Stollberg will "Phänomenia" ins Schloss Hoheneck holen
Stadt hat neue Pläne für das ehemalige Gefängnis
Stollberg. Wissenschaftliche Phänomene zum Anfassen in der sanierten Brache der Rema - das sollte die "Techno-Rema" werden. Nun gehört dieses Projekt der Vergangenheit an. Das neue Vorhaben ist eine Nummer kleiner und befasst sich ebenfalls mit Naturwissenschaft und Technik: Die Lern- und Erlebniswelt "Phänomenia" soll nach Stollberg geholt werden. In dieser Woche hat die Stadt Pläne vorgestellt, nach denen die Glauchauer Einrichtung im Nordflügel von Schloss Hoheneck ihr Domizil finden soll.
Die geplanten Kosten für die Sanierung: 3,7 Millionen Euro. Eine Summe, die nur mit entsprechender Förderung aufzubringen ist. Nachdem der Stadtrat den Plänen am Montag zugestimmt hat, wird nun der Fördermittelantrag erarbeitet, erklärt Stollbergs Hauptamtsleiter Reiner Kunz. Angestrebt werde eine 90-prozentige Förderung, die Chancen stünden gut. Man habe "nach entsprechenden Vorgesprächen berechtigte Hoffnungen".
Gedenkstätte bleibt Bestandteil
Möglich sei das städtische Engagement erst mit der Aufnahme von Hoheneck in Sachsens Gedenkstätten-Stiftungsgesetz geworden, erklärt Kunz. Denn erst damit komme eine institutionelle Förderung infrage. Geplant sei eine dauerhafte Nutzung des Nordflügels durch die Stadt. Voraussichtlich soll zwischen ihr und dem Eigentümer ein Erbpachtvertrag geschlossen werden.
Da das Gesamtkonzept für das ehemalige Gefängnis eine Mischnutzung vorsieht - so sollen eine Gedenkstätte geschaffen und der Zellentrakt zu Besichtigungszwecken erhalten werden - werde man auch der Forderung beispielsweise der "Hoheneckerinnen" gerecht, sagt Kunz. Die ehemaligen politischen Gefangenen, die in Hoheneck einsaßen, haben immer wieder betont, dass der Komplex auch zukünftig an die dunkle Vergangenheit des Frauengefängnisses erinnern soll. Nach jetzigem Stand ist vorgesehen, dafür den Südflügel zu nutzen.
Der Betreiber der "Phänomenia" in Glauchau, die IWS Integrationswerk gemeinnützige GmbH Westsachsen, hat am jetzigen Standort in Glauchau-Gesau aus baulichen Gründen Probleme. IWS-Geschäftsführer Detlev Seiler war am Mittwoch allerdings für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie aber Stollbergs Hauptamtsleiter Reiner Kunz sagte, habe es entsprechende Vorabsprachen mit der IWS gegeben. Mit dem Umzug in die neu zu schaffenden Ausstellungsräume können "die Standortbedingungen der ,Phänomenia' deutlich verbessert werden", heißt es in der Stollberger Beschlussvorlage zur Sanierung. Und für Stollberg bedeute es die Chance, zum einen das ursprüngliche Wissenschaftsprojekt "Techno-Rema" in kleinerer, abgewandelter Form umsetzen zu können und gleichzeitig den brach liegenden Komplex der ehemaligen Justizvollzugsanstalt sinnvoll nachzunutzen.
"Techno-Rema" war zu teuer
Das "Techno-Rema"-Projekt, das nun zu den Akten gelegt wurde, sah die Nutzung der Brache des einstigen Rundfunkbetriebs Rema als Wissenschafts-Center vor - Vorbild war das "Technorama" im schweizerischen Winterthur. Doch die ermittelten Kosten erreichten letztendlich eine Dimension, die nicht zu finanzieren war: Im Gespräch waren zuletzt bis zu 8,5 Millionen Euro. Das sei dem Fördermittelgeber nicht mehr "plausibel darstellbar" gewesen, so Reiner Kunz. Gleichzeitig habe sich mit der Aufnahme von Schloss Hoheneck ins Gedenkstättengesetz die jetzt vorgestellte neue Chance eröffnet. Die Rema-Brache indessen hat nun keine Zukunft mehr, für sie bleibe wohl nur der Abriss.

