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Hans Blankenburg, hier im Jahr 2007, hat als Trainer international erfolgreiche Faustkämpfer herausgebracht.

Foto: A. Truxa/Archiv Bild 1 / 2

Box-Szene trauert um ein Chemnitzer Urgestein

Hans Blankenburg, der viele erfolgreiche Faustkämpfer hervorgebracht hat, ist verstorben. Einen sportlichen Tiefpunkt erlebte er 1968.

Von Bernd Wild
erschienen am 21.04.2017

Sogar Profi-Boxtrainer Ulli Wegner hatte ihm zu seinem 85. Geburtstag einen postalischen Gruß geschickt. Das will etwas heißen - da muss man in der Boxszene sehr bekannt sein. Und das war Hans Blankenburg. Der ehemalige Cheftrainer des SC Karl-Marx-Stadt ist im Alter von 89 Jahren verstorben. "Er hat bis 1990 nahezu 30 Jahre ein erfolg- reiches Kapitel Boxgeschichte mitgeschrieben", betont Olaf Leib, Manager des Boxclubs Chemnitz. Der Faustkampf sei für Blankenburg ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen.

Olaf Leib hat selbst einige Jahre unter Blankenburg trainiert. "Ich habe viel von ihm gelernt, denn ich gehörte zur damaligen Bezirksauswahl Karl-Marx-Stadt, die Blankenburg trainierte", berichtet der 51-Jährige. Blankenburg sei ein Perfektionist gewesen. "Wir haben ihn manchmal gefragt, wann das Training endlich zu Ende ist. Er antwortete: ,Wir sind doch noch bei der Erwärmung"', erinnert sich Leib.

Auch Kulttrainer Ulli Wegner, der nächste Woche seinen 75. Geburtstag feiert, trauert um Hans Blankenburg. "Er hat mir in meiner Laufbahn sehr geholfen. Ich hatte viel mit ihm zusammengearbeitet, da ich Trainer der Bezirksauswahl Gera war", erzählt Wegner. Blankenburg habe viele hervorragende Boxer herausgebracht. "Er war zudem ein wunderbarer Mensch, der vor allem durch Akribie glänzte", ergänzt Wegner.

Der Verstorbene ist auch ein Beispiel dafür gewesen, wie nah sich Trainer und Leistungssportler kommen können, um das Beste zu erreichen. In keiner anderen Sportart ist körperliche Nähe so vorhanden wie im Boxen: Der Trainer putzt seinem Schützling im Ring die Nase, weht ihm in den Pausen mit dem Handtuch Luft zu oder schmiert ihm Vaseline in blutende Wunden. Blankenburg und seine Boxer wussten diese Nähe zu schätzen. "Er war wie ein Vater zu mir. Seine ganze Art wirkte beruhigend auf uns Sportler, denn wir waren auch nicht immer brav", sagt Peter Lederer. Der heute 69-Jährige wurde drei Jahre von Blankenburg trainiert.

Doch Blankenburg musste auch Tiefschläge einstecken - den schmerzhaftesten im Jahr 1968. Damals durfte sein Vorzeige-Schützling Hans-Jürgen Voigtländer nicht an den Olympischen Spielen in Mexiko teilnehmen. Als Erklärung wurden von der damaligen Parteiführung "persönliche Gründe" genannt. "Das hat Hans Blankenburg bis zuletzt nicht verkraftet. Die Geschichte hat er mir an die 50-mal erzählt", sagt Olaf Leib.

Dennoch habe beim Ex-Coach die Freude mit seinen Sportlern überwogen. Einer seiner Lieblinge war der zweifache Europameister Stefan Förster. "Ich habe zwar nur ein Jahr unter seinen Fittichen geboxt. Aber Hans Blankenburg hat die Grundlage für meine erfolg- reiche Entwicklung gelegt", hebt der heute 66-jährige Förster hervor.

 
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