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Wie groß die Sportbegeisterung bei Kindern sein kann, zeigte in diesem Jahr unter anderem die Mini-WM des Leichtathletik-Clubs Chemnitz, zu der rund 2000 Grundschüler ins Sportforum kamen.

Foto: Andreas Seidel/Archiv Bild 1 / 3

"Wir müssen mutiger auftreten"

220 Vereine mit insgesamt fast 34.000 Mitgliedern: Die Chemnitzer Sport- szene ist in diesem Jahr weiter gewachsen. Dennoch spielt sie in der Stadt eine Nebenrolle, was zum Teil auch ein hausgemachtes Problem ist.

Von Mario Schmidt
erschienen am 22.12.2015

Es könnte der erste gute Vorsatz fürs Jahr 2016 sein. "Wir müssen mit offenem Visier auftreten und mutiger für unsere Belange kämpfen", sagt Silvio Bonk, Geschäftsführer des Stadtsportbundes (SSB) Chemnitz. Mit annähernd 34.000 organisierten Mitgliedern sei man die größte Bürgerbewegung in Chemnitz. "Und trotzdem entschuldigen wir uns beinahe für das, was wir an Förderung haben wollen", ergänzt Bonk. Dabei sei der Sport ein Hauptfaktor in Sachen Marketing für Chemnitz. "Freie Presse" beleuchtet im Gespräch mit dem SSB-Geschäftsführer und mit Präsident Heiko Schinkitz die Situation der städtischen Sportszene kurz vor Beginn des Olympiajahres.

Der Leistungssport. Zehn Chemnitzer Athleten sind als Anwärter für einen Start bei den Sommer- spielen in Rio de Janeiro benannt worden. Sie haben im zu Ende gehenden Jahr zum Teil bereits Großartiges geleistet, wie Heiko Schinkitz betont. "Turnerin Pauline Schäfer ist nach ihrer WM-Medaille sogar schon für Olympia qualifiziert", sagt Schinkitz, der als Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt Chemnitz-Dresden arbeitet. Er gehe davon aus, dass auch Sophie Scheder und Andreas Bretschneider den Sprung nach Brasilien schaffen - und das mit Medaillenchancen. Weitere Kandidaten auf Edelmetall seien die Bahnradsportler.

Die Talentförderung. In diesem Bereich bewege man sich in schwierigem Fahrwasser, wie es Schinkitz formuliert. "Viele Kinder wollen zwar Sport treiben, aber nicht an Wettkämpfen teilnehmen", erklärt der 59-Jährige. Dies hänge oftmals mit den Eltern zusammen, die an den Wochenenden andere Dinge vorhaben, als ihre Töchter und Söhne zu Sportereignissen zu begleiten. Auch die Ablehnung der Ham- burger Bevölkerung hinsichtlich der Olympia-Ausrichtung 2024 sei ein Rückschlag bei der Gewinnung von Talenten. "Olympische Spiele haben bisher allen Ländern Impulse gebracht, die uns fehlen", so Schinkitz. Was ihn dennoch optimistisch stimmt: Chemnitz kann mit guten Bedingungen locken. Durch die beiden Sport-Eliteschulen könne man Training und Unterricht optimal verbinden. "Zudem verfügen wir hier über hervorragende Trainer", unterstreicht der SSB-Präsident.

Der Mannschaftssport. Für diesen Bereich zieht Schinkitz ein eher ernüchterndes Fazit für 2015. "Ein Aufschwung ist ausgeblieben", stellt er fest. Bitter sei, dass sich der Frauen-Volleyball aus dem Leistungssport verabschiedet habe. Die CPSV Volleys hatten sich nach dem Abstieg aus Liga zwei für einen Neubeginn in der vierten Liga entschieden. Auch von den Niners-Basket- ballern, die in der Vorsaison lange gegen den Abstieg kämpften, habe er sich mehr erwartet. Mit Rang fünf in der dritten Liga habe der CFC das Optimale herausgeholt. Doch gerade mit Blick auf die vergangenen Wochen fügt Schinkitz hinzu: "Die Fans erwarten gute Ergebnisse und attraktiven Fußball. In der Beziehung kann das Team mehr, als es bisher gezeigt hat."

Die Sportstätten. Man muss laut Schinkitz nicht drum herumreden: Bei der Modernisierung von Sportanlagen kommt die Stadt nur in kleinen Schritten voran. "Der Sanierungsbedarf ist nach wie vor sehr hoch", sagt der SSB-Präsident. Was die Situation etwas entspannt, seien Schul-Neubauten bzw. deren Sportstätten, allen voran die Jahnkampfbahn, das André-Gymnasium und demnächst die neue Körperbehindertenschule. Was Leistungssport-Anlagen wie das Sportforum und das Eisstadion am Küchwald angeht, bleibt es vorerst bei vagen Hoffnungen. Die Projekte hängen von Fördergeldern des Bundes- innenministeriums ab. Zuletzt gab es eine herbe Enttäuschung, als der Bund den Antrag zum Umbau des Hauptstadions im Sportforum ablehnte.

Der Freizeitsport. Immer mehr Menschen in der Stadt schließen sich einem Sportverein an. "Im nächsten Jahr wollen wir die Gesamtmitgliederzahl auf mehr als 34.000 erhöhen", sagt Silvio Bonk, Geschäftsführer des SSB. Hinsichtlich der dafür notwendigen Sport- anlagen sei die Kapazitätsgrenze allerdings erreicht. "Es fehlt an Hallenzeiten", so Bonk. Die Vereine leisten sehr gute Arbeit, betont der 37-Jährige. Doch ein Blick auf den Altersdurchschnitt der Vorstände gebe Anlass zur Sorge. "Die jetzigen Verantwortlichen müssten den Staffelstab an Jüngere weitergeben. Aber es ist schwierig, Freiwillige zu finden, die auch noch für den Verein in Haftung gehen", sagt Bonk.

Das Image. Der Stellenwert des Sports in der Stadt ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. "Dass wir nicht die Nummer eins sind, ist uns allen klar", bemerkt der SSB-Geschäftsführer. Für ihn stelle sich jedoch die Frage, was den Ruf von Chemnitz ausmacht. "Kaum eine andere Stadt kann auf so viele Olympiasieger und Weltmeister verweisen. Doch das geht leider unter", bedauert der 37-Jährige. Er weiß aber auch, dass das mangelhafte Image der Sportszene ein hausgemachtes Problem ist. "Wir müssen offensiver auftreten, wenn es um unsere Interessen geht", ist sich Bonk im Klaren.

Die Flüchtlinge. Anfangs war auch im SSB die Sorge groß: Müssen Sportstätten, von denen es sowieso schon zu wenige gibt, als Unterkünfte für Asylbewerber zur Verfügung gestellt werden? "Die Lage hat sich beruhigt", sagt Bonk. Ihm sei nicht bekannt, dass Vereine in Chemnitz beeinträchtigt werden, weil Flüchtlinge in Sportstätten untergebracht sind. Stattdessen sei das verstärkte Bemühen zu erkennen, Asylsuchende zu integrieren. "Von etwa 20 Vereinen wissen wir, dass sie sich diesbezüglich stärker engagieren wollen", so der Geschäftsführer. Der Landessportbund stelle im nächsten Jahr dafür 200.000 Euro für den Freistaat zur Verfügung. "Wir als Stadtsportbund wollen gemeinsam mit der TU Chemnitz eine Koordinierungsstelle schaffen, die Vereinen bei dieser Frage beratend zur Seite steht", kündigt Silvio Bonk an.

 
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"Wir müssen mutiger auftreten"
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