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Vom Fabrikgebäude zum Herzensort: Leben in der "Alten Zwirnerei" Gersdorf

Mitten in Gersdorf ist in den vergangenen Jahren ein Ort entstanden, der die Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen vertrauten Erinnerungen und einem neuen Zuhause schlägt. Das AZURIT Seniorenzentrum Alte Zwirnerei ist ein lebendiger Teil der Gemeinde, gewachsen aus einem Gebäude, das selbst viel zu erzählen hat.

 

Vom Industriebau zum Lebensmittelpunkt

Die ehemalige Feinstoffwirkerei gehört zu den letzten Zeugnissen der Gersdorfer Industriegeschichte. In den 1920er-Jahren errichtet, später Teil des Esda-Kombinats in der DDR, stand das Haus nach der Wende lange leer. Es ist kein Zufall, dass hier wieder Leben eingezogen ist. Es ist vielmehr Teil einer Philosophie: Denn die AZURIT-Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, historischen Gemäuern neuen Sinn zu geben. Vor rund 15 Jahren wurde das Gebäude durch die AZURIT-Gruppe umfassend saniert und durch einen Anbau erweitert. Heute bietet die "Alte Zwirnerei" Platz für 103 Bewohnerinnen und Bewohner. Ein 60-köpfiges Team in der Pflege sowie weitere Kräfte in Küche und Service kümmern sich täglich um das Wohl der Seniorinnen und Senioren.

Ein Gewinn für die Gemeinde

Für Bürgermeister Erik Seidel ist das Haus eine Erfolgsgeschichte: "Man sieht überall Industriebauten, die brach liegen und sich selbst überlassen werden. Das AZURIT ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht", sagt er. Persönliche Erinnerungen verbinden ihn ebenfalls mit dem Ort: Als Schüler hat er hier einst regelmäßig zu Mittag gegessen. Heute bezeichnet er das Seniorenzentrum als echten Gewinn für Gersdorf - als Aushängeschild der Gemeinde. Und die Verbindung zwischen Haus und Ort soll weiter wachsen. Vor der Corona-Pandemie gab es bereits enge Kooperationen, etwa Herbstfeste oder Seniorennachmittage mit Themen von Kräuterkunde bis hin zu Gesprächsrunden mit dem Bürgermeister. Formate, die beide Seiten gerne wiederbeleben möchten.

Bild: Rico Hinkel

Offenheit und Gemeinschaft im Fokus

Auch Hausleiter Thomas Mähler setzt hier an. Seit Dezember 2025 leitet der Diplom-Pflegewissenschaftler die Einrichtung und bringt dafür 15 Jahre Führungserfahrung aus Dresden mit. Sein Eindruck nach den ersten Monaten: "AZURIT  ist gut organisiert und strukturiert." Besonders wichtig ist ihm jedoch die Öffnung nach außen: "Gemeinsame Feste mit den Menschen aus Gersdorf und Umgebung sollen wieder stärker in den Fokus rücken. Das ist oft der erste Zugang zu uns - so bauen wir Hemmnisse und Vorurteile ab." Die Lage des Hauses kommt diesem Gedanken entgegen: mitten im Ort und doch im Grünen. Spaziergänge mit Angehörigen sind ebenso möglich wie ruhige Momente im Garten oder auf der großzügigen Terrasse.

Bild: Rico Hinkel

Jung, engagiert und voller Herz

Dass die Atmosphäre im Haus stimmt, merkt man schnell - nicht zuletzt durch Menschen wie Leonie Markert. Die 21-jährige Pflegefachfrau ist ein echtes Eigengewächs. Schon früh kam sie durch ihre Mutter mit dem Pflegeberuf in Berührung, engagierte sich im Jugend-DRK und absolvierte erste Praktika im Haus. "Ich hatte drei wunderbare Lehrjahre, wurde gut integriert. Für Fragen gab es immer ein offenes Ohr - hier arbeitet niemand für sich allein, wir sind ein Team", sagt sie selbstbewusst. Und bereits heute trägt sie Verantwortung: Seit September 2025 ist sie stellvertretende Wohnbereichsleiterin und sorgt mit dafür, dass ihr zwölfköpfiges Team "entspannt arbeiten kann", wie sie lachend sagt.

Bild: Rico Hinkel

Warum Pflege mehr als ein Beruf ist

Gleichzeitig bildete sie sich zur Praxisanleiterin weiter. Nachwuchs zu fördern, liege ihr schließlich am Herzen: "Da darf auch mal gescherzt und gelacht werden. Das Leben ist ernst genug." Warum sie sich bewusst für die Altenpflege entschieden hat? Ihre Antwort kommt ehrlich und direkt: "Kranke Kinder zu sehen, bricht mir das Herz. Mit älteren Menschen komme ich sehr gut zurecht - und sie bringen so viel Lebenserfahrung mit." Eine Erfahrung, die sie täglich spürt, etwa bei Bewohnern wie Frau Unger, die sie liebevoll "meine Sonne" nennt.

