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Petro Rychlo aus der Ukraine erhält den Reiner-Kunze-Preis 2017.

Foto: Helga von Loewenich

Ukrainer erhält Oelsnitzer Literaturpreis

Petro Rychlo wird mit der nach Reiner Kunze benannten Auszeichnung geehrt. Mit dem Festakt geht die Stadt neue Wege.

Von Björn Josten
erschienen am 29.03.2017

Oelsnitz. Der Reiner-Kunze-Preis 2017 geht in die Ukraine an Petro Rychlo. Das hat ein Preiskomitee entschieden. Verliehen wird die mit 4000 Euro dotierte Auszeichnung am 9. Mai in Oelsnitz - in größerem Rahmen als bei den bisherigen Veranstaltungen. Statt in die Stadtbibliothek werden die Gäste nun erstmals in die Aula des Beruflichen Schulzentrums eingeladen. "Unsere Bücherei ist schön. Wir möchten die Verleihung künftig jedoch in größerem und festlicherem Rahmen begehen", sagt Bürgermeister Bernd Birkigt.

So wird die Preisverleihung von Musikern des Robert-Schumann-Konservatoriums aus Zwickau begleitet. Die Laudatio übernimmt der Berliner Literaturwissenschaftler Hans Dieter Zimmermann. Umrahmt wird die Veranstaltung mit einer Lesung von Reiner Kunze und einer Ausstellung Helga von Loewenich. Die Schau in der Stadtbücherei trägt den Titel "Wasser, welch ein Wort: das Brunnen und Wolkenmotiv in der bukowinischen Dichtung". Die Berliner Künstlerin hat bereits mit Petro Rychlo und dem gebürtigen Oelsnitzer Reiner Kunze gearbeitet. "Wir werden allerdings einzelne Exponate auch bei der Verleihung zeigen", sagt Birkigt.

Die Verleihung des Reiner-Kunze-Preises richtet sich an künstlerische Leistungen auf höchstem sprachlichem Niveau. Der Preis möchte literarische Bemühungen fördern, wo Poesie als Widerstand existiert. Das Preiskomitee richtet den Blick vorrangig auf die häufig in zweiter Reihe stehenden Übersetzer, deren Bemühen es ist, den ursprünglichen in Worte gefassten Gedanken in neuer Sprache wiederzufinden. Der Preis wird seit 2007 alle zwei Jahre ausgelobt. Bisherige Preisträger waren der deutsche Schriftsteller Utz Rachowski sowie die Übersetzer Thomas Eichhorn, Inés Koebel, Mireille Gansel und Uwe Kolbe.

Der diesjährige Preisträger Petro Rychlo ist ein ukrainischer Germanist, Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Essayist und Hochschullehrer in Czernowitz. 1988 promovierte er über die Lyrik von Stephan Hermlin. Es folgte 2007 seine Habilitation über Paul Celans Dichtung als Intertext. Rychlo publizierte als Übersetzer und Herausgeber rund 30 Bücher, darunter Werke von Reiner Kunze. 2012 wurde Rychlo mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Petro Rychlo zeigt sich von der anstehenden Auszeichnung geehrt. "Schon des Namens des Preisgebers wegen möchte ich diesen Preis dankbar annehmen. Ich kenne und schätze Reiner Kunze als Dichter und Mensch besonders hoch", schreibt Rychlo an Bürgermeister Birkigt. Kunze selbst war im vergangenen Jahr in der Ukraine zu Gast und traf dort Rychlo. In Kiew und Czernowitz wurde der von diesem übersetzte und herausgegebene zweisprachige deutsch-ukrainischen Gedichtband unter dem Motto 'Reiner Kunze - der deutsche Dichter der Freiheit' präsentiert. Helga von Loewenich hatte dieses Buch bebildert. "Der Band stieß in der Ukraine auf eine enthusiastische Aufnahme, insbesondere bei den Jugendlichen", schreibt Rychlo. "Auf diese Weise erreichen Gedichte von Reiner Kunze, die als Symbol des Widerstands gegen jegliche Diktatur gelten, das Lesepublikum im Osten Europas."

Bürgermeister Bernd Birkigt möchte den Reiner-Kunze-Preis langfristig aufstellen. Dazu soll ein festes, professionelles Preiskomitee installiert werden. Neben Vertretern aus Büchereiwesen und Buchhandel wird ein weiterer internationaler Literaturkenner gesucht. Erste Kontakte seien bereits geknüpft.

 
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