Bis Freitag wurde im Barockgarten Lichtenwalde für die Saisoneröffnung gepflanzt, geharkt und gerecht.
Foto: Wolfgang Thieme
Hereinspaziert in Sachsens Parks und Gärten - gegen Eintritt
Start in die neue Saison
Chemnitz. Wer noch einmal kostenlos den Schlosspark Pillnitz besuchen will, muss sich sputen. Ab Montag wird auch für diese sächsische Kleinod ein kleines Eintrittsgeld kassiert - wie in etlichen anderen staatlichen Parks und Gärten auch. Seit 2005 liefen vor allem die Dresdner gegen entsprechende Pläne Sturm. Zwar waren die seinerzeit in einem Moratorium festgeschriebenen Bedingungen für die Erhebung von Eintrittsgeld bereits ab 2007 erfüllt. Doch niemand wagte, die Heilige Kuh zu schlachten. Ein Punkt, in dem sich die damals noch alleinregierende CDU und die Opposition lange Zeit einig waren.
Sehr zur Verwunderung vieler Bewohner im früheren Landkreis Freiberg und rund um Chemnitz, die beispielsweise seit mehr als zehn Jahren für den Bummel durch den Barockgarten Lichtenwalde zumindest im Sommerhalbjahr bezahlen. Auch in Heidenau bei Dresden hat man wenig Verständnis für die bis heute geübte Gegenwehr der Pillnitzer. Im Ortsteil Großsedlitz ist der Barockgarten schon lange nicht mehr kostenfrei zu besichtigen.
Warum dann Pillnitz? Weil Pillnitz schon zu Zeiten von August dem Starken für jedermann zugänglich war? Weil der Pflichtkauf eines Tickets mit dem Verlust kulturellen Eigentums einhergeht, wie die Bürgerinitiative "Freier Parkzutritt" argumentiert? 5750 Unterstützer hätten deren Online-Petition befürwortet, die am Donnerstag Landtagspräsident Matthias Rößler übergeben wurde. Ihnen gehe es nicht um den vergleichsweise geringen Preis von 2 Euro, sondern um den "identitätsstiftenden Wert" des Parks, meint Sprecher Peter Schulze.
Es gibt kein Zurück
Nützen dürften die Proteste kaum noch was. Denn die schwarz-gelbe Regierung in Dresden ist längst umgeschwenkt. Der Finanzminister, der seine Pläne im Januar verkündete, steht nicht allein. Der Park gehöre in die erste Riege der europäischen Gartenanlagen und da müsse eben bezahlt werden. FDP-Fraktionschef Holger Zastrow gab ihm Rückhalt. In Pillnitz wohnten nicht gerade die Ärmsten. Ihnen seien 8 Euro für eine Jahreskarte durchaus zuzumuten, meint er. "Auswärtige diskutieren ohnehin kaum über den Eintritt", ist eine Erfahrung, die der Einlassdienst in Lichtenwalde gemacht hat. In Pillnitz hätten sich viele eher gewundert, dass der 35 Hektar große Park, der jährlich zwischen 600.000 und 800.000 Besucher anlockt, stets kostenfrei war, erzählt eine Museumsmitarbeiterin.
Christian Striefler, Direktor aller staatlichen Schlösser und Gärten, versteht die ganze Aufregung ausgerechnet in Pillnitz nicht. 1,7 Millionen Euro würde der Park pro Jahr verschlingen, die Personalkosten für die Gärtner nicht eingerechnet. Etwa eine halbe Million soll durch Eintritt eingespielt werden. Die zusätzlichen Kosten für Kassenhäuschen, Beschilderung und Zaun seien einmalige Ausgaben. "Jeder von uns durch Eintritte eingenommene Euro kommt der Pflege und dem Erhalt der Objekte zugute. Wer also gegen einen Eintritt in Pillnitz ist, schadet nicht ,der Politik', sondern einzig und allein der nachhaltigen Finanzierung der Pflege eines der bedeutendsten europäischen Gartendenkmale." Die von der Bürgerinitiative in Pillnitz unterbreiteten Vorschläge, auf anderen Wegen höhere Einnahmen zu generieren, seien geprüft, stellten aber keine Alternative zum Eintrittsgeld dar. Dazu gehörten eine Box für Spenden, in der sich 2011 gerade mal 2000 Euro fanden, sowie Parkgebühren für Busse von bis zu 100 Euro statt bisher 15 Euro.
