Das unbewohnte Schloss verfällt langsam.
Foto: Andreas Kretschel
Lichtensteiner Schloss ruht weiter im Dornröschenschlaf
Prinz Alexander von Schönburg-Hartenstein ist nicht zu erreichen
Lichtenstein. Die Stadt Lichtenstein feiert ihr 800-jähriges Bestehen - doch muss bei allem ohne ihr Wahrzeichen, das Schloss auskommen. "Egal, aus welcher Richtung man nach Lichtenstein kommt, das Schloss ist zu sehen", sagt Dagmar Hamann, Beigeordnete der Stadt. Dass die Schlosstore gerade in diesem Jahr verschlossen bleiben, "ist besonders schmerzhaft".
Eigentümer ist seit dem Jahr 2000 Alexander Prinz von Schönburg-Hartenstein. Er war als neuer Eigentümer mit Sanierungs-, Modernisierungs- und Nutzungsplänen an die Öffentlichkeit getreten. Er hatte angekündigt, das Schloss zum Wohnsitz der Familie umzubauen. Eine Zeit lang diente es ihm und seinen Eltern sogar als Wohnsitz. Auch sollte das Schloss der Öffentlichkeit für Konzerte und andere kulturelle Angebote zugänglich gemacht werden. Immerhin gab es Führungen durch die unterirdischen Schlossanlagen. Allerdings nur bis zum Sommer 2008. Da wurden die Nutzungsverträge mit der Stadt gekündigt. Seitdem bleiben die Tore bis heute verschlossen.
"Ich wünsche mir, dass wir sie eines Tages wieder öffnen können", sagt Hamann. Alexander Prinz von Schönburg-Hartenstein lebt angeblich in Sao Paulo in Brasilien. Die Verwaltung des Schlosses hat Rechtsanwalt Martin Buck aus Leipzig inne. Doch auch nach mehrmaligen Anfragen von "Freie Presse" war er zu keiner Aussage bereit. Im Jahr 2009 sagte er, der Eigentümer habe einen sechsstelligen Betrag zur Restaurierung der Gruft und der Kapelle investiert. Das Gebäude sei zum Teil entkernt worden. Der Eigentümer suche einen Mieter.
"Nach der Entkernung hat sich nichts getan", sagt Günther Bartsch, der den Schlüssel zum Schloss für den Prinzen verwahrt. "Wenn nichts weiter gemacht wird, verfällt es." Der Prinz sei in den vergangenen zwei Jahren zweimal in Lichtenstein gewesen, erinnert sich Bartsch. Er lese nur die Stromzähler ab und jäte manchmal Unkraut im Hof. "Aus den Geschäften halte ich mich heraus." Auch Bürgermeister Wolfgang Sedner (CDU) weiß keine Neuigkeiten zu berichten: Er habe schon länger nichts vom Schlossherrn gehört und müsse den Faden zum Verwalter erst wieder aufnehmen.
Etwas wehmütig beim Anblick des Schlosses werden Ruth Remenyi und Christine Bauer. Sie arbeiteten als Altenpflegerinnen im darin bis 2000 ansässigen Heim der Caritas. "Das Schloss ist ein Stück Lichtenstein. Es tut weh, wenn man sieht, wie es verfällt", sagt Remenyi. Sehr gern denken die beiden, die auch heute noch im Hewag Seniorenstift Kolleginnen sind, an die Zeit auf dem Schloss zurück, wenn sie auch zuweilen etwas gruselig war. "Besonders nachts haben die Gehölze im Schloss gearbeitet. Wenn dann noch ein Mensch im Sterben lag, hat das schon Überwindung gekostet", erinnert sich Bauer. Die Toten mussten im Dunkeln über den Hof gebracht werden. "Da habe ich mich gegruselt", sagt Remenyi. Auch vor den Fledermäusen auf dem Wäscheboden fürchtete sie sich. Trotzdem sei das Schloss für die damalige Zeit ein schöner Platz für ein Altenheim gewesen. Die Atmosphäre war wie bei jemandem zuhause. "Es ist schon klar, dass es heute nicht mehr als Heim funktioniert", sagt Bauer. Sie wünscht sich, dass der Schlosscharakter wieder hergestellt würde, "vielleicht mit einem gemütlichen Restaurant" - und natürlich zum Besichtigen.


01:59 Uhr
Nixe: "Wenn das die Denkmalpflege wüsst, das Herz im Leib tät ihr zerspringen...!"
Ein schönes Schloss! Und ich finde ja auch gut, dass es wieder im Familienbesitz ist, und zwar bei der Familie, der es seit ehedem gehörte. Ich hoffe, die Schönburger werden bzw. können es selbst erhalten, ich würde es dem Schloss und der Familie wünschen!