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MichaelSchulze - StellvertretenderLandessprecherdes THW Sachsen

Foto: Anna Neef

Blackout: Was passiert, wenn's plötzlich dunkel wird

Fällt der Strom aus, kann das in kurzer Zeit zum Ausnahmezustand führen. Wie gut ist die Region darauf vorbereitet?

Von Anna Neef
erschienen am 23.11.2016

Aue/Schwarzenberg. Hochwasser, Sturm, Frost und harte Winter: Die Stromversorgung ist Wetterkapriolen ausgesetzt. Aber nicht nur. Auch überlastete Netze und Angriffe auf die Computersysteme der Energieversorger können einen Blackout auslösen. Kann man sich vorbereiten? Das war Thema eines Symposiums zum 20-jährigen Bestehen des Technischen Hilfswerks (THW) Aue-Schwarzenberg. Fazit: Hysterie hilft keinem, aber wappnen sollte sich jeder - irgendwie.

Das Szenario: Ohne Strom kein Treibstoff, kein Handy, kein Wasser, kein Licht. Adolf Schweer von der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom GmbH beschönigte nichts. "Es gibt Krisenstäbe mit Experten von uns sowie Vertretern von Bund, Land, Landkreisen, Städten, Feuerwehr und THW." Noch weit vorher stehe die Netzkontrolle. Droht eine Überlastung, schalten die Versorger etwa alternative Energielieferanten wie Windkraft und Photovoltaik ab - 2015 sei dies gut 600-mal geschehen. "Es gibt Vorkehrungen und Havariepläne." Aber ein Restrisiko bleibe. Zumal keiner sagen könne, was geschieht, wenn Panik ausbreche.

Das Klinikum: Aggregate und Batterien übernehmen im Fall der Fälle im Helios-Klinikum Aue als Schwerpunktversorger mit rund 700 Betten die Stromversorgung. "36 Stunden können wir den Notzustand fahren. Danach wird es für uns kritisch", so Geschäftsführerin Bärbel Held. Normalerweise werden 1300 Kilowatt Strom abgenommen, aber die Notversorgung kann nur 330 bereitstellen. Daher fährt dann nur jeder zweite Fahrstuhl, die Kälteproduktion halbiert sich, keine neuen Operationen beginnen, eine Rettungskette startet - bis hin zur Evakuierung von Patienten in andere Kliniken.

Die Nickelhütte: Bei einer Stromabnahme von fünf Megawatt gilt es für die Nickelhütte Aue GmbH als Metallverarbeiter vor allem die Anlagen zu schützen. Geschäftsführer Volker Carluß: "Unsere Mitarbeiter bekommen wir zügig raus. Fehlt der Strom mehr als eine Woche, wird es wirtschaftlich kritisch." Nach herben Verlusten zur Flut 2002 rüstete der Betrieb nach: Per Abwärme, Wasserkraft und Gasturbine sei im Notfall ein "Inselbetrieb" durch selbst erzeugten Strom möglich.

Die Helfer: Sind sie gut aufgestellt? THW und Feuerwehr haben ihre Hausaufgaben gemacht, sagt Frank Heuer vom THW-Landesverband Sachsen/Thüringen. "Wir sind spezialisiert. Rückten einst 30 Mann aus, sind es nun viel weniger Helfer vor Ort, die allerdings andere Personen anleiten. Das ermöglicht eine große Streuung." Personell sei es oft nicht mehr anders zu stemmen. Denn: Es sind Ehrenamtler, die auch bei einem Blackout ihr Leben für andere riskieren. "Wir können mit unseren Anlagen nicht unbegrenzt Strom erzeugen", so Michael Schulze, stellvertretender THW-Landessprecher. Satellitentelefone stünden nicht allen zur Verfügung. Ähnlich ist es mit Technik und ausreichend Geld für Ausbildung und Qualifikationen. Noch mehr aber fehlt Schulze der Respekt vor dem Ehrenamt und den Leistungen. "Erfährt das keine höhere Wertschätzung, bekommen wir ein Problem." Lutz Lorenz, Kreisrandmeister im Erzgebirge, schätzt das Blackout-Szenario als brisant ein. Jeder müsse sich vorbereiten - Stichwort Selbstschutz, auch über das Dosenhorten hinaus. "Wir können ja nicht überall sein". Am Ende zählten auch Werte wie Solidarität und Hilfsbereitschaft. "Denn nur ein Helfer, der seine Familie in Sicherheit weiß, rückt zum Einsatz aus, um anderen zu helfen", so Schulze.

Die Vorbilder: Sechs Unternehmen aus dem Erzgebirge erhielten nach dem Symposium die Arbeitgeberplakette des THW, weil sie dessen Mitglieder und Arbeit im Katastrophenschutz maßgeblich unterstützen: die Leonhard Group Aue, die Erzgebirgssparkasse, das Helios-Klinikum, die Nickelhütte GmbH, die Weichhold GmbH Aue und der Regionalverkehr Annaberg-Buchholz.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 23.11.2016
    05:01 Uhr

    Tohuwabohu: Unser jüngeren (oder auch älteren?) Handysucht-Horden wird es psychisch am meisten treffen. Tobsuchtsanfälle, Gewaltausbrüche, Psychodramen der übelsten Sorte. Da bei Frauen gleichzeitig der Kaufrausch (Weihnachten?) nicht befriedigt werden kann wird wohl das Gewaltpotential dem eines Bürgerkrieges ähneln! :-/ Ich als Single mit eigenen Kartoffeln, Schafen, Obst/Gemüse und Hausbrunnen schaue mir das Ganze hinter meinen (schon frühzeitig in weiser Voraussicht gehorteten) Nato-Sperrdraht anstelle von Fernsehen an. ;-)

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