Menü
 
Landen immer öfter im Einkaufswagen: Bio-Lebensmittel.

Foto: dpa

Bio boomt - auch beim Billigheimer

Die Naturkostmesse Biofach meldet ein Rekordwachstum. Doch ist der Bio-Apfel bei Aldi & Co genau so sauber? Und welche Siegel sind seriös?

Von Martina Hahn
erschienen am 10.02.2016

Bio ist beliebt. Jeder zweite Deutsche greift zumindest hin und wieder zu Bio-Produkten. Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider. Nachdem Bio die erste Milliardenschwelle schon in den 90er Jahren überschritten hat, geht es von Jahr zu Jahr weiter nach oben. Inzwischen ist der Bio-Bereich das am stärksten wachsende Segment im Lebensmittelhandel.

So auch im zurückliegenden Jahr: Rund 8,62 Milliarden Euro haben die Deutschen 2015 für Produkte aus ökologischem Anbau ausgegeben, berichteten Branchenexperten gestern zum Auftakt der Naturkostmesse Biofach in Nürnberg. Das seien elf Prozent mehr als im Vorjahr. Erstmals seit 2008 verzeichnet der Markt demnach wieder ein zweistelliges Wachstum.

Tierisches gewinnt

Vor allem tierische Produkte wie Milch, Eier, Hühnchen und Rindfleisch haben sich besser verkauft als im Vorjahr. Eingekauft wird Bio zu einem Drittel im Hof- und Naturkostladen oder Biomarkt. Das Gros des Umsatzes mit Bio-Produkten wird jedoch im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel erwirtschaftet - also in Supermärkten und selbst Discountern.

Doch Bio beim Billigheimer - das irritiert viele Konsumenten. Sie fragen sich, ob der Bio-Apfel oder Bio-Joghurt bei Aldi & Co. genauso ökologisch sauber hergestellt wird wie sein Pendant im Bioladen. Dass fast jede Handelskette inzwischen ihr eigenes Bio-Label entwickelt hat, verunsichert Verbraucher zusätzlich.

Geschützte Begriffe

Die Begriffe Bio, Öko und "aus kontrolliert biologischem Anbau" sind geschützte Begriffe. Daher gilt: Wo das EU-Bio-Logo drauf ist - einem stilisierten Blatt aus zwölf weißen Sternen auf grünem Grund - da ist auch Bio drin - auch beim Discounter. Alle verpackten Bio-Lebensmittel aus der Europäischen Union müssen mit diesem Logo gekennzeichnet sein. Damit weiß der Kunde: Bei diesem Bio-Lebensmittel hat der Landwirt oder der Verarbeiter die gesetzlichen Vorgaben der EG-Öko-Verordnung erfüllt. Das heißt: Gentechnik ist verboten, mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe kommen aus Öko-Anbau, und die Tiere haben im Stall mehr Platz und besseres Futter als in der konventionellen Mast.

Zusätzlich können Bio-Produzenten noch freiwillig mit dem deutschen Bio-Siegel werben, einem grün umrandeten Sechseck. Oder, wenn sie Verbandsmitglied sind, mit dem Zeichen der Öko-Anbauverbände wie Gäa, Demeter, Bioland oder Naturland. Diese Öko-Verbände haben strengere Vorgaben festgelegt als die EG-Bio-Verordnung, die Kritiker als viel zu lasch bezeichnen.

Wer beispielsweise Lebensmittel mit dem Demeter-Siegel kauft, kann sich darauf verlassen, dass der Landwirt keine chemisch-synthetischen Düngemittel benutzte oder dass die Produkte höchstens 13 absolut notwendige Zusatzstoffe enthalten, erklärt Alexandra Borchard-Becker von der Verbraucher Initiative. Anders als von der EU-Öko-Verordnung vorgeschrieben, darf ein Biokreis-, Demeter-, Naturland- oder Bioland-Betrieb nicht nur teilweise auf bio umstellen - er muss es komplett machen.

Weitere Unterschiede zum Mindeststandard der EU-Verordnung: Auf Demeter-Höfen dürfen Rinder nicht enthornt werden. Bei Biokreis müssen die Tiere zu mindestens 50 Prozent Grünfutter bekommen. Bei Naturland muss die Hälfte des Futters vom eigenen Hof stammen. Bioland-Produkte dürfen nur maximal 24 Zusatzstoffe enthalten - bei EU-Bio-Lebensmitteln sind bis zu 49 erlaubt. Und im Wein mit dem Ecovin-Zeichen landen nur ökologisch erzeugte Trauben.

Eine Garantie, dass das Öko-Lebensmittel ganz clean ist, gibt es jedoch nicht: Zwar sind Pestizide bei Bio verboten. Aber liegt das Feld mit Biosalat nahe an einem Feld aus konventionellem Anbau, kann es passieren, dass sich auf den Biosalatblättern Pestizidrückstände finden - weil der Wind das Spritzmittel verteilt. Letztlich kann der Verbraucher nur auf die Lebensmittelkontrollen bauen. Die Inspektoren ziehen im Handel Proben und melden, wenn Rückstände einen gesetzlich erlaubten Wert überschreiten.

