Noch steht der Stadtblick 5 auf der Lieferliste von Menü-Kurierfahrerin Jana Schreiter von Auris Bigfood. Inzwischen sind in dem Wohnblock weit mehr als die Hälfte der Wohnungen leergezogen.
Foto: Jan Görner
Zschopau schmiedet neue Abriss-Pläne
Kommune konzentriert sich in den nächsten Jahren auf das Wohngebiet "Stadtblick"
Zschopau. In Zschopau werden neue Abrisspläne geschmiedet. Wegen des anhaltenden Bevölkerungsrückganges und wachsenden Wohnungsleerstandes soll in den nächsten Jahren der Stadtblick 5 mit 59 Wohnungen abgebrochen werden. Das Vorhaben ist Bestandteil des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes, das der Stadtrat bei einer Sondersitzung auf den Weg gebracht hat.
Das Konzept bildet die Grundlage, um bei der Sächsischen Aufbaubank einen Aufnahmeantrag für das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" stellen zu können und somit in den Genuss von Fördermitteln zu kommen. Die Frist dafür läuft Andrea Schreyer zufolge am 28. Februar ab. Die Planerin der Stadt- und Landentwicklung Sachsen/Thüringen (GSL) hat im zurückliegenden Jahr im Auftrag der Kommune das Entwicklungskonzept für Zschopau überarbeitet. Bei der Analyse hat sich das reichlich zwei Hektar große Stadtblick-Areal neben dem August-Bebel-Gebiet als weiteres Sorgenkind erwiesen.
Einwohnerentwicklung: Etwa 2,25 Prozent der Zschopauer Bevölkerung lebt im Stadtblick-Gebiet. Innerhalb von acht Jahren verlor die Wohngegend fast 70 Einwohner - deren Zahl sank Ende 2010 auf 232. Hinzu kommt ein hoher Altersdurchschnitt: Stadtplanerin Schreyer zufolge stieg der Anteil der Bewohner, die 65 Jahre und älter sind, von knapp 27 auf 43,5 Prozent. Einwohner unter 15 Jahren gibt es dort überhaupt nicht mehr.
Wohnungsbestand: Der Leerstand konzentriert sich insbesondere auf den Stadtblick 5 im Eigentum der kommunalen WBZ Wohnbaugesellschaft Zschopau mbH. Trotz einer zunehmenden Zahl von Ein-Personen-Haushalten finden sich für die 30 Quadratmeter großen Einraum-Wohnungen keine Mieter mehr. Ende vergangenen Jahres standen 32 Wohnungen leer - das sind weit mehr als die Hälfte im Block. Im August-Bebel-Gebiet besteht ein ähnliches Problem. Der Leerstand mit vergleichbarem Zuschnitt liegt dort bei 39 Prozent. Für diese Wohnungen besteht kein Bedarf, schlussfolgert Schreyer. Gut belegt sind dagegen die anderen Plattenbauten im Stadtblick. 40 Einheiten befinden sich im Eigentum der Wohnungsgenossenschaft Zschopau, der Stadtblick 6 bis 11 und 12 bis 13 ist indes in den Händen von Eigentümergemeinschaften.
Abriss und Aufwertung: Der Abriss des Stadtblick 5 soll bis 2014 erfolgen. Die Kosten belaufen sich laut Schreyer auf reichlich 89.500 Euro. Diese Summe soll aus dem Fördertopf "Stadtumbau Ost" bestritten werden. Im August-Bebel-Wohngebiet wurden seit 2002 343 Wohnungen mit Mitteln aus dem Fördertopf abgerissen. Mit dem Abbruch im Stadtblick-Gebiet sind gleichzeitig Verschönerungsarbeiten geplant. Dazu soll die Kommune etwa 79.000 Euro beisteuern. Knapp 160.000 Euro Fördermittel könnten dafür fließen. Unter anderem sollen alte Schuppen und Motorradgaragen verschwinden. Auf der Abrissfläche könnten zudem 20 neue Pkw-Parkplätze entstehen. Mit privaten und Fördermitteln sollen 33 Garagen auf Vordermann gebracht, verputzt, angestrichen sowie Dächer in Stand gesetzt werden. Verschönerungsarbeiten sind ebenso am dort entlang führenden Zschopautalradweg geplant.
Stadtblick-Geschichte: Das Wohngebiet entstand 1977 in Block- beziehungsweise Plattenbauweise mit insgesamt 180 Wohneinheiten. Hinzu kamen ein Platz mit 33 Garagen sowie weitere Stellflächen. Das Wohngebiet wird begrenzt von der Staatsstraße 228 im Norden und dem Seniorenzentrum im Süden. Östlich schließen sich im Vergleich kleinteilige Neubauten und historische Bebauung an der Stiftsgasse sowie die Alte Marienberger Straße an.
Bevölkerungsprognose: Im Jahr 1990 zählte Zschopau zusammen mit dem inzwischen eingemeindeten Ortsteil Krumhermersdorf knapp 14.600 Einwohner. Zur Jahrtausendwende war deren Zahl auf rund 12.400 geschrumpft, und neun Jahre später auf weniger als 10.500. Laut Statistischem Landesamt wird der Erzgebirgskreis zwischen 2009 und 2025 annähernd 65.000 Einwohner verlieren.