Barockgarten herausgeputzt
In Lichtenwalde östlich von Chemnitz wird ab Sonntag wieder kassiert. "Die Leute auf dem Land sind irgendwie vernünftiger", wagt der oberste Schlossherr Striefler einen Erklärungsversuch. Andere meinen, die Dresdner wurden einfach zu lange verwöhnt und hielten daher an überholten Besitzständen fest.
Wenn sich in Lichtenwalde um 10 Uhr die Parkpforten öffnen, wird sich die zehn Hektar große Barockanlage in gewohnter Frühjahrspracht präsentieren. 4000 Blumen werden bis Ostern gepflanzt sein. Alle 400 Wasserspiele gehen nach der Winterpause wieder in Betrieb. Bäume und Sträucher einschließlich der kugelförmigen Linden um den Konzertplatz wurden neu in Form gebracht. "Bis Freitag haben wir noch Rasen und Wege geharkt, kiloweise von altem Laub befreit", sagte Elke Hänsch, Leiterin des Parks. Durch seine Hanglage auf einem Fels über der Zschopau gilt er als kunsthistorische Rarität in Deutschland.
Im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau war gestern schon Saisonstart. Erstmals sind die neuen Räumlichkeiten im Westflügel des Schlosses für Besucher zugänglich. Sie wurden für rund 1,9 Millionen ausgebaut. Seit 2004 gehört der Fürst-Pückler-Park zum Unesco-Weltkulturerbe. Mit 750 Hektar ist er der größte europäische Landschaftspark im englischen Stil.
Wo wird Eintrittsgeld erhoben und wo nicht?
Schlosspark Lichtenwalde: 2 Euro Erwachsene, ermäßigt 1,50, Jahreskarte 12 Euro - von April bis Oktober 9 bis 18.30 Uhr; im Winter kostenfrei.
Barockanlage Rammenau: Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 2 Euro; täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Barockgarten Großsedlitz: Erwachsene 4, ermäßigt 2 Euro, Jahreskarte 8 Euro, täglich 8 bis 20 Uhr.
Klosterpark Altzella: Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro; geöffnet bis 31. Oktober von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr.
Schlosspark Pillnitz: Erwachsene 2 Euro, ermäßigt 1 Euro, Jahreskarte 8 Euro; geöffnet ganzjährig ab 6 Uhr, kostenpflichtig von April bis Ende Oktober 9 bis 20 Uhr, im Winterhalbjahr am Wochenende 10 bis 16 Uhr.
Keine Eintrittsgelder werden nach wie vor erhoben für den Großen Garten und den Zwinger in Dresden, den Schlosspark Weesenstein, den Park am Schloss Moritzburg sowie den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. Sie sind immer zugänglich.
10:52 Uhr
helidd: 02. April 2012. Ein schwarzer Montag für den Schlosspark Pillnitz. Der erste kostenpflichtige Tag.
An diesem Tag wurden lediglich 415 Besucher gezählt. Es gibt aber ca. 260 kostenpflichtige Tage im Jahr. Da würden sich bei der Besucherzahl und 2 EUR Eintritt 215.800 EUR Einnahmen ergeben. Aber: 210.000 EUR zusätzliche Ausgaben entstehen allein für das Personal in den Kassenhäusern und bei der Einlasskontrolle.
