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Gert Hofmann - Schriftsteller

Foto: Ursula Hasenkopf/Archiv

Der Tänzer auf dem Seil

"Der Kinoerzähler" ist sein bekanntester Roman. Er führt nach Limbach, wo Gert Hofmann vor 85 Jahren zur Welt kam.

Von Klaus Walther
erschienen am 29.01.2016

Limbach-Oberfrohna. Es gibt immer wieder Häuser, die sich mit dem Werk eines Schriftstellers auf besondere Weise verknüpfen: Thomas Manns Ferienhaus in Nidden oder Hermann Hesses Casa Camuzzi im Tessin. Und vielleicht gehört auch das alte Kino dazu, das Apollo-Theater in Limbach, das einem begegnet, wenn man durch die Stadt fährt. Gert Hofmann, Autor von Hörspielen, Romanen, Erzählungen, hier geboren am 29. Januar vor 85 Jahren, gestorben am 1. Juli 1993 in Erding bei München, hat dieses Kino zum poetischen Ort seines bekanntesten Romans "Der Kinoerzähler" (1990) gemacht. Es ist dies die verwandelte Geschichte seines Großvaters.

Vielleicht sein schönstes Buch hat er kurz vor seinem Tod noch beenden können, "Die Stechardin", in dem die Liebe zwischen dem Philosophen Lichtenberg und einem Blumenmädchen erzählt wird. Aber wie immer bei Hofmann ist der historische Hintergrund auch eine Folie, hinter der sich die eigene Geschichte verbirgt. Er ist, wie er selbst einmal schrieb, einer, der "Kunst-Stücke für Kenner und Liebhaber" verfasst. Man spürt seine Herkunft von Autoren wie Franz Kafka und Thomas Bernhardt. Seine Texte sind so etwas wie artistische Kunststücke auf einem Kammweg, seine Figuren bewegen sich oft am Rande des Abgrundes in Schrecknissen oder manchmal auch in verhaltener Komik. Und er nähert sich auf diese Weise auch berühmten Geschichten wie Georg Büchners "Lenz". Gert Hofmanns Erzählung "Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz" (erstmals 1984 erschienen) ist eine Fortschreibung des Büchnerschen Textes. Lenz kommt hier zurück zur Familie, zum Vater, er will, dass der Vater ihn anerkennt, aber er bleibt unverstanden. Ein altes, immer wieder neues Thema: die Väter und ihre Söhne, und unversehens wird es eine heutige Geschichte. Und auch eine Geschichte des Autors. So endet also dieser Lenz im Unverstandensein. Manchmal scheint es, als sei auch das Werk des Erzählers Gert Hofmann solchen Schwierigkeiten ausgesetzt. Man muss ihn sorgsam lesen, mit seinen Hintergründen, seinen poetischen Verstecken. Dann erfahren wir, was wir an ihm haben, eben jenen Tänzer auf dem Seil, der uns die Gefährdungen und auch die Schönheiten der Welt zeigt.

Buchtipp Gert Hofmann: Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz. Neuausgabe bei Mironde. 9,50 Euro

 
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