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Hübsch, aber bei starker Erhitzung gefährlich: Plastikbecher.

Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Gefahr aus dem Geschirr

Von Küchenutensilien können Stoffe in die Lebensmittel übergehen. Ein Marktcheck zeigt: Warnhinweise sind oft unzureichend.

Von Gabriele Fleischer
erschienen am 24.07.2015

Orange, gelb, blau: Kunststoffbehälter für die Küche sind leicht und praktisch - zum Aufbewahren, Aufwärmen in der Mikrowelle oder zum Backen und Kochen. Doch die Verbraucherzentralen haben jetzt bei einem bundesweiten Marktcheck besorgniserregende Entdeckungen gemacht: "Keines der untersuchten Produkte hat die Anforderungen an eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung erfüllt", sagt Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Diese sei aber wichtig, damit die Behälter nicht falsch benutzt werden. Denn einige Kunststoffe geben bei zu heißen Temperaturen schädliche Stoffe an Lebensmittel ab. Diese können auf Dauer und in größerer Menge krank machen. Mögliche Folgen sind zum Beispiel Schleimhautentzündungen und schlimmstenfalls Krebs.

Laut Gesetz ist die Angabe von Verwendungshinweisen für die Hersteller zwar Pflicht, nicht jedoch, wo sie angebracht sind. "Das kritisieren wir", sagt Wiesemann. Insgesamt haben die Verbraucherschützer 78 Produkte aus 33 Geschäften untersucht: Silikonbackformen, Mikrowellengeschirr, Pfannenwender und Melamingeschirr - alles Gebrauchsgegenstände, die erhitzbar sind oder in Kontakt mit heißen Lebensmitteln kommen können.

 

Materialangabe: Bei immerhin 82 Prozent der untersuchten Produkte fand sich eine Materialangabe. Häufig wurde sie aber auf der Verpackung angebracht oder als Aufkleber oder Anhänger mitgeliefert. So waren bei 13 von 18 untersuchten Backformen aus Silikon die Angaben nur auf der Verpackung. "Das ist unzureichend", sagt Wiesemann. "Denn die Verpackung wird vor dem ersten Gebrauch meist weggeworfen. Nur bei wenigen Gegenständen waren die Angaben dauerhaft ins Produkt gestanzt: bei 15 Prozent der Silikonbackformen und bei der Hälfte des Mikrowellengeschirrs. Die Verbraucherschützer kritisieren auch die Verwendung von Recyclingcodes. Die richtige Übersetzung der Abkürzungen und Zahlen könne nicht erwartet werden.

Bedenklich sei vor allem, dass der Kunststoff Melamin in nur 60 Prozent der Fälle als solcher deklariert war. Dabei wäre es laut Wiesemann gerade bei diesem Produkt wichtig: "Melaminharz - ein Kunststoff, der aus Melamin auf Stickstoffbasis und Formaldehyd besteht - kann bei falscher Handhabung gesundheitlich bedenkliche Stoffe in das Lebensmittel übergehen lassen." Da das Material hart und bruchfest ist, wird es gern zur Herstellung von Geschirr und Küchenutensilien genutzt.

 

Temperaturangabe: Laut Verbraucherschützer darf Geschirr aus Melamin aber nur bis maximal 70 Grad erwärmt werden. Wird es höher erhitzt, können schädliche Bestandteile wie Formaldehyd ins Essen gelangen. Auch wenn die Gefahr nicht akut ist, so kann laut Wiesemann die Belastung über einen längeren Zeitraum das Krebsrisiko erhöhen. Der Temperaturhinweis sollte deshalb deutlich lesbar auf dem Geschirr angebracht sein. Der Marktcheck ergab aber: Beim überprüften Kindergeschirr aus Melamin fehlte bei fast der Hälfte der Produkte dieser Hinweis. In zwei Fällen war sogar 120 Grad Celsius als Maximaltemperatur angegeben.

Zudem fanden die Verbraucherschützer Hinweise, wie "maximal 40 Grad Celsius für drei Tage", die wenig hilfreich sind. Bei einem Drittel des untersuchten Melamingeschirrs - darunter Schüsseln, Kindertassen und Suppenteller - fehlte der Temperatur-Hinweis völlig. Bei 50 Prozent der Produkte war der Hinweis "nicht geeignet für die Mikrowelle" nicht so angebracht, dass er dauerhaft sichtbar bleibt.

Bei Silikonbackformen und Mikrowellengeschirr waren die Temperaturangaben fast alle zu lesen. Bei etwa 40 Prozent der Pfannenwender fehlten sie allerdings ebenfalls. Die Tester wunderten sich über unterschiedliche Angaben zu Temperaturbereichen für gleiche Materialarten. So schwankten die Maximaltemperaturen bei Silikonbackformen zwischen 200 und 260 Grad, bei Pfannenwendern aus Polyamid zwischen 160 und 280 sowie bei Mikrowellengeschirr aus Polypropylen zwischen 80 und 140 Grad Celsius.

Verwendungshinweis: Der Marktcheck ergab, dass viele Verwendungshinweise nur in Form von Piktogrammen und ohne Wortlaut angegeben waren. Das ist inakzeptabel für die Verbraucherschützer, weil die Piktogramme nicht immer selbsterklärend und in gestanzter Form meist schlecht lesbar sind. Oft sei der gestanzte Hinweis kaum ausgeprägt und in der gleichen Farbe wie das Produkt gewesen. Ein weiterer Mangel: Bei weniger als der Hälfte der Pfannenwender war der wichtige Hinweis: "Nicht in der Pfanne liegen lassen" zu finden. Wird er nicht befolgt, können Schadstoffe freigesetzt werden.

 

Internetangaben: Auch wer sich im Internet über die Produkte informieren will, stößt auf unvollständige Angaben. So waren auch hier für das untersuchte Mikrowellengeschirr keine Angaben zur erlaubten Temperatur vorhanden. Beim Melamingeschirr fehle im Netz bei fast der Hälfte der Stichproben der Warnhinweis vor der Mikrowelle. Bei der Frage nach dem Material findet sich meist nur der Hinweis auf Kunststoff. Ausnahme sei die Tupperware, die für ihre mikrowellengeeigneten Produkte einen Beipackzettel zum Ausdrucken anbietet.

 

Preis: Preise wurden nur bei den Pfannenwendern betrachtet. Dabei ergab der Marktcheck, dass der Preis keinen Einfluss auf die Qualität der Angaben hat. Denn zwischen preisgünstigen und hochpreisigen Markenprodukten konnte keinerlei Unterschied festgestellt werden.

 

Forderungen: Die Verbraucherschützer fordern von den Herstellern, dass sie ihrer Pflicht zur Materialangabe besser nachkommen. Denn Verbraucher möchten wissen, welche Materialien sie wann und wie in der Küche verwenden können. Deshalb genüge die bisherige Kennzeichnungspraxis nicht. Der schwer identifizierbare Recyclingcode am Produkt sei unzureichend. Hier müsse es einheitliche Regelungen geben. Für erhitzbare Materialien sei eine deutliche, dauerhafte Angabe der Maximaltemperatur notwendig - vor allem bei Produkten aus Melamin. Wünschenswert sei ein Warnhinweis.

Piktogramme sollten verständlich sein und durch Wortlaut ergänzt werden. Nötige Angaben dürften laut Marktcheck nicht allein auf Aufklebern, Anhängern und Verpackungen erlaubt sein. Für den Einkauf sei eine gut lesbare Angabe auf der Verpackung sinnvoll, für den Gebrauch das Einstanzen der Angaben in das Material. Die Verbraucherschützer appellieren an die Lebensmittelüberwachung, stärker auf die Kennzeichnung zu achten. Gebrauchsgegenstände müssten mehr auf Eignung für Lebensmittel kontrolliert werden.

Tipps zu Verpackungen

Durch richtigen Gebrauch der Verpackungen kann man Risiken für die Gesundheit minimieren.

Bereiten Sie Fertiggerichte in mikrowellengeeignetem Geschirr aus Glas oder Porzellan zu. Erhitzen Sie Produkte allenfalls dann in der Verpackung, wenn sie laut Kennzeichnung ausdrücklich dafür geeignet ist.

Verpackungen aus Kunststoff sind für den einmaligen Gebrauch gedacht. Nur dann sind sie sicher.

Unerwünschte Stoffe aus Verpackungen können in das Lebensmittel übergehen. Der Stoffübergang ist bei Glas praktisch ausgeschlossen.

 
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