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Foto: Federico Gambarini/dpa

Kliniken fehlt eine Milliarde Euro für Notfallversorgung

Patienten lassen sich zunehmend in den Notambulanzen behandeln. Die Kliniken fahren dabei jedoch hohe Verluste ein.

Von Ramona Nagel
erschienen am 18.02.2015

Chemnitz. Die Notfallambulanzen an den Kliniken sind extrem überlastet und massiv unterfinanziert. Den rund 2000 deutschen Krankenhäusern fehlt nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro, um die Behandlung auch in Zukunft sicherzustellen. "Die Kliniken werden mehr und mehr zum Lückenbüßer für die niedergelassenen Ärzte", sagte am Dienstag der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum.

Seit Jahren steigt in den Notaufnahmen die Anzahl von Patienten mit nicht akut lebensbedrohlichen Erkrankungen und leichten Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Durchfall. Die meisten Patienten nutzen laut einer Analyse die Notaufnahme wochentags zwischen acht und 19 Uhr und damit zu Zeiten, in denen auch Haus- und Fachärzte praktizieren. Die Kliniken sind jedoch zur Erstversorgung verpflichtet und dürfen Patienten nicht abweisen.

Allein in den 80 sächsischen Kliniken wurden 2012 566.903 Fälle behandelt. Ein Jahr später waren es bereits 573.531. "Einige Häuser haben jährliche Steigerungsraten von 15 Prozent", sagte Friedrich München von der Krankenhausgesellschaft Sachsen. Für eine Notfallbehandlung erhalten die Kliniken von den Kassenärztlichen Vereinigungen durchschnittlich 32 Euro, tatsächlich kostet sie im Durchschnitt 120 Euro. Pro Patient machen die Kliniken also knapp 90 Euro Verlust.

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) räumt Probleme ein. "In einigen Regionen gibt es zu wenig Ärzte und bei vielen Fachärzten lange Wartezeiten", sagt KVS-Sprecher Ingo Mohn. Außerdem seien die Gebiete für den ärztlichen Bereitschaftsdienst vergrößert worden. Die Patienten wünschten jedoch eine wohnortnahe Versorgung.

Für die Kliniken ist der jetzige Zustand völlig inakzeptabel. "Für die Notfallversorgung muss eine neue Form der Vergütung geschaffen werden, die den Behandlungsmöglichkeiten und den Kostenstrukturen der Krankenhäuser Rechnung trägt", fordert deshalb Krankenhausexperte Friedrich München.

Bei der geplanten Krankenhausreform will die Bundesregierung auch die Unterbezahlung beim Notdienst ausgleichen. "Die Bedarfsplanung in den Ländern muss jedoch verbessert und dabei ambulante und stationäre Angebote besser abgestimmt werden", mahnt Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD). Kassenärztliche Vereinigungen und Kliniken müssten zudem beim Notdienst stärker zusammenarbeiten.

Gutachten untersetzt Klinikforderungen

Gutachten untersetzt Klinikforderungen Zu den Kosten der Notfallversorgung hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dabei haben 55 Krankenhäuser für insgesamt 612.070 ambulante Notfälle Kosten- und Leistungsdaten bereitgestellt.

Das Gutachten kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass Kassenärztliche Vereinigungen nicht überall und jederzeit ambulante Notfallbehandlungen sichern können. Viele Patienten müssten sich deshalb in Notfallsituationen direkt in den Notaufnahmen der Kliniken vorstellen.

Weiterhin wird festgestellt, dass die für niedergelassene Ärzte entwickelten Notfallvergütungen nicht auf die kostenintensiven Leistungen der Kliniken übertragbar sind.

 

 
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Kommentare
3
(Anmeldung erforderlich)
  • 18.02.2015
    17:16 Uhr

    PeKa: Na @Frohnau, dann wären doch der Bürokratieabbau im Gesundhaitswesen und die Erhöhung des pro Patient verfügbaren Budgets der Ärzte eine sinnvolle politische Forderung. Warum hört man bei PEGIDA davon nichts?

    2 0
     
  • 18.02.2015
    13:13 Uhr

    Frohnau: @PeKa ist ihnen etwa unbekannt das Bürokratie der Lebenselixier der Gesellschaft ist ?
    Aber schlimmer noch,gestern "Monitor" -Niedergelassene Ärzte mitte 40 geben auf.
    Grund der finanz.Rahmen für Patienten.Ihr geleisteter Eid und die Strafforderungen wenn sie trotzdem den Patienten helfen.

    Glück auf !

    1 2
     
  • 18.02.2015
    11:34 Uhr

    PeKa: "Die meisten Patienten nutzen laut einer Analyse die Notaufnahme wochentags ... zu Zeiten, in denen auch Haus- und Fachärzte praktizieren."
    Was nützen praktizierende Fachärzte, wenn die ihre Patienten gar nicht oder erst nach vielen Wochen drannehmen? Die Patienten gehen doch nicht aus Spaß in die Notaufnahme! Der Patient braucht den Arzt in eben diesem Moment! Die Bürokratie bei den niedergalssenen Ärzten muss beseitigt werden und dann haben die auch mehr freie Kapazitäten. Dazu ist die Politik gefordert.

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