Will nach über 35 Albtraum-Rock-Jahren kleine Kesha-Fans erschrecken: Alice Cooper.

Foto: Ross Halfin

Überraschend frisch und verdächtig jung

Horror-Rock-Urvater Alice Cooper hat seinem Meilenstein "Welcome To My Nightmare" einen Teil 2 nachgeschoben

Detroit. Preisfrage: Was haben Horrorfilm-Ikone Vincent Price und Pop-Sternchen Kesha gemeinsam? Antwort: Sie durften ihr Scherflein dazu beitragen, Platten von Rockidol Alice Cooper noch ein bisschen interessanter zu machen. Während Price an Coopers 1975 erschienenem Geniestreich "Welcome To My Nightmare" mitwirkte, holte sich der inzwischen 63-Jährige jetzt die fast 40 Jahre jüngere Kesha für die gestern erschienene Fortsetzung "Welcome 2 My Nightmare" ins Boot. Clever war er schon immer, der Pfarrerssohn aus Detroit...

Natürlich wird Cooper, der eigentlich Vincent Damon Furnier heißt und im wirklichen Leben mit seinem Bühnen-Alter-Ego Alice nicht viel gemein hat, durch diesen Schachzug einige Dollar mehr beim jüngeren Publikum machen. Das kennt ihn, das Vorbild aller Schockrocker von Marilyn Manson bis Kiss, sonst vermutlich nur aus den Werbespots einer Elektronikmarkt-Kette. Künstlerisch ging der Marketing-Kniff allerdings eher nach hinten los: Der mit Kesha eingespielte Titel "What Baby Wants" ist der dünnste auf einer sonst recht munteren Platte - Elektronik-Pop-Anleihen passen einfach nicht zu AliceCooper.

Was der Bühnen-Zampano darüber hinaus mit etlichen alten Weggefährten wie Bob Ezrin (produzierte schon den ersten Teil), Steve Hunter (Gitarre), Michael Bruce (Gitarre) oder Dennis Dunaway (Bass) so zusammenbraute, kommt aber erstaunlich frisch daher. Wie 1975 erzählt Alice Cooper auf vielfältigste Weise von Ängsten und Albträumen. Balladen wechseln sich ab mit Rock'n'Roll-Nummern, Dixieland schimmert ebenso durch wie Disco, Punk oder Glamrock. Selbst die ganz dicke Streicherbesetzung darf nicht fehlen. Freilich bleiben Cooper und seine Band dem harten Rock der siebziger Jahre verpflichtet - aufgemotzt jedoch mit den technischen Möglichkeiten des neuen Jahrtausends. Selbst Coopers Reibeisenstimme klingt auf der neuen Scheibe verdächtig jugendlich.

"Welcome To My Nightmare" hatte vor 36 Jahren einen richtig großen Hit zu bieten: Die Ballade "Only Women Bleed" schaffte es in den US-Billboard-Charts bis auf Platz 2. Zumindest zwei Titel von Teil 2 haben das Potenzial, daran anzuknüpfen. Mit "I Am Made Of You" ist Cooper und Ezrin als Eröffnungssong der CD eine nicht minder gänsehautfördernde Ballade gelungen. Und auch bei dem etwas rockigeren "When Hell Comes Home", einem beklemmenden Stück aus der beschaulichen Vorstadt-Hölle, richten sich die Nackenhaare des fasziniert-verstörten Hörers auf. Das macht Lust, Coopers diabolisches Grinsen dazu zu sehen, wenn er beschreibt, wie der verhasste Vater die Stufen zum Kinderzimmer hinaufwankt.

Live

Alice Cooper tritt am 20. Oktober in der Stadthalle Chemnitz auf. Karten gibt es in allen Geschäftsstellen der "Freien Presse".

►www.freiepresse.de/tickets

 
erschienen am 17.09.2011 ( Von Peter Janka )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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