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Nicht überall sind private Höhenfeuer dieser Größe erlaubt.

Foto: T. Söll/Archiv

Private Hexenfeuer: Geht Tradition vor Sicherheit?

Am 30. April werden im Erzgebirge wieder zahlreiche Höhenfeuer lodern - auch auf privaten Grundstücken. Doch diesmal könnten es einige weniger werden. Denn Gelenau hat als weitere Gemeinde die Reißleine gezogen.

Von Mike Baldauf
erschienen am 21.04.2017

Zschopau/Marienberg. Einst sollten Hexenfeuer am Vorabend des 1. Mai "böse Geister" vertreiben. Heute hat die Tradition nur noch wenig mit Aberglauben zu tun, sondern trägt vielmehr Volksfestcharakter. Neben öffentlichen Höhenfeuern, die oft Feuerwehren oder Vereine betreuen, pflegen Erzgebirger am 30. April in ihren Gärten gern mit Nachbarn und Freunden die Geselligkeit am offenen Feuer. Doch gegen private Höhenfeuer gibt es zunehmend Sicherheitsbedenken.

Die Konsequenten: Amtsberg hat vor zwei Jahren als erste Kommune im mittleren Erzgebirge private Hexenfeuer am Vorabend des 1. Mai verboten. Nun zieht Gelenau nach. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der angemeldeten Höhenfeuer ständig gestiegen. Sollten Brände ausbrechen, könne die örtliche Feuerwehr die Sicherheit der rund 40 nach vorheriger Besichtigung genehmigten Feuer nicht mehr gewährleisten, begründete Bürgermeister Knut Schreiter: "Wir konzentrieren uns auf die großen Feuer am Gerichtsberg, Am Gründel und des Kleingartenvereins Am Kegelsberg. Zudem wird es in den Vereinen Verantwortliche dafür geben."

Amtsbergs Bürgermeister Sylvio Krause hält an der seit 2015 in der Gemeinde bestehenden Regelung fest. Zulässig und nicht genehmigungspflichtig sind demnach lediglich kleine Grillfeuer auf einer Grundfläche von höchstens 0,75 Quadratmetern bei einer Stapelhöhe von maximal einem Meter. "Alles andere können wir nicht abdecken." Mit "wir" meint er insbesondere die drei Feuerwehren, die die großen offiziellen Höhenfeuer in den Ortsteilen beaufsichtigen.

Brenzlig war es am 30. April 2014 geworden, als zehn große Privatfeuer in Amtsberg loderten und das ganze Dorf zeitweise im Nebel stand. Die Dittersdorfer Wehr musste ausrücken und das offizielle Feuer im Stich lassen. Damals kamen Sicherheitsbedenken auf, die schließlich zum Verbot der privaten Höhenfeuer führten.

Ende gut, alles gut? "Natürlich gibt es auch Murren", räumt Sylvio Krause ein. Denn ein großes Lagerfeuer bietet stets Gelegenheit, auf elegante Weise Grünschnitt zu entsorgen, der im Garten oft reichlich anfällt, weiß der Ortschef.

Die Traditionsbewussten: Überlegungen wie in Amtsberg und Gelenau wurden vor einem Jahr auch in Drebach laut. "Wir haben im Gemeinderat darüber diskutiert, ein Verbot aber wieder verworfen", sagt Bürgermeister Jens Haustein. Letztlich erhielt die Tradition den Vorrang vor Sicherheitsbedenken. Wer auf ein privates Höhenfeuer nicht verzichten möchte, kann wie bisher einen Antrag stellen. Die Feuerstätten werden einen Tag vor dem Abbrennen kontrolliert, sagt Haustein. Dazu seien voriges Jahr Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Ortspolizist unterwegs gewesen.

Umsonst gibt es die Genehmigung übrigens nicht. In Drebach ist dafür eine Verwaltungsgebühr von 20 Euro fällig. Annähernd 20 private Hexenfeuer loderten 2016 im Ortsteil Drebach. In Grießbach und Venusberg gab es zentrale Feuer, beaufsichtigt von der Feuerwehr und dem MC Mittleres Erzgebirge.

Obwohl in der Flächengemeinde Marienberg am 30. April zahlreiche Höhenfeuer brennen - 2016 waren es 90 - ist ein Verbot dort kein Thema. Schließlich gibt es 14 Ortsfeuerwehren, die in den Ortsteilen mit ein Auge drauf haben, macht Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer deutlich. Noch fünf Tage vor dem Abbrennen kann in Marienberg ein Antrag gestellt werden. Grobe Verstöße gegen die Festlegung habe es bei den stichprobenartigen Kontrollen bislang nicht gegeben.

Auch in Olbernhau scheint es keine Bedenken zu geben. Um die 20 Hexenfeuer lodern jedes Jahr in der Kommune. "Im Regelfall sind es immer die gleichen Antragsteller, die von uns schon auf Zuverlässigkeit geprüft sind", sagt Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Gabriele Lorenz. Nicht selten seien darunter auch Feuerwehrleute.

Etwa 20 Anträge bekommt Wilfried Leibling, Ordnungsamtsleiter in Zschopau, jedes Jahr auf den Tisch. Auch er kennt den Großteil der Antragsteller schon aus den zurückliegenden Jahren. In der letzten Aprilwoche wollen sich seine Mitarbeiter die Holzstapel anschauen. Zwischenfälle sind ihm nicht bekannt. Nur an einen erinnert er sich: "Vor einigen Jahren ist die Feuerwehr ausgerückt, um ein nicht angemeldetes Feuer zu löschen."

Auch Wolkensteins Bürgermeister Wolfram Liebing hält nicht viel davon, die Menschen in ihrer Freiheit zu einzuschränken, am Vorabend des 1. Mai ein größeres Feuer zu entzünden. Um die 30 werden jedes Jahr in den Ortsteilen abgebrannt. Liebing: "Bis jetzt haben wir damit keine negativen Erfahrungen gemacht." (mit hfn/mb)

 
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