Blanche Benzner wurde durch Dohrns Firma an den Auer Pflegedienst Muricare vermittelt. Das Gesundheitswesen sei eine der Branchen, in denen auch Hartz-IV-Empfänger Chancen haben, sagt Andreas Dohrn.
Blanche Benzner wurde durch Dohrns Firma an den Auer Pflegedienst Muricare vermittelt. Das Gesundheitswesen sei eine der Branchen, in denen auch Hartz-IV-Empfänger Chancen haben, sagt Andreas Dohrn.

Foto: Lars Rosenkranz

Neue Jobcenter-Struktur ein Nachteil für Hartz-IV-Empfänger?

Vermittlung im Erzgebirgskreis seit Januar getrennt

Stollberg. Benachteiligt die neue Struktur der Jobvermittlung im Erzgebirgskreis Hartz-IV-Empfänger? Seit bekannt ist, dass Unternehmer ihre Stellen nun zweimal anbieten sollen, wenn Kurz- und Langzeit- arbeitslose dafür gleichermaßen infrage kommen, läuft die Debatte. Der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur, eines der wichtigsten Instrumente der Jobvermittlung, hat Hartz-IV-Empfänger nicht mehr in der Datenbank. Dafür baut das Landratsamt seinen eigenen Arbeitgeberservice auf. Und das, so Pfarrer Andreas Dohrn aus Stollberg, ist für Hartz-IV-Empfänger kein Nachteil.

Dohrn ist nicht nur Pfarrer der St.-Jakobi-Kirchgemeinde Stollberg. Er ist auch Chef der Ersten Christlichen Arbeitsvermittlung, die ihren Sitz im Stadtteilzentrum "Das Dürer" im Stollberger Neubaugebiet hat. Hinter großen Glaswänden sitzen die Mitarbeiter. "Wir bringen fast jede Woche jemanden in Arbeit. Von der Hilfskraft bis zum Akademiker", sagt Dohrn.

Die Debatte um das neue kommunale Jobcenter beobachtet der Fachmann aufmerksam. Der Kreistag hat entschieden, ab 2012 den Weg der Optionskommune zu gehen und Hartz-IV-Empfänger allein zu betreuen. Wie das organisiert werden kann, darüber hat Dohrn als Mitglied einer Steuerungsgruppe die Verwaltung mit beraten. Dass Hartz-IV-Empfänger nun ins Abseits geraten würden, dem widerspricht er entschieden. Sie könnten vielmehr profitieren: "Es wird zwei starke Vermittlungs-Akteure geben." Dohrn macht sich keine Sorgen, dass Firmenchefs künftig nur noch bei der Arbeitsagentur anrufen und Langzeitarbeitslose links liegen lassen: "Die Bevölkerung schrumpft. Die Unternehmen müssen bald alle Möglichkeiten nutzen, um Arbeitskräfte zu finden."

Besonders in vier Branchen werde bis 2025 die Beschäftigung zunehmen: Gesundheit, Soziales, Reinigung und Hotels beziehungsweise Gastronomie. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit ausgerechnet. Genau für diese Berufe aber, sagt Dohrn, seien viele der Langzeitarbeitslosen qualifiziert. In diesen Bereichen könnten also die Vermittler der Jobcenter die Chancen der Hartz-IV-Empfänger auf Jobs erhöhen.

Trotzdem seien nach seiner Erfahrung nicht alle Langzeitarbeitslosen in der Lage, sofort eine Stelle anzutreten: "Sie befinden sich oft in verzwickten persönlichen, familiären und beruflichen Ausgangslagen. Nicht selten ist Lebensberatung der erste Schritt." Auch dafür seien die Mitarbeiter des Landratsamts, die oft aus der Sozial- oder Jugendhilfe kämen, besonders qualifiziert.

Trotzdem: Beim Arbeitgeberservice sei eine enge Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und Landkreis-Jobcenter wichtig. Zum Beispiel könnten sie sich über passende offene Stellen direkt austauschen.

"Die Bewerberprofile können sie aber nicht einfach hin und her schieben", betont Dohrn. Denn für Kurzzeit- und Langzeitarbeitslose sind jetzt nun mal unterschiedliche Behörden zuständig.

Warum sich die beiden aber nicht wenigstens früh auf eine Zusammenarbeit verständigt haben, kann Dohrn allerdings nur vermuten: "Der Arbeitgeberservice ist eine heilige Kuh der Arbeitsagentur." Konkurrenz sei vielleicht nicht gern gesehen. Und die Mitarbeiter des Landratsamts seien 2011 damit beschäftigt gewesen, die Empfänger-Daten in ihr Computersystem zu übertragen. Dabei hätten sie zuweilen auch auf die Agentur warten müssen.

 
erschienen am 05.02.2012 ( Von Eva-Maria Simon )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 05.02.2012
    22:17 Uhr

    Flashback2012: "Der Arbeitgeberservice ist eine heilige Kuh der Arbeitsagentur." ist auch gut so ,weil auch immer, egal ob "christlich" oder nicht , missbrauch angestellt werden kann und langzeitarbeitslose wie sklaven auf dem arbeitsmarkt "presendiert werden könnten...... bei dem Pfarre kann es ja richitg sein aber nicht alle sind "christlich"...;))))

    1 0
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Stollberg
Di

23 °C
Mi

24 °C
Do

19 °C
Fr

16 °C
Sa

16 °C
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
 
Freie Presse vor Ort

09366 Stollberg
Herrenstraße 19
Telefon: 037296 6990-0


Öffnungszeiten:
Mo. bis Do. 9.00 - 17.30 Uhr, Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Stollberg und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Stollberg

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
vms
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


Der Partner für Ihren Kredit - Maxxkredit