Wenn der Freistaat mit Einnahmen von 1 Mio. EUR rechnet, dann sollten 500.000 Besucher jährlich bzw. knapp 2.000 Besucher (genau: 500.000 : 260 Tage = 1923) täglich an den kostenpflichtigen Tagen kommen.
Mit der Privatisierung des Staatsbetriebes in eine gGmbH ab 01.01.2013 müssen jedoch noch zusätzlich 510.000 EUR für Dienstleistungen u. Pachtentgelte an das Finanzministerium abgeführt werden.
Da macht erst ein Eintrittspreis oberhalb von 7 EUR einen Sinn, wenn dem Park nennenswerte Gelder zufließen sollen. Rechnen sie nach!
2 EUR Eintritt bleiben eine Einstiegsdroge!
Wenn der Park in die erste Riege der europäischen Gartenanlagen gehöre, dann sicher nicht mit 2 EUR!
Herr Zastrow (FDP), der noch 2008 (FDP gehörte noch nicht zur Regierungspartei) gegen den Eintritt war, wird sicher auch für die zu erwartenden 8 EUR Eintritt eine Begründung parat haben.
13:21 Uhr
RabenschwarzesICH: April , April?
13:06 Uhr
schnellleserin: Grundsätzlich finde ich es in Ordnung, wenn bei größeren, pflegeaufwendigen Parkanlagen ein Eintritt fällig ist.
Für Pillnitz - wo wir vielleicht einmal im Jahr sind - ist das auch ganz in Odnung. Das ist für uns auch eher ein Event.
Lichtenwalde und damit auch die anderen Gärten finde ich für uns eher problematisch. Da sind wir auch vielleicht ein mal in ein oder zwei Jahren, aber diese Parks sind viel kleiner.
Und wenn ich jetzt die Wahl hätte von Chemnitz aus nach Lichtenwalde in den Park oder doch eher in irgendeine kleine Anlage ohne Eintritt, dann würde ich die kleine Anlage vorziehen. Denn außer "Lustwandeln" kann man in einem Park ja nun auch nicht so richtig was anfangen und dafür finde ich für eine oder eine halbe Stunde 6,50 Euro für eine dreiköpfige Familie zwar vielleicht angemessen - aber ich würde es einfach nicht ausgeben.
12:48 Uhr
Sachse2: @helidd: Der Sinn von Tourismus ist, dass man damit Geld verdient und so sollen die Leute aus dem gesamten Bundesgebiet, den USA, Australien, Bahamas u.s.w. auch bitte für unsere Sehenswürdigkeiten bezahlen.
12:31 Uhr
helidd: Fakten:
1. Der Park ist öffentlich (Eigentümer Freistaat Sachsen), d.h. Volkseigentum
2. In die erste Riege gehören auch die 27 öffentlichen Parks im Freistaat Bayern bzw. Sanssouci. Dort wird kein Eintritt erhoben.
3. Der Geldmangel trat erst ein, nachdem der Freistaat rigoros die Etats von Jahr zu Jahr gekürzt hat.
4. 14.000 Unterschriften sind es, nicht nur aus Pillnitz, aus Dresden, aus Sachsen, aus dem gesamten Bundesgebiet und aus 18 Ländern (u.a. USA, Australien, Bahamas, ...)
5. Die Eintrittsgelder kommen nicht unbedingt dem Park zu Gute, da der privatisierte Staatsbetrieb 510.000 EUR jährlich für Dienstleistung und Pacht an den Finanzminister abführen muss. So wird der (steuer-)zahlende Bürger ein zweites Mal abkassiert.
6. Mit dem Eintritt werden sämtliche bisher offenen 10 Tore bis auf 2 mit Kassenhäuschen versehene geschlossen. Damit wird der Siedlungsraum zerstört. In Art. 10 der Sächsischen Verfassung verpflichtet sich der Freistaat jedoch zum Erhalt und Schutz des Siedlungsraumes.
Einfach mal googeln mit "freier park petition" und die Fakten zur Kenntnis nehmen.