Abriss für einstige Freimauerloge als letztes Mittel
Jusos: Kostet-nix-Idee für Logen-Erhalt
Aue. Noch ist der Daumen für den einstigen Clemens-Winkler-Club nicht ganz gesenkt. Doch zumindest im Auer Rathaus ist der Glaube an den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses der früheren Freimaurer-Loge längst verschwunden. Für Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) ist der Abriss längst eine Alternative, über die man reden müsse. Nicht die attraktivste freilich. Die hieße Sanierung. Doch die geht ins Geld. Rund 1,2 Millionen Euro müssten für das historische Gemäuer wohl aufgewendet werden. Bei solchen Summen waren bislang sämtliche Vorbesitzer mit ihrem Latein am Ende. Obwohl, wie Kohl betonte, man durchaus Möglichkeiten gesehen hat, potenziellen Investoren bei ihren Sanierungsbemühungen aus Fördertöpfen für den Städtebau finanziell unter die Arme zu greifen.
Abriss als letztes Mittel also, um einer städtebaulichen Hängepartie an der B 169, einer bedeutenden Ein- und Ausfallstraße der Stadt, zu entgehen? Das geht den Jungsozialisten im Erzgebirge zu weit. "Die von Oberbürgermeister Kohl ins Auge gefasste schlichte Politik mit der Abrissbirne lehnen wir ab", lassen die Auer Vorstandsmitglieder der SPD-Nachwuchsorganisation, Tobias Andrä und Andreas Queck, hören.
Denn ohne ein konkretes Nachnutzungskonzept für die Fläche würde am Ende lediglich ein hässlicher Krater den Stadtkern von Aue schmücken, befürchten sie. Außerdem sei der ehemalige Clemens-Winkler-Club ein Herzstück Auer Stadtgeschichte. "Viele Bürger in Aue verbinden damit ganz persönliche Erinnerungen", so Andrä und Queck. Sie fordern deshalb, einen anderen Weg einzuschlagen, als nur über Abriss nachzudenken. Und verweisen auf das Bundesprogramm Stadtumbau Ost. Eine dazu 2010 erlassene Verwaltungsvereinbarung zur Städtebauförderung ermögliche es Kommunen, Stadtbild prägende Altbauten zu erhalten. Mehr noch: Nach Auffassung der Jusos könne die Sanierung und Sicherung von Häusern, die vor 1949 gebaut wurden, sogar ganz ohne kommunalen Eigenanteil gefördert werden. "Da sollte die Stadtverwaltung mal die Initiative ergreifen", verlangen sie.
Doch diese einfachen Wege, wie sie die erzgebirgischen Juso-Spitzen der Stadt weisen wollen, sind im behördlichen Paragrafen-Dschungel so deutlich gar nicht geschlagen. Das sagt der Auer Bauamtsleiter Immo Rother. Zwar bestätigt der Verwaltungsexperte die Existenz der von Andrä und Queck erwähnten quasi Kostet-nix-Variante für Kommunen. Doch die dafür als Gebrauchsanleitung erlassenen sächsischen Verwaltungsvorschriften setzen genau dafür enge Grenzen. "Das ist alles ziemlich kompliziert", sagt Rother. Die Quintessenz des Ganzen sei indes klar: Die Bedingungen, um einen vor 1949 errichteten Altbau ohne finanziellen Beitrag der Kommune sichern und sanieren zu können, treffen auf den Clemens-Winkler-Club nicht zu.
Davon abgesehen, ärgert sich Stadtchef Kohl über den Juso-Vorstoß auch aus anderem Grund. Tobias Andrä hatte schon im vorigen Jahr in einem "Weckruf fürs Auer Rathaus" nach Konzepten gegen die wachsende Zahl leer stehender Geschäfte und Gebäude in der Innenstadt gefragt. Kohl: "Post, Bahnhofsgelände, Wellner-Brache, jetzt die Loge - wir können doch nicht alles gleichzeitig anfangen."


14:16 Uhr
Nixe: Mich würde interessieren, warum die Bedingungen zur Sanierung des Clemens-Winkler-Clubs nicht zutreffen? Das hätte die Presse ruhig einmal mit vermerken können.
Ich finde gut, dass sich jüngere Menschen mal für ihre Region einen Kopf machen und mitreden. So schlecht sind die Ideen zumindest diesbezüglich nicht.