Bild: Rico Hinkel

Ein Leben voller Erinnerungen

Einer, der auf besonders viel Lebenserfahrung zurückblicken kann, ist Christian Landgraf. Der 95-Jährige, im Haus liebevoll auch "Einstein" genannt, war einst Physikprofessor und lehrte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Arbeit führte ihn unter anderem in die USA, wo er im Rahmen eines Austauschprogramms in Los Angeles unterrichtete. Vor fünf Jahren zog er der Familie zuliebe zurück in die Region, vor einem halben Jahr fand er schließlich im AZURIT ein neues Zuhause. Berlin, die Stadt in der er mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte, vermisse er manchmal noch, ebenso wie eine enge Freundin dort. "Doch im Alltag fühle ich mich hier sehr gut aufgehoben", sagt Christian Landgraf. Er besucht regelmäßig die Ergotherapie, interessiert sich für kulturelle Angebote wie Ausstellungen im Haus und engagiert sich im Bewohnerbeirat, der monatlich tagt. Ebenso ist er bei der Zeitungs- und Bücherschau häufig anzutreffen. Nicht selten versinkt er auch in eigenen Büchern, die von einem bewegten Leben erzählen.

Bild: Rico Hinkel

Gemeinsam statt allein

Dass das Haus auch für Paare ein passendes Zuhause sein kann, zeigen Doris und Günther Lobe. Gemeinsam haben sie den Schritt ins Seniorenzentrum gewagt und sich gut eingelebt. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen nehmen sie aktiv am Leben im Haus teil. "Wir können uns nicht beschweren. Vor allem das Pflegepersonal ist sehr herzlich", sagt Doris Lobe, die besonders die Zeit auf der großen Terrasse genießt. Überhaupt bietet die "Alte Zwirnerei" viele Möglichkeiten für ein aktives und würdevolles Leben im Alter. Die Ausstattung ist modern und barrierefrei, mit Notrufsystemen, großzügigen Pflegebädern, Aufzug und komfortablen Zimmern. Eine hauseigene Küche, Cafeteria, Friseur, Fußpflege sowie medizinische und therapeutische Angebote sorgen für eine umfassende Versorgung. Besondere Schwerpunkte liegen auch in der Betreuung von Menschen mit Demenz - etwa mit einem eigenen Demenzgarten oder speziellen Konzepten für Bewohnerinnen und Bewohner mit erhöhtem Bewegungsdrang.

Bild: Rico Hinkel

Wenn Musik den Alltag bereichert

Axel Pfefferkorn, 1943 in Zwickau geboren, blickt auf ein außergewöhnliches Künstlerleben zurück: Nach einer anspruchsvollen Aufnahmeprüfung 1963 - bei der er sich unter 40 Bewerbern durchsetzte - prägte er über 40 Jahre mit mehr als 200 Inszenierungen das Leipziger Schauspielhaus und die Oper, setzte auch politisch heikle Stücke mit Weggefährten wie Prof. Karl und Georg Kayser gegen Widerstände des Zentralkomitees (ZK) der SED durch und bewies dabei großen Einfallsreichtum, etwa bei der Materialbeschaffung in DDR-Zeiten.

Besonders Werke wie "Der Idiot", die "Dreigroschenoper" oder Strittmatter-Stoffe lagen ihm am Herzen, wobei er weniger für einzelne Stücke als für seine Fähigkeit bekannt wurde, komplexe Inhalte eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen - ein Anspruch, den er auch als Autor des ausgezeichneten Buches "Schön ist, was stimmig ist" verfolgte. Heute lebt er seit März 2026 in der "Alten Zwirnerei" in Gersdorf und bereichert den Alltag, wenn er mit Gitarre und Gesang gemeinsam mit anderen Bewohnern für besondere Momente sorgt.

Bild: Azurit Gersdorf

Ein Alltag der verbindet

Doch es sind vor allem die kleinen Dinge, die den Alltag in der "Alten Zwirnerei" lebendig machen: gemeinsames Kochen und Backen, Gymnastik, Gedächtnistraining, Musik- und Bastelangebote oder Filmabende. Regelmäßig kommen Musiker ins Haus, es gibt Ausflüge, Gottesdienste und sogar tierischen Besuch durch einen Streichelzoo. Ein fliegender Händler bringt Dinge des täglichen Bedarfs direkt vor die Tür. Wahrscheinlich ist es diese Selbstverständlichkeit des Miteinanders, die aus Räumen ein Zuhause macht. 

AZURIT ist sechsmal in der Region vertreten:

AZURIT Seniorenzentrum Alte Zwirnerei
Weststraße 14
09355 Gersdorf 

Telefon:037203 6666-0

E-Mail: [email protected]

Website: https://www.azurit-gruppe.de/senioren-pflegezentren/alte-zwirnerei/

 

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