Werbung/Ads
Menü

Themen:

Rainer Thümer, Vereins-Chef vom Kleingartenverein Am Taurastein zeigt in einem Garten Wasserhahn und -uhr, die wie die rund 1000 Meter lange Wasserleitung von den Mitgliedern selbst gebaut und finanziert wurde. Damit wird das Gießen der Beete vor allem für die Älteren erleichtert.

Foto: Toni Söll

Warum Kleingärtner dieses Jahr besonders viel Salat ernten

Etwa 30 Jahre lang holten Burgstädter Laubenbesitzer am Taurastein ihr Wasser aus einem Brunnen. Dann versiegte er. Jetzt halfen sie sich selbst.

Von Bettina Junge
erschienen am 19.05.2017

Burgstädt. Rainer Thümer zeigt stolz auf sein Gewächshaus. "Dieses Jahr gedeiht der Salat besonders prächtig", sagt der Chef des Kleingartenvereins "Am Taurastein" in Burgstädt. Gleiches erhoffe er sich von den Gurken, die er vor zwei Wochen gesteckt hat. Das gute Wachstum hat seinen Grund. Seit diesem Frühjahr haben die 68 Gärten der Anlage einen eigenen Wasseranschluss. "Das Schleppen der schweren Gießkannen entfällt", sagt Gartennachbar Heiko Kramarek, der wie die meisten der Anlage seit Gründung vor knapp 35 Jahren eine eigene Scholle bewirtschaftet.

1983 war die Anlage am Fuße des Taurasteins, unweit der Tennisplätze am Hänflingsberg gegründet worden. Idyllisch zwischen Feldern und Wäldern gelegen, auf einer Fläche von reichlich 22.000 Quadratmetern sind kleine, grüne Oasen entstanden - mit Lauben, liebevoll angelegten Beeten und Gewächshäusern. "Das ist eine Anlage, die auf dem Reißbrett zu DDR-Zeiten gezeichnet wurde", sagt Vereins-Chef Thümer. Die Gärten sind alle etwa 300 Quadratmeter groß. Die Nachfrage nach einem Flecken im Grünen sei groß gewesen. Da Obst und Gemüse zu DDR-Zeiten knapp war, habe man auf den eigenen Anbau und Ernte geschworen.

Heute sind die Lebensmittel nicht mehr knapp. "Aber eigene Ernte, ohne chemische Zusätze ist für mich wichtig", sagt Michel Köhler, der seit einem Jahr einen Garten mit seiner Freundin und drei Kindern bewirtschaftet. Der 26-Jährige geht fast jeden Tag in die Anlage. Dabei hatte er zuletzt wenig Zeit, um Unkraut zu zupfen und Beete anzulegen. Denn der Verein hatte beschlossen, dass eine eigene Wasserleitung gelegt wird. "Etwa 30 Jahre haben wir unser Wasser selbst geschleppt", sagt Schatzmeister Heinz-Jürgen Dost.

Denn das Wasser zum Gießen kam aus einem Brunnen. Doch vor etwa vier bis fünf Jahren wurde das Wasser weniger, schließlich versiegte die Quelle. Da war guter Rat teuer. Schließlich wurde ein Wassertankwagen aufgestellt. "Das war auch beschwerlich", erinnert sich Dost. Als es 2015 einen sehr trockenen Sommer gab, war die Mehrheit überzeugt, dass eine eigene Wasserleitung gebaut wird. "Das ging alles ganz unbürokratisch", sagt Thümer. Die Stadtverwaltung habe den Bau genehmigt, die Raiffeisenbank habe einen Kredit über 15.000 Euro eingeräumt. "Die Mehrheit der Vereinsmitglieder hat zugestimmt", ergänzt Dost. Die Kleingärtner baggerten in 1400 Stunden eine knapp 1000 Meter lange Leitung, verlegten Rohre und stellten für jeden Garten einen Anschluss her. Im April 2017 floss das erste Wasser. Neben Materialkosten von 21.000 Euro müssen die Laubenbesitzer zur 100 Euro teuren Pacht im Jahr jetzt Wassergeld je nach Verbrauch und Baukosten bezahlen, rechnet Dost vor. "In fünf Jahren ist der Kredit bezahlt", sagt er. Für jeden einzelnen - meist Rentner - sei die finanzielle Belastung überschaubar, ergänzt Thümer.

Warum der Brunnen versiegt ist, weiß Norbert Conrad, technischer Geschäftsleiter des Wasserzweckverbandes RZV, der Burgstädt mit Fernwasser versorgt. Früher habe es viele Brunnen in der Region gegeben. Aber da ein Großteil nicht sehr tief liegt, seien viele versiegt. Klimawechsel, bauliche Veränderungen durch Straßen-, Wohnungs- und Gewerbebau seien die Ursache gewesen, dass sich die Fließbewegungen veränderten, erläutert Conrad. Auch der RZV habe früher Wasser aus zehn Brunnen bezogen. Aber diese seien alle stillgelegt oder zurückgebaut worden.

Die Initiative in Burgstädt lobt Conrad. Denn oft scheuten sich Kleingärtner wegen der Arbeit und der Kosten, selbst eine Leitung zu verlegen. Er wisse, dass in Anlagen Wasserleitungen dringend saniert werden müssten, aber dafür das Geld fehle. Auch im Verband der Kleingärtner Chemnitz-Land, der 70 Vereine mit etwa 5000 Mitgliedern betreut, wird die Initiative gern gesehen. "Damit steigt der Wert der Gärten und der Anlage", sagt ein Sprecher. Zurzeit sei am Taurastein ein Garten frei. In anderen Anlagen sehe die Belegung schlechter aus.

 
Seite 1 von 2
Warum Kleingärtner dieses Jahr besonders viel Salat ernten
Was Männer an ihrem Garten besonders schätzen
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Chemnitz
Sa

23 °C
So

25 °C
Mo

27 °C
Di

27 °C
Mi

21 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Chemnitz und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Chemnitz

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Volltreffer Wochen - bei MediMax.

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Online Beilagen

Die aktuellen Angebote von Ihrem Media Markt Chemnitz

Wir feiern Geburtstag! Hin & Web!

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

09111 Chemnitz
Brückenstraße 15
Telefon: 0371 656-12101
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 8:30 - 18:00 Uhr, Sa. 9:00 - 11:30 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm