Philipp Börner (Mitte) und Thomas Hempel (rechts) gehören zur Nachwuchsforschergruppe der Fakultät Elektrotechnik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Gemeinsam mit Mirko Bodach, Professor für elektrische Energietechnik, forschen sie an einem Haushaltsenergiespeicher.
Foto: Marcus Richter
Zwickau fördert den Forschernachwuchs
An der Fachhochschule Zwickau übernehmen Studierende die Verantwortung in der Forschung
Zwickau. Als Mirko Bodach vor vier Jahren mit damals nur 32 Jahren als Professor für elektrische Energietechnik und regenerative Energien an die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) berufen wurde, war er einer der jüngsten Professoren der Hochschule. Hinter ihm lag bis dato eine wissenschaftliche Karriere mit Studium und Promotion an der Technischen Universität Chemnitz - heute fördert er an der WHZ seinerseits die kommende Forschergeneration: mit einer neunköpfigen Nachwuchsforschergruppe. Während die freie Wirtschaft händeringend nach Nachwuchs sucht, kann Mirko Bodach unter den Besten der Besten auswählen.
"Auf die eingeschriebenen Studenten hat die Nachwuchsforschergruppe eine große Magnetwirkung. Wer hier mit dabei ist, sieht sofort in der Praxis, welche Potenziale in den neuen Technologien stecken", sagt er. Entsprechend groß sei das Interesse, in der Gruppe mit dabei zu sein.
Philipp Börner zum Beispiel nutzt die Forschergruppe für die Erstellung seiner Diplomarbeit, bei der es um die Entwicklung eines Energiespeichers für ein Blockheizkraftwerk geht. "In der Forschergruppe existieren interessante Vorbetrachtungen, die ich für meine Diplomarbeit nutzen kann", sagt der 26-Jährige. Was er so nicht ausspricht, dennoch aber eine Rolle spielt: Das fachliche Gespräch unter Gleichgesinnten ist vielfach ergiebiger als das stundenlange Blättern in Büchern in der Bibliothek. Dazu kommt, dass die Erkenntnisse logischerweise immer auf dem neuesten Stand sind. "Ich hätte auch in der freien Wirtschaft einen Job finden können, aber als ich in der Diplomphase das Angebot bekommen habe, in der Nachwuchsforschergruppe mitzumachen, habe ich es angenommen", sagt Thomas Hempel. Der 29-Jährige zählt die Vorteile der Gruppe an einer Hand auf: "Ich kann in der Region bleiben und mich mit der Forschung selbst verwirklichen. Die Technik ist auf dem neuesten Stand. Ich habe mit anderen jungen Menschen zu tun und es ist ein schönes Arbeitsklima."
Andreas Pohl, Dekan der Fakultät Elektrotechnik, freut sich über das Engagement des Professors, schließlich ist dieses ein nicht unwesentlicher Teil eines attraktiven Studienangebotes. Und das wird immer wichtiger: Die Industrie steht in der Hochschule Schlange, weil sie gute Nachwuchskräfte sucht, doch es fehlen die Bewerber. Trotz guter Jobaussichten (Pohl: "Ich habe noch nie gehört, dass einer unserer Absolventen länger als ein halbes Jahr eine Stelle suchen musste.") gibt es zu wenig junge Leute, die Elektrotechnik studieren wollen. Der Dekan brachte das vor ein paar Jahren auf die treffenden Formel von der Angst vor dem elektrischen Strom. Doch Pohl will diese Tatsachen nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen. Er tut mit seinen Professoren etwas dagegen: "Seit dem Jahr 2009 bieten wir Tutorien in den Bereichen Physik und Mathematik an", so der Dekan. Der Ergänzungsunterricht werde von Studierenden höherer Semester geleistet und von den jüngeren Kommilitonen sehr gut angenommen. So könne jeder sehen, dass ein Studium der Elektrotechnik gar nicht so schwer sei. Und wenn das Grundstudium erst einmal geschafft ist, lockt irgendwann auch die Nachwuchsforschergruppe.