt sie schulterzuckend. Bei allen Schwierigkeiten im Leben dürfe man den Humor nicht verlieren.

Ob auch Lennox unter diesem Gen-Defekt leidet, sei noch nicht klar, einige seiner Beschwerden passten aber dazu. "Der Gen-Test läuft", sagt Stern. Bei ihr sei der Gen-Defekt erst 2003 festgestellt worden. Dabei stellte sich heraus, dass auch ihre Mutter betroffen war. Um diese habe sie sich seit ihrem elften Lebensjahr kümmern müssen, so Stern, da lebte sie noch in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Mutter sei manisch-depressiv gewesen. Früh habe Stern darum gelernt, Verantwortung zu übernehmen und allein zurechtzukommen. Auch jetzt sei sie allein. Die Mutter ist verstorben, von Lennox' Vater lebt sie getrennt, Verwandte habe sie keine in Chemnitz, dafür aber Freunde. In die Stadt kam sie, weil sie im Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte eine Ausbildung zur Bürokraft absolvierte. Aktuell suche sie Arbeit - und sammelt im Internet Geld für ihren Sohn. Auf einem Portal, das darauf spezialisiert ist, hat sie einen Spendenaufruf gestartet. Außerdem verteilte sie Flyer mit der Geschichte von Lennox und ihrem Anliegen.

Die junge Mutter möchte ihn regelmäßig zur Reittherapie schicken. Das ist ihr so wichtig, dass sie ihn einmal in der Woche selbst dorthin bringt. Lennox lernt, mit einem Pony umzugehen, absolviert auf dem Pferd sitzend Übungen wie Bälle werfen und fangen. "Das Pferd ist der Therapeut", beschreibt Stern. Ein paar Mal schon war ihr Sohn auf dem Reiterhof an der Limbacher Straße, jedes Mal bei Pony Paula. Nach der ersten Stunde habe er gar nicht mehr nach Hause gewollt und frage seitdem immer, wann er wieder zu Paula dürfe. "Ich habe ihn noch nie so ruhig erlebt wie mit dem Pferd", sagt Stern. Das Reiten stärke Lennox' Rumpfmuskulatur, die eingenommene Stellung der Beine helfe gegen die Knick-Senkfüße. Übungen auf dem Pferd schulten die Hand-Auge-Koordination, und ihr Sohn lerne, ruhig zu sein und sich langsam zu bewegen, "sonst läuft Paula weg oder tritt aus". Stern setzt große Hoffnungen in die Therapie, denn im nächsten Jahr wird der Fünfjährige eingeschult. Dafür müsse er ruhiger werden, "sonst kommt er in eine Schule für schwer erziehbare Kinder", fürchtet Stern. Doch die Therapie wird in Deutschland von den Krankenkassen nicht bezahlt, weil der wissenschaftliche Beweis für ihren Nutzen bisher fehlt. In der Schweiz zum Beispiel wird das anders gehandhabt. Dort ist die Therapieform anerkannt. In Deutschland jedoch muss die Leistung meist privat getragen werden. Doch das könne sich Dominique Stern, die Blindengeld erhält, eigentlich nicht leisten. Eine Therapiestunde koste 45 Euro, sagt sie. Bisher spart sie sich die Beträge vom Munde ab. Die Spendenaktion hat bisher kaum Früchte getragen. Immerhin 45 Euro sind eingegangen.

Dominique Stern bleibt trotzdem optimistisch. Zuletzt durfte Lennox Paula allein in die Reithalle führen. Das habe ihn unheimlich stolz gemacht. Damit ihr Sohn auch in der Zukunft solche Erlebnisse haben kann, will sie weiter sparen.

Der Spendenaufruf findet sich unter www.leetchi.com/c/soziales-von-mein-sohn-lennox-gabriel

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
Wetteraussichten für Chemnitz
Do

10 °C
Fr

9 °C
Sa

9 °C
So

13 °C
Mo

17 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Chemnitz und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Chemnitz

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Technik 3.0 - bei MediMax.

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

09111 Chemnitz
Brückenstraße 15
Telefon: 0371 656-12101
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 8:30 - 18:00 Uhr, Sa. 9:00 - 11:30 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm