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Nicos Jaron Martick (Foto) vom Chemnitzer Eislauf-Club erkämpfte bei den offenen Sächsischen Meisterschaften Bronze. Damit sammelte er Punkte für die Aufnahme in den Bundeskader. Einen starken Wettkampf lieferte Marvin Römpler von der USG Chemnitz, der Zweiter wurde.

Foto: Toni Söll Bild 1 / 3

Schwierige Zeiten für Eiskunstlauf-Nachwuchs

Kati Witt, Robin Szolkowy, Aljona Savchenko: In Chemnitz wurden viele erfolgreiche Sportler geformt. Im Moment machen sich die Verantwortlichen aber große Sorgen um die Talente-Arbeit. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Von Benjamin Lummer
erschienen am 06.02.2017

Für den Zuschauer sah es nach einer perfekten Darbietung aus. Sprünge mit mehrfachen Drehungen, Pirouetten und - im Gegensatz zu vielen Konkurrenten - kein einziger Sturz. Nicos Jaron Martick war nach dem Kurzprogramm der Jungen (Nachwuchs) bei den Offenen Sächsischen Meisterschaften ganz zufrieden - erkannte aber auch noch Verbesserungs-Potenzial: "Das Laufen und die Landungen müssen noch besser werden", meinte der Sportler des Chemnitzer Eislauf-Clubs.

Ein Dreivierteljahr habe er an diesem Programm gearbeitet, sagt der 13-Jährige. Der Lohn dafür war Platz zwei nach dem Kurzprogramm. Nach der Kür am Sonntag rutschte er allerdings noch einen Rang ab und beendete die sächsischen Titelkämpfe mit Bronze.

Mit drei Jahren habe er das erste Mal auf dem Eis gestanden, mit sieben sein Wettkampf-Debüt gegeben, berichtet Martick. Heute ist Eiskunstlaufen Leistungssport für ihn. Täglich außer samstags trainiert er, berichtet der Schüler des Rottluff-Gymnasiums, der den zweifachen Weltmeister Javier Fernández als Vorbild nennt. Er selbst hat sich ebenfalls große Ziele gesteckt: "Mit 16 möchte ich zur Europameisterschaft", sagt Martick. Im Moment sammelt der Chemnitzer aber erst einmal Punkte für den sogenannten D/C-Bundeskader. In diesen werden Sportler aufgenommen, die "eine besondere Perspektive besitzen". Die Chancen dafür stünden gut, sagt Marticks Trainerin Monika Scheibe. "Er muss nur noch bei einem internationalen Wettkampf wichtige Punkte holen." In zwei Wochen soll der 13-Jährige deswegen bei einem Wettbewerb in Oberstdorf starten.

Scheibe trainiert Martick seit etwa drei Jahren - und hält große Stücke auf den Nachwuchssportler. "In seiner Altersklasse ist er im Moment unser größtes Talent." Er sei "willig und fleißig", müsse aber noch lernen aus sich herauszugehen, sagt Scheibe: "Eiskunstlaufen ist ja auch ein Stück weit Show-Business." Von Lichtblicken wie Martick abgesehen, sei die Situation im Nachwuchs aber angespannt. Zwar würden immer wieder Kinder mit dem Eiskunstlaufen beginnen. "Um aber einzelne qualitativ gute Sportler zu finden, sind es zu wenige", sagt die Trainerin. Sie beklagt zudem die Einstellung. "Vielen Sportlern fehlt der Wille, sich für etwas zu schinden." Solange es ums Hobby-Laufen gehe, blieben sie dabei. Sobald die Schwelle zum Leistungssport überschritten werde, würden aber viele Talente abspringen.

"Wir durchleben schwierige Zeiten", sagt Sachsens Eiskunstlauf-Obmann Falko Kirsten. Gerade im Altersbereich der Zehn- bis 15-Jährigen fehlten die ganz großen Talente. "Von der Leistung einer Lutricia Bock träumen wir im Moment nur", so Kirsten. Die 17-jährige Chemnitzerin war 2016 Deutsche Meisterin geworden und nahm an der EM teil. Derzeit ist sie verletzt. Gute Ansätze erkenne er indes bei den Sieben- und Achtjährigen, sagt Kirsten. Bei den Chemnitzer Sportlern hebt er neben Martick das Eistanzpaar Anne-Marie Wolff und Max Liebers hervor, das kommendes Jahr zum Bundeskader gehören werde.

Ein Grund für die Nachwuchs-Probleme sei, dass in Sachsen in den vergangenen Jahren drei Vereine weggefallen seien, in denen Eiskunstlauf auf Leistungssport- Niveau betrieben wurde, erklärt Kirsten. "Die Basis ist kleiner geworden." Zwar habe es zuletzt dennoch mehrere sächsische Athleten gegeben, die in den Bundeskader aufgenommen wurden. Die seien aber nicht ausreichend betreut worden, sagt der Obmann. Deutschland falle im Eiskunstlauf deutlich hinter die USA und Japan zurück, wo Sportler an großen Zentren trainieren. "Wir sind zu einem Entwicklungsland des Eiskunstlaufens zurückgestuft worden. Es ist richtiger Strukturwandel notwendig."

Von Voraussetzungen wie in den USA oder Japan könne man in Chemnitz nur träumen, sagt auch Trainerin Monika Scheibe. "Wir müssten für den Eiskunstlauf-Nachwuchs jeden Nachmittag Trainingszeiten auf dem Eis haben. Haben wir aber nicht." Sie sieht zudem ein weiteres Problem: Weil es zu wenige starke Läufer gebe, fehlten für die guten Athleten Orientierungsmöglichkeiten. "Nicos Jaron Martick ist ein Top-Läufer. Aber er ist weitgehend allein auf der Bahn. Woran soll er sich messen? Wo soll er sich Anregungen für Choreografien holen?", fragt Scheibe.

 
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