Spielendes Kleinkind Früh übt sich, wer einmal Polizist, Notarzt oder Soldat werden. Doch mit der Karriere-Empfehlung der Bundeswehr konnten Kleinkinder in Altmittweida und Kriebstein sicher nichts anfangen.

Foto: Shmeliova Natalie/Fotolia

Datenpanne: Kinder in Altmittweida und Kriebstein für Armee geworben

Fehler bei Übermittlung von Einwohnerdaten löst Versand von Werbebriefen der Bundeswehr aus

Mittweida. "Planen Sie zur Zeit ihren weiteren beruflichen Lebensweg?" Die Frage steht oben im Schreiben des Kreiswehrersatzamtes Dresden, das Noah Killisch erhalten hat. Und fürwahr: Noah hat sich bereits Gedanken dazu gemacht. "Derzeit steht die Feuerwehr bei ihm hoch im Kurs", sagt sein Vater Sebastian. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der Karriereberater der Bundeswehr noch lange auf einen Rückruf von Noah warten muss. Denn Noah ist vier Jahre alt. Die "individuellen Möglichkeiten" des Freiwilligen Wehrdienstes oder einer Laufbahn als Soldat auf Zeit interessieren den Jungen derzeit genauso wenig, wie seinen 14 Monate alten Bruder Joel. An ihn war eine gleich lautende Werbepost des Kreiswehrersatzamtes gerichtet.

Familie Killisch hat die Präsentation der Bundeswehr als Arbeitgeber mit Humor genommen: "Scherzhaft wollten wir schon das Betreuungsangebot für die Kinder durch die Bundeswehr annehmen. Aber wir haben nicht darauf reagiert. Die Briefe kommen jetzt ins Fotoalbum der Kinder", erklärt der 33-jährige Vater. Schließlich weiß der Bauamtsleiter von Mittweida auch, warum die Briefe an seine frühere Adresse in Altmittweida gesandt worden sind.

Eine Panne bei der Übermittlung von Einwohnerdaten der Gemeinden Kriebstein und Altmittweida hat den automatisierten Versand der Briefe durch die Bundeswehr ausgelöst. Das bestätigte der Mittweidaer Stadtsprecher Markus Renner. Das Einwohnermeldeamt sollte auf Anfrage der Wehrverwaltung eigentlich nur Namen und Anschriften von Einwohnern des Jahrgangs 1994 übermitteln. Auf Basis des Wehrpflichtgesetzes darf sie die Daten abrufen, um den Nachwuchs zu werben. Das hätte in Altmittweida eigentlich nur 90 junge Frauen und Männer, in Kriebstein 94 betroffen. Doch aus dem Computer wurden Adressen von 290 Kriebsteinern und 280 Altmittweidaer Einwohner der Geburtsjahrgänge 1994 bis 2011 gezogen und weitergegeben. Im Kreiswehrersatz konnte der Fehler wohl nicht auffallen, denn die Geburtsdaten gab die Meldebehörde nicht weiter. Der Fehler sei wohl in der Bedienung oder im Computerprogramm selbst zu suchen, erklärte Renner. "Das ist bedauerlich."

Doch Beschwerden gab es deshalb in der Stadtverwaltung kaum. Bisher sei auch kein Widerspruch gegen die Datenübermittlung eingelegt worden.

 
erschienen am 11.01.2012 ( Von Jan Leißner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 11.01.2012
    11:06 Uhr

    Matthias1: So ist das eben seit 1999 die rotgrüne Regierung wieder begonnen hatte, unter Verletzung der UN-Charta andere Länder wie Jugoslawien oder Afghanistan anzugreifen und zu bombardieren. Da wird in den Kindern eben schon frühzeitig das gesehen, wofür der Staat sie primär haben will: Kanonenfutter! Wenn ein deutscher Oberst Bomben auf Kinder am Tanklaster in Afghanistan werfen lässt, sie töten, versengen und verkrüppeln lässt und anschließend noch befördert wird, stellt sich die Frage, ob die Einbeziehung der deutschen Kinder in die "Wirtschaftskriege" (so Alt-Präsident Köhler) nicht doch absichtlich geschah...

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  • 11.01.2012
    11:02 Uhr

    ChemB: Reicht es denn nicht aus, dass die mit ihren Bus in die Schulen kommen und dort Werbung machen, muss man da noch extra alle anschreiben? Mit dem Wegfall der Wehrpflicht wollte man Kosten sparen, die wohl jetzt durch verstärkte Werbung wieder aufgefressen wird?

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