Familienzirkus Saloni mit Kamel Ivan sitzt auf dem Burgstädter Anger wegen der Kälte fest. Zur Truppe gehören neben Chef Roberto Kölner, Enkelin Geraldine sowie die beiden Töchter Christina und Emily (von links). Eine Weiterfahrt in nächste Gastspielorte ist erst bei Plusgraden möglich.
Foto: Andreas Truxa
Zirkusfamilie muss unfreiwilligen Stopp in Burgstädt einlegen
Wegen der Kälte macht Zirkus Saloni eine Zwangspause am Anger
Burgstädt. Eigentlich sollte Martina Kölner mit ihrer Familie längst auf dem Festplatz in Roßwein ihr Zirkuszelt aufgeschlagen haben. Doch die Kälte machte einen Strich durch die Rechnung. Seit einer Woche sitzt das Familienunternehmen in Burgstädt fest. Die Heizung des großen Wohnwagens ist eingefroren und kann erst bei Plusgraden repariert werden. Die Eltern mit den vier erwachsenen Töchtern und dem dreijährigen Enkelkind müssen sich in drei kleinen heizbaren Campinganhängern aufhalten. Zwei Pferde, Kamel, Lama und Ziege frieren in einer Zeltunterkunft. Das Zirkuszelt kann wegen der Minusgrade gar nicht aufgebaut werden.
Bis 30. Januar hatte Zirkus Saloni in Limbach-Oberfrohna gastiert. Dann kam die Absage aus Roßwein (Mittelsachsen). "Wegen der Kälte gab es keinen Wasseranschluss, deshalb konnten wir unsere Wagen und Campinganhänger nicht umsetzen", sagte Direktor Roberto Kölner. Er habe bei der Stadt Burgstädt nachgefragt, wo Saloni Mitte Januar zu Gast war, ob eine Zwangspause auf dem Anger eingelegt werden könne. Seitdem sitzt der Zirkus dort fest. Die Stadt habe gern geholfen, weil Saloni bereits in Burgstädt gewesen sei und eine gute Unterhaltung biete, sagte Bürgermeister Lars Naumann. Bis 20. Februar könne der Zirkus den Platz nutzen.
"Wir hoffen, dass bis dahin die Kälte etwas nachlässt, damit wir unsere Tournee fortsetzen können", erklärt Martina Kölner. Es gebe viele helfende Burgstädter. So könne sie die Wäsche im Kinderheim waschen. Zum Duschen stehe das Gemeindehaus der Kirche offen. Da es zu kalt sei, um die Leitung am Anger einzustellen, könne Wasser an einer Tankstelle und von einer Firma geholt werden. Von umliegenden Bauernhöfen und Genossenschaften werde Heu für die Tiere gekauft.
Doch das Familienunternehmen hat auch finanzielle Probleme. "Die Einnahmen durch die Zwangspause fehlen uns", sagte Martina Kölner. Denn die Besucherzahlen gehen zurück. Besonders schlimm sei es vor reichlich zwei Jahren gewesen. Wegen fehlender Einnahmen konnten die Raten für den Lkw, der die Wohnwagen zieht, nicht mehr bezahlt werden. Der Laster wurde abgeholt und das fahrende Volk hing seit November 2009 in Grimma fest. "Da kam Hilfe vom dortigen Oberbürgermeister", sagte Martina Kölner. Er habe im März 2011 eine Benefizveranstaltung mit rund 500 Gästen organisiert. Als Überraschung kam Moderatorin Inka Bause und lud die Zirkusfamilie zur ZDF-Show von Carmen Nebel nach Leipzig ein, die am selben Abend stattfand. Dort bekam der Zirkus einen neuen Lkw.
Seitdem toure das Familienunternehmen wieder durch die Region. Allerdings hat es laut Roberto Kölner erneut Einbußen durch den langen schneereichen Winter im vergangenen Jahr gegeben. "Aber da waren wir besser auf die Kälte vorbereitet, weil wir bereits das Winterquartier in Mockrehna bei Torgau bezogen hatten", ergänzt seine Frau. Mehrere Auftritte in der Region hätten aber ausgereicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch im Januar seien Versicherungen, Gema-Gebühren, Druckereikosten und andere Ausgaben fällig. Die Einnahmen aus den Auftritten fehlten.
Seit November 2011 sei Saloni auf Tour, weil der Winter bisher sehr milde war, sagt der Zirkusdirektor. Der Kälteeinbruch sei dann überraschend gekommen. Die Zwangspause will der Zirkus nutzen, um ein paar Einnahmen durch Auftritte in Schulen, Kindergärten oder bei Faschingsvereinen zu erhalten. Seit Mittwoch ist die Zirkusfamilie im Kindergarten des Telekommunikations-Spezialisten Komsa in Hartmannsdorf zu Gast. Außerdem gastiert die Truppe im Hort der Goethe-Grundschule.
Kritisch sieht die Tierrechtsorganisation Peta den Auftritt von Zirkus Saloni. "Tiere werden bei der Kälte durch die Gegend gekarrt, das ist nicht mehr zeitgemäß", sagte am Mittwoch Sprecherin Carola Schmitt. Rund 350 Wanderzirkusse würden durch Deutschland touren und mangels Geld gerade im Winter um Spenden bitten. Die Unterstützung sei nur kurzfristig möglich, dann würden wieder finanzielle Probleme auftreten. Saloni-Chef Roberto Kölner kennt die Vorwürfe: "Wir würden aufhören, aber unsere Kinder bestärken uns immer wieder weiterzumachen. Das liegt bei uns so im Blut." Aber er bestätigt, dass das Interesse am Zirkus zurück gehe. Zu DDR-Zeiten hätten sich Zirkus und Rummel in einem Ort abgewechselt. Jetzt fehle in vielen Familien das Geld für den Zirkus-Besuch. Der Kampf ums Überleben sei schwieriger geworden. Er wolle deshalb jetzt auch das Kamel verkaufen.



08:34 Uhr
EkimSchubert: Können sich nicht viele kleine Zirkusfamilien zu mehreren großen zusammenschließen? Denn ewig geht das mit den Spenden ja auch nicht und wer spendet schon gern in ein Fass ohne Boden?