Foto: dapd

Herbst wird freundlich und warm

Meteorologe Dominik Jung bilanziert den Wetter-Sommer und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate

Chemnitz. Der Sommer hat sich noch einmal versöhnlich mit Sonne und angenehmen Temperaturen verabschiedet. Doch wie wird der Herbst? Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met, der auch für die "Freie Presse" das Wetter vorhersagt, gibt einen Ausblick.

Freie Presse: Für die Meteorologen hat der Herbst schon am Monatsersten begonnen. Zeit, Bilanz zu ziehen. Sie sagten im Frühjahr einen Zickzack-Sommer voraus - so wie er auch eingetroffen ist. Wie war er aus Sicht des Meteorologen?

Dominik Jung: Es war ein typisch mitteleuropäischer Sommer, und die sind nun eher von der wechselhaften Art. Unterm Strich war er um rund 0,6 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Dieser Durchschnittswert wurde im Zeitraum 1961 bis 1990 bestimmt und wird bis heute als offizieller Vergleichszeitraum herangezogen.

Freie Presse: Wieso war der Sommer so nass?

Dominik Jung: Schönes Hochdruckwetter gab es im Juni und Juli in Osteuropa und Südeuropa. Auch in Nordeuropa war es zeitweise ungewöhnlich warm. Überall schien hier die Sonne, überall gab's viel hohen Luftdruck und keinen Platz für tiefen Luftdruck. Da blieb den Tiefs nur noch Mitteleuropa, und diesen Weg haben sie häufig genutzt. Immer wieder überquerten uns Tiefdruckgebiete. Diesen Sommer waren es weit über 25 Tiefs. Besonders verregnet war der Juli und hier vor allem Ost- und Süddeutschland. Unterm Strich fällt der Sommer 2011 rund 30 Prozent feuchter aus als im langjährigen Mittel. Ein Grund war auch das ständige Hin und Her zwischen warmer Luft aus Südeuropa und kühler Luft aus Nordeuropa. Immer wenn die beiden Luftmassen über Deutschland aufeinandertrafen, gab es heftige Gewitter und Regenfälle.

Dominik Jung, Meteorologe Dominik Jung, Meteorologe

Foto: wetter.net

Freie Presse: Trifft diese Bilanz auch ganz speziell auf Sachsen zu?

Dominik Jung: Ja, auch in Sachsen war der Sommer zu warm und zu nass. Die Temperaturen lagen bei durchschnittlich 18 Grad. Dazu 360 Liter Regen pro Quadratmeter, was einem Plus von 65 Prozent zur normal üblichen Menge bedeutet. Die Sonne schien 612 Stunden Sonne, das sind genau 100 Prozent der zu erwartenden Sonnenscheindauer. Die höchsten Temperaturwerte in der Chemnitzer Region wurden im Bereich um die 30 Grad gemessen. Besonders kühle Tage brachten gerade mal Tageshöchstwerte zwischen 12 und 14 Grad.

Freie Presse: Bekommen Meteorologen von diesem Sommer Albträume?

Dominik Jung: Das Wetter in der letzten Zeit hat bei so manchem Meteorologen für schlaflose Nächte gesorgt. Gerade die Wetterlage der letzten Augustwoche hat zu einigen fragwürdigen Prognosen geführt. Da wurden Sonne und Hitze vorhergesagt, wo es kühl und schaurig blieb. Auch wenn einige Meteorologen ein Problem mit dem Wort "Fehlprognose" haben, so ist genau das aber in diesem Fall zutreffend. Manchmal haben Schauer und Gewitter sogar in letzter Minute einen anderen Weg eingeschlagen als von den Wetterfröschen vorhergesagt. Als Meteorologe kann man da nur "Sorry" sagen - die Natur lässt sich nicht immer zu 100 Prozent in die Karten schauen.

Freie Presse: Werden die Unwetter zukünftig immer extremer?

Dominik Jung: Ja. Unseren Berechnungen zufolge werden die Unwetter in den nächsten Jahren an Stärke und Intensität zunehmen. Wir konnten in den letzten Jahren zwar keine wachsen-
de Unwetterhäufigkeit feststellen, wohl aber, dass die Unwetter immer extremer ausfallen. Bis zum Jahr 2040 gehen wir davon aus, dass diese Extreme um weitere 30 Prozent zunehmen werden. Das bedeutet: mehr Starkregen, Hagel und Sturm. Auch das Wort "Tornado" wird zukünftig häufiger in den Schlagzeilen auftauchen.

Freie Presse: Wieso wusste Q.met schon im Frühjahr, dass uns ein Zickzack-Sommer mit zahlreichen Unwettern ins Haus steht?

Dominik Jung: Wir betreiben seit rund zehn Jahren ein eigenes Langfristmodell und erstellen damit Jahreszeitentrend. Diese werden seit zwei Jahren auch regelmäßig veröffentlicht. Schon in März ging das Langfristmodell von einem Zickzack-Sommer mit kurzen heißen und kühlen Phasen und vielen Unwettern aus. Und: Die Vorhersage war richtig.

Freie Presse: Wieso sind Langfristtrends so umstritten?

Dominik Jung: Es gibt zwei Arten von Meteorologen: Die einen lehnen jede Aussage, die über fünf bis zehn Tage hinausgeht, ab. Meist mit der Begründung: ,Das geht nicht ...‘ Und dann gibt es Berufskollegen, die weiter in die Zukunft sehen und ständig an einer Verbesserung der Ergebnisse arbeiten. Dabei muss man unterscheiden zwischen klassischer Wettervorhersage und Langfristtrend. Ein Trend gibt immer nur eine grobe "Marschrichtung" an, während die Wettervorhersage tief in die Details geht.

Freie Presse: Was erwartet uns für ein Wetter im Herbst?

Dominik Jung: Unser Wetterdienst sieht einen überdurchschnittlich warmen und sehr freundlichen September und Oktober. Wir werden viele goldene Herbsttage genießen dürfen. Erst im November ist ein im Schnitt zu kalter Monat zu erwarten.

Freie Presse: Gibt es schon einen ersten Trend für den bevorstehenden Winter?

Dominik Jung: Aktuell gibt es noch keinen Trend. Dieser wird erst im Oktober erstellt. Von der ganz groben Richtung gehen wir allerdings erneut von einem überdurchschnittlich kalten Winter aus. Das wäre dann der vierte Winter in Folge, der in Deutschland unter dem langjährigen Mittelwert liegt. (rt)

► www.wetter.net

 
erschienen am 07.09.2011
 
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