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Foto: Mascha Brichta/dpa

Knapp 80.000 Sachsen haben mehr als einen Job

Auch in ganz Deutschland ist die Anzahl der Mehrfachbeschäftigten auf einen Rekordstand geklettert. Was die einen für normal halten, ist für andere ein Alarmzeichen.

Von Tino Moritz
erschienen am 14.01.2017

Dresden. Im Vorjahr gab es im Freistaat so wenig Arbeitslose wie noch nie. Gleichzeitig hatten so viele Sachsen wie nie mehr als nur einen Job: Zur Jahresmitte 2016 waren im Freistaat 79.750 Mehrfachbeschäftigte gemeldet. Das waren fast doppelt so viele wie 2003 mit 41.180.

Dass die Anzahl der Mehrfachbeschäftigten seit 2003 kontinuierlich wächst, hängt mit der damaligen Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung zusammen: War sie zuvor mit dem Hauptjob zusammenzurechnen und damit sozialversicherungspflichtig, muss der Arbeitgeber für den Minijob seit April 2003 nur pauschal Steuern und Sozialabgaben in geringer Höhe abführen.

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die die Zwickauer Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann erbeten hatte und der "Freien Presse" vorliegt, war die Anzahl der Mehrfachbeschäftigten schon bis Mitte 2008 auf 59.000 gestiegen. 2012 waren es dann 70.000, 2015 knapp 77.000.

Mehr als drei Viertel von ihnen waren auch im Vorjahr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die zusätzlich mindestens einem Minijob nachgingen. Dabei handelte es sich der Statistik zufolge um 61.036. Das waren 3000 mehr als 2015 und damit so viele wie nie zuvor.

Die Gruppe derjenigen, die in mindestens zwei sozialversicherungspflichtigen Jobs arbeiten, umfasste demnach knapp 11.000 Sachsen. Weitere 9177 Menschen hatten zeitgleich mindestens zwei Minijobs. Insgesamt zählte Sachsens Arbeitsmarkt Mitte des Vorjahres 1,7 Millionen Beschäftigte, von denen 172.000 nur Minijobs hatten.

Linke-Fraktionsvize Zimmermann wertete die neuen Zahlen als Alarmzeichen: "Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus." Der Mindestlohn müsse von den derzeit 8,84 Euro auf 12 Euro pro Stunde erhöht werden. Zudem forderte sie "die Überführung von Minijobs in existenzsichernde sozialversicherungspflichtige Beschäftigung".

Das Dresdner Ifo-Institut hatte indes bereits 2013 gewarnt, den Trend zu mehreren Jobs als "Indiz für eine größere materielle Not der Beschäftigten" misszuverstehen. Gestern verwies Vizechef Joachim Ragnitz darauf, dass viele Mehrfachbeschäftigte im Hauptjob nur in Teilzeit arbeiteten. Damit erzielten sie ein geringeres Einkommen, als es in Vollzeit der Fall wäre, das sie dann eben mit der Aufnahme einer zusätzlichen Beschäftigung noch aufstocken könnten.

Die Bundesarbeitsagentur legt sich nicht fest, ob der Trend auf wirtschaftliche Nöte oder persönliche Interessen zurückgeht. Dies lasse sich statistisch "nicht feststellen, weil die individuellen Motive nicht erfasst werden".

Ihren Angaben zufolge stieg die Anzahl der Mehrfachbeschäftigten im Vorjahr auch bundesweit auf einen neuen Höchststand: Mit 3,1 Millionen waren es etwa 100.000 mehr als 2015 und somit inzwischen 8,6 Prozent von allen Beschäftigten. Die mit 2,6 Millionen größte Gruppe waren sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit mindestens einem zusätzlichen Minijob. Hinzu kamen jeweils knapp 280.000 Menschen, die entweder mindestens zwei Minijobs oder aber mindestens zwei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen nachgingen.

 
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Kommentare
4
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 15.01.2017
    20:01 Uhr

    Zeitungss: Mein letzter Beitrag wurde inhaltlich nicht ganz verstanden, im schwarzen Sachsen aber nicht verwunderlich. Manchen Leuten sollten eigentlich unsinige Lehrgänge beim Arbeitsamt wärmstens empfohlen werden, der Ausgang geht so oder so ins LEEEERE.
    Wie heißt es so schön, jeder ist seines Gl........... .

    0 0
     
  • 14.01.2017
    21:44 Uhr

    Zeitungss: Es gibt in Sachsen auch heute noch Leuchttürme, welche auch nicht verlöschen wollen, etwas Stolz ist da schon angebracht.

    0 1
     
  • 14.01.2017
    19:53 Uhr

    ma27nd08y: Es ist eigentlich traurig das man in Deutschland nicht von einem Job leben kann

    0 2
     
  • 14.01.2017
    17:08 Uhr

    Olbernhauer: Also alles halb so wild.
    Es wird also nur der eigene Rentenanspruch beschissen.
    Indem ich meinen Hauptjob nur noch in Teilzeit mache und in zweiten Firma vom Chef auf 450?.

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