Menü

Themen:

 
Clara Schumann - Musikerinnen-Legende

Foto: Archiv

Eine Legende hält kritisch Rückschau

In Zwickau ist das Hörbuch "Clara in Nöten" erschienen.

Von Volker Müller
erschienen am 19.05.2015

Zwickau. Clara und Robert Schumanns Bekanntenkreis hatte fast astronomische Ausmaße: Man muss schon Goethe oder Tolstoi zu Rate ziehen, um einen Vergleich zu haben. Einen Eindruck von diesem Reichtum vermittelt das vor kurzem erschienene, bei Olaf Thalwitzer in Zwickau produzierte Hörbuch "Clara in Nöten", in dem die Gattin des Komponisten ins Plaudern kommt, nachdem sie in Frankfurt am Main ihr letztes Konzert bestritten hat. Die Musiklegende blickt auf ein bewegtes Leben zurück, es geht kreuz und quer durch die Jahre, und dabei fallen in einem fort auch Namenberühmter Weggefährten. Emilie List, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy, Richard Wagner, Theodor Kirchner und andere müssen sich eine gründliche Prüfung gefallen lassen. Wobei die Prüferin Clara nicht außen vor bleibt. Gab es eigene Säumnisse, bekennt sie sich dazu. Im Fall des denkbar kritisch betrachteten Wagner ist da nichts zu vernehmen; bei Kirchner, mit dem sie nach dem Tod ihres Mannes eine Zeit zusammenlebte, schon: Anfangs wollte sie die Schwächen, vor allem die Spielsucht des begabten Musikers, nicht wahrhaben. Es bedurfte bittere Erfahrung, ehe sie den Schlussstrich zog.

"Clara in Nöten" geht auf das gleichnamige Theaterstück der Zwickauer Musiktherapeutin Christine Adler zurück, das mit der Autorin als Darstellerin 2014 in der Muldestadt auf die Bühne kam und auch schon verschiedentlich andernorts Erfolg hatte. Aus dem mit reichlich Zeit- und Tondokumenten versehenen szenischen Monolog hat die auch als Lyrikerin und Erzählerin hervorgetretene Adler ein berührendes und darüber hinaus höchst informatives Hörbuch geformt. Die gebürtige Dresdnerin, die den Löwenanteil des Textes liest, findet in der Aufnahme zu einem überzeugenden Ton voller Selbstbewusstsein, Rührung und einem Hauch Melancholie. So, bestimmt, in sich ruhend, erfüllt von einer sachten Heiterkeit, darf man sich die Virtuosin, Gattin, Pädagogin und Mutter Clara Schumann vorstellen. Was ihre problematischen Seiten angeht, etwa die teils schwierige Beziehung zu den Kindern, sollte man ein Ohr für Zwischentöne haben. Hier wird oft mehr angedeutet als klipp und klar konstatiert.

Es spricht für die Substanz des vornehmlich aus eigenen Texten sowie Brief- und Tagebuchzitaten der Schumanns gestalteten Stückes, dass es auch als reines Hörbuch so gut funktioniert. Freilich macht es sich gut, dass zwei weitere Akteure ins Spiel kommen: Madlen Delang leiht Claras Dresdner Schülerin und Freundin Marie von Lindeman ihre Stimme, Karsten Kolliski verkörpert Robert Schumann. Weit mehr als illustrative Zutaten sind die von Professor Dietmar Nawroth beigesteuerten Klavierstücke bekannter und weniger bekannter Komponisten.

Das Hörbuch "Clara in Nöten" ist bei der Zwickauer Presse-Agentur auf CD erschienen, unter anderem bei Amazon zu haben und kostet 14,90 Euro.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
  • 25.08.2016
  • freiepresse.de
  • Zwickau
Junge Pianistin spielt Mozart und Schumann  

Zwickau. Preisträgerkonzert mit Daeun Song am 3. September - Koreanerin ist Stipendiatin der Elfrun-Gabriel-Stiftung weiterlesen

  • 08.07.2016
  • freiepresse.de
  • Zwickau
Christian Adler
Schumann ist in Bonn bestattet  

Bonn/Zwickau. Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 27: der Komponist am Rhein. weiterlesen

  • 24.09.2016
  • freiepresse.de
  • Zwickau
Robert Ghement/dpa/Archiv
Zwickau ehrt einen Schweizer  

Zwickau. Der Oboist, Dirigent und Komponist Heinz Holliger erhält den Robert-Schumann-Preis 2017. Gründe dafür finden sich reichlich. weiterlesen

  • 02.09.2016
  • freiepresse.de
  • Kultur
Jan-Peter Kasper/Archiv
Künstlerehe: Experten tagen zu Clara und Robert Schumann 

Zwickau (dpa/sn) - Zwischen Kunst und Alltag: In Robert Schumanns Zwickauer Geburtshaus diskutieren ab Freitag Wissenschaftler über das berühmte Künstlerehepaar ... weiterlesen

 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Onkel-Max-Frage
Woher kommen die "Eselsohren"?
Onkel Max
Tomicek

Wieso nennt man eingeknickte Buchseiten so? (Die Frage stellte Lukas Priebe aus Limbach-Oberfrohna.)

Antwort lesen
 
 
 
 
Unsere Top-News bei Whatsapp & Co.

MorePixels/istockphoto.com

Weitere Informationen finden Sie hier

 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm