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Almut Kühne: Performance in Bildern von Helge Leiberg.

Foto: Matthias Zwarg

Der Klang der Freiheit

Um "Subversion im Jazz und anderen Künsten" ging es bei einer Diskussion mit Performance im Coselpalais - ein Anspruch, dem nur die Kunst gerecht wurde.

Von Matthias Zwarg
erschienen am 04.02.2016

Dresden. "Ist das subversiv?", fragt Almut Kühne schelmisch, während ihr die Farben übers Gesicht huschen, die der Künstler Helge Leiberg über einen Overhead-Projektor an die Leinwand wirft.

Gute Frage, gute Antwort - die geben die Künstler selbst am Mittwochabend im Dresdner Coselpalais mit ihren freien Improvisationen. Leiberg, 1984 aus der DDR getrieben, nachdem die Stasi sein Atelier verwüstet hatte, zeichnet Mensch und Tier, die er genauso wieder zerstört, wie die Klänge des Bassklarinettisten Heiner Reinhardt, des Gitarristen Lothar Fiedler und der Sängerin Almut Kühne sich im Nichts, im Chaos oder in neuen Klängen auflösen. Wortfetzen sind zu verstehen: Herz, Schmerz nicht, Künste, die Leere, die wundervolle freie demokratische Welt - so klingt die Freiheit: Wild, ungeordnet, dennoch respektvoll und mit Rücksicht auf die anderen Mitspieler in diesem Stück namens "Gamble & Hope" - "Lotterie und Hoffnung", so nennen die Künstler das Projekt.

Und das ist "subversiv", ebenso wie die anfänglichen Improvisationen des Freibergers Günter Heinz auf der Posaune. Diese Musik stellt bestehende Ordnungen, Hierarchien, Machtstrukturen infrage, indem die Kunst sie ignoriert. Besser konnten es auch die Teilnehmer einer vorangegangenen Diskussionsrunde nicht sagen, die sich vergeblich abmühten, den Begriff der Subversion in der Kunst zu definieren. Über Ansätze ging es nicht hinaus, wenn etwa Helge Leiberg erklärte, er habe als Künstler gar nicht subversiv sein wollen, habe nur "meine Arbeit gemacht". Oder wenn Christoph Tannert, Geschäftsführer des Berliner Künstlerhauses Bethanien, darauf verwies, dass es "fundamentale Unterschiede zwischen damals (gemeint war die DDR) und heute" gebe, was die Subversion in der Kunst betreffe, deren Maß man "durch Improvisation verschärfen" könne. Andreas Apelt von der nicht gerade als subversiv bekannten Deutschen Gesellschaft (zur Förderung kultureller und sozialer Kontakte in Europa) erinnerte daran, dass Subversion Grenzen brauche, die man übertreten kann, und dass viele Künstler, wie etwa die Dadaisten, sich gar nicht als subversiv verstanden, sondern "nur Spaß" haben wollten. Wobei das eine das andere nicht ausschließt, vielleicht sogar gerade einschließt. Man konnte ein wenig den Eindruck gewinnen, als ob mit der DDR auch subversive, befreiende Möglichkeiten der Kunst verloren gegangen seien - wenn etwa Ulli Blobel, Mitgründer der legendären Jazzwerkstatt Peitz, resümierte: "Wir hatten so eine schöne Diktatur, in der man so schön subversiv sein konnte." Immerhin war der Ort der Diskussion gut gewählt: Die edlen Räume des wiederaufgebauten barocken Coselpalais sind für subversive Kunst ein sehr passender Rahmen - und das ist nicht ironisch gemeint.

 
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