Bio-Produkte zählen zu den am strengsten überwachten Lebensmitteln. Sie werden nicht nur von den amtlichen Lebensmittelkontrolleuren überprüft, sondern auch von Mitarbeitern der staatlich zugelassenen privaten Kontrollstellen. Doch auch hier ist Betrug möglich - und schon passiert. Deswegen sollten Konsumenten nicht nur auf das Siegel schauen, sondern auf die Nummer der Öko-Kontrollstelle achten, die beispielsweise DE-Öko-003 lauten kann. "Die Kennzeichnung der Öko-Kontrollstelle ist Pflicht", sagt Alexandra Borchard-Becker von der Verbraucher Initiative. "Fehlt sie, ist Skepsis angesagt". (mit dpa)

www.boelw.de

www.oekolandbau.de


 

Seriöse Bio-Siegel - eine Auswahl

Bio-Siegel:  Bio-Hersteller können zudem das deutsche Bio-Siegel abdrucken. Es steht für ökologische Produktion und artgerechte Tierhaltung nach EU-Standard.


 

Aldi Nord: Auch Aldi hat eine Öko-Eigenmarke "Gut Bio". Es gibt mehr als 50 Artikel, etwa Eier, Vollmilch, Salami, Säfte, Obst und Gemüse.


 

Gäa: Der Bio-Verband und Zertifizierer mit Sitz in Dresden verfolgt strengere Standards als EU-Bio. Die Produkte sind von rund 350 Öko-Landwirten.  » www.gaea.de


 

Natrue: Der Begriff Naturkosmetik ist nicht geschützt. Streng sind die Standards von Natrue. Es garantiert natürliche und biologische Inhaltsstoffe.  » www.natrue.org


 

Bioland: 2016 haben die Verbände Bioland und Sachsens Gäa die Kriterien vereinheitlicht, auch bei Zusatzstoffen.  » www.bioland.de


 

Demeter: Mitgliedsbetriebe des Ökoverbands müssen komplett auf bio umstellen. Produkte gibt es im Hof- und Bioladen.  » www.demeter.de


 

Rewe: Rewe hat 600 Artikel gelistet, die das Eigenmarkenlogo, das EU-Bio-Siegel und Logo des Bioanbauverbands Naturland tragen.


 

Das EU-Öko-Logo: Das Euro-Blatt muss seit 2012 auf alle in der EU verpackten Biolebensmittel. Pflicht ist auch die Nennung der Herkunft der Zutaten.


 

dm Bio: Auch die Drogeriekette dm hat nun eine Biolinie - und dafür Alnatura-Produkte aus dem Regal genommen.  » www.dm.de/dmbio


 

Naturland: Von Naturland zertifizierte Bioprodukte gibt es im Naturkostladen, bei Edeka sowie über die Bio-Eigenmarken von Rewe und dm.  » www.naturland.de

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
1
Lesen Sie auch:
  • 10.07.2016
  • freiepresse.de
  • Wirtschaft
Christoph Schmidt
«Gen Over»: Lebensmittelhandel folgt dem Kundenwunsch    

Neckarsulm (dpa) - «Gen Over» steht auf einem Werbeplakat von Lidl, das die Umstellung der Milch-Eigenmarke Milbona anpreist: Von diesem Montag an ist ... weiterlesen

  • 20.09.2016
  • freiepresse.de
  • Essen & Trinken
R. Bonss
Der weite Weg des Biogemüses  

Bio und regional sind eine gute Kombination. Doch Sachsens Kunden haben es schwer, sich aus ihrer Heimat zu versorgen. weiterlesen

  • 14.07.2016
  • freiepresse.de
  • Wirtschaft
Roland Weihrauch/Illustration
Aldi veröffentlicht ersten Nachhaltigkeitsbericht 

Essen/Mülheim an der Ruhr (dpa) - Deutschlands Discount-Marktführer Aldi will nicht mehr nur mit günstigen Preisen, sondern auch mit seinem Engagement ... weiterlesen

  • 08.09.2016
  • freiepresse.de
  • Wirtschaft
Roland Weihrauch
Aldi macht erstmals Fernsehwerbung 

Essen (dpa) - Als letzter großer deutscher Lebensmittelhändler setzt auch Discount-Marktführer Aldi auf Fernsehwerbung. Die ersten TV-Spots der Firmengeschichte ... weiterlesen

 
Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 11.02.2016
    06:04 Uhr

    vomdorf: Besonders clever sind die Leute, die Bio-Zeugs kaufen, das in Plastik eingeschweißt ist.
    Was ich mich immer wieder frage: wie schaffen die es, so viel Bio zu produzieren, das genauso aussieht, wie alles andere (Äpfel, z.B.), ohne mit chemischen Mitteln Ungeziefer zu vertreiben?
    Wirklich Bio ist doch der Apfel von meinem Baum, bei dem ich weiß, dass nichts gespritzt wurde, oder Fleisch vom Bauern meines Vertauens, der mir versichert, nichts Genmanipuliertes gefüttert zu haben.
    Aber jedem das sein.

    0 0
     

 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Unsere Top-News bei Whatsapp & Co.

MorePixels/istockphoto.com

Weitere Informationen finden Sie hier

 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm