Kultusminister Roland Wöller. Kultusminister Roland Wöller.

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Behinderte und Nichtbehinderte sollen häufiger gemeinsam lernen

Kultusminister Wöller legt Drei-Punkte-Programm vor

Dresden (dapd-lsc). An Sachsens Schulen sollen behinderte und nicht behinderte Kinder künftig häufiger gemeinsam lernen. Kultusminister Roland Wöller (CDU) legte am Freitag ein Drei-Punkte-Programm vor, mit dem die UN-Behindertenrechtskonvention im Freistaat schrittweise umgesetzt werden soll. Dafür sollen gemeinsame Schulprojekte ausgebaut, gemeinsames Lernen trotz unterschiedlicher Lehrpläne ermöglicht und die Förderschul-Diagnostik verbessert werden.

Die wichtigste Neuerung ist, dass gemeinsames Lernen in einem Klassenraum künftig nicht nur in der Grundschule, sondern auch in der Sekundarstufe I, also ab der fünften Klasse, möglich sein soll. Diese sogenannte lernzieldifferente Integration mit unterschiedlichen Lehrplänen für geistig und lernbehinderte sowie nichtbehinderte Schüler soll voraussichtlich ab dem Schuljahr 2012/2013 an einigen Schulen stattfinden, die sich dann als "Schulen mit dem besonderen Profil Inklusion" bezeichnen dürfen. Diese Neuerung solle wissenschaftlich begleitet werden.

Daneben soll die schon heute mancherorts gängige Praxis ausgeweitet werden, dass Regelschulen im Rahmen von "Partnerklassen" bei Projektwochen, Sportveranstaltungen, Ausflügen oder der Ganztagsbetreuung mit Förderschulen kooperieren.

Der Anteil von Schülern, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert wird, soll den Angaben zufolge gesenkt werden, indem individuelle Förderung bereits im frühkindlichen Bereich verstärkt werden soll. Durch intensivere Zusammenarbeit von Kitas, Grundschulen und Sonderpädagogen sollen Auffälligkeiten etwa in der emotional-sozialen Entwicklung oder im Lernverhalten früher erkannt werden.

Nach Angaben des Ministeriums werden zurzeit 20,9 Prozent der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sachsen integrativ unterrichtet. Mit passender Unterstützung könnten es wesentlich mehr werden, sagte Wöller.

Um für die Kinder bestmögliche Lösungen zu finden, soll zudem ein Expertengremium mit Vertretern von Eltern, Lehrern, Schulen, Expertenverbänden und kommunalen Spitzenverbänden gebildet werden. Integration sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Wöller.

Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ist im März 2009 in Kraft getreten. Sie garantiert Behinderten die gleichen Chancen wie Nichtbehinderten; Deutschland hat sich verpflichtet, sie umzusetzen. In den vergangenen Monaten hatten unter anderem die Oppositionsparteien und die Monitoringstelle zur Umsetzung der Konvention in Deutschland die aus ihrer Sicht mangelhafte Integration behinderter Schüler und somit unzureichende Umsetzung der Konvention in Sachsen kritisiert.

dapd

 
erschienen am 13.05.2011
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