Stadträte stören sich an Werbung für die Bundeswehr

Seit wenigen Tagen rollt eine Tram mit umstrittener Reklame durch die Stadt. Die einen sehen darin kein Problem, andere lehnen sie kategorisch ab.

Gestaltet mit dem Eisernen Kreuz, hebt sich eine Bahn vom Rest des Fuhrparks der Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) deutlich ab. Seit einigen Tagen wirbt die Bundeswehr auf dieser Bahn für Nachwuchs in den eigenen Reihen. Die Werbeaktion ist unter Stadträten umstritten und sorgte zuletzt im Rahmen des Chemnitzer Friedenstages für Kritik.

Einer der Auslöser der Debatte war ein Facebook-Eintrag von Stadtrat Lars Fassmann (Fraktion Vosi/Piraten). Darin nennt er die Straßenbahn einen "Bundeswehr-Truppentransporter in modischem Flecktarn (Design: Waffen-SS 1935)". Auf Nachfrage sagte er, er sehe in der Werbeaktion eine Doppelmoral der Stadt. Während einerseits im Rahmen des Friedenstages an jene Zeit gedacht wird, als Chemnitz in Schutt und Asche lag, wird andererseits für das Militär geworben. "Eine Stadt, die sich um den Titel Kulturhauptstadt bewirbt, sollte auf andere Sachen aufmerksam machen", fordert Fassmann.

Doch nicht nur der Mann von Vosi/Piraten stört sich an der Bundeswehr-Werbung. Für den Chef der Grünen-Fraktion im Stadtrat, Thomas Lehmann, ist der öffentliche Raum nicht der richtige Ort für Bundeswehr-Werbung. Er fordert mehr Sensibilität bei der Motivwahl: "Statt der Abbildung des Eisernen Kreuzes sollte konkret auf die Berufsmöglichkeiten in der Bundeswehr hingewiesen werden", sagte er. Wünschenswert wäre es, wenn zugleich die Alternativen "Freiwilliges Soziales Jahr" und "Freiwilliges Ökologisches Jahr" beworben würden, so Lehmann.

Dietmar Berger, Vize-Fraktions-Chef der Linken im Stadtrat, lehnt die Bundeswehr-Werbung kategorisch ab: "Für mich zählt die Forderung 'Frieden schaffen ohne Waffen'." Je mehr Geld in die Rüstung investiert werde, desto mehr schüre man internationale Konflikte. Deshalb sei die Bundeswehr-Werbung auf den Bahnen genauso zu kritisieren wie Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien, sagt Berger.

Detlef Müller, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, hat hingegen kein Problem mit dem Werbemotiv. Es gebe andere Inhalte, die ihn störten, so zum Beispiel offen sexistische Werbung, sagt der SPD-Mann. Allerdings schränkt auch er ein: "Es gibt Orte, da gehört die Bundeswehr-Werbung nicht hin - zum Beispiel Schulen." Einen Widerspruch zum Friedenstag sieht der 53-Jährige nicht. Die Bundeswehr sei Teil der Friedensmission und leiste einen Beitrag zur Erhaltung der inneren Sicherheit, so Müller.

Auch CDU-Fraktions-Chef Tino Fritzsche sieht keinen Anlass für Kritik. Werbung für die Truppe in dieser Form sei ein übliches Format, erklärt er. Die Bundeswehr sei dafür verantwortlich, dass man in Deutschland und somit auch in Chemnitz sicher leben könne, deshalb gebe es für ihn auch keinen Widerspruch zwischen der Reklame und dem Friedenstag.

Als der Bundeswehr gegenüber generell positiv eingestellt bezeichnet sich AfD-Fraktions-Chef Roland Katzer. Deshalb sei er auch gegen die Abschaffung der Wehrpflicht gewesen; die Werbung aufgrund von Rekrutierungsproblemen sei nun die logische Folge, argumentiert er. Die Kritik an der Werbung sei unangepasst, denn jeder Staat habe das Recht zur Verteidigung, so Katzer.

Als völlig legitim bezeichnet auch Martin Kohlmann von Pro- Chemnitz die Werbung der Bundeswehr. Frieden setze eine schlagfertige Truppe voraus; nach Abschaffung der Wehrpflicht sei es nur logisch, dass sich die Bundeswehr auf diesem Weg um neue Rekruten bemüht, so der 40-Jährige.

Für Sabine Kühnrich, Mitorganisatorin des Friedenstages, ist die Bundeswehr-Werbung ein Zeichen für die schleichende Militarisierung der Gesellschaft. Sie finde es erschreckend, sagte sie der "Freien Presse", dass es als normal erachtet wird, wenn für das Militär geworben wird, wohingegen es keine vergleichbaren Aktionen für Friedensprojekte gebe.

Bei der CVAG betrachte man die öffentliche Kritik unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit. Entsprechende Kommentare, etwa in den sozialen Medien, würden daher auch nicht gelöscht, so CVAG-Sprecher Stefan Tschök.

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5Kommentare
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  • 4
    2
    gelöschter Nutzer
    11.03.2018

    @Täglichleser: " Also lassen wir den Versuch " -- Wenns so leicht wäre!
    Aber leider sind wir nicht dazu in der Lage, solange von uns Truppen in aller Herrgotts-Länder delegiert werden um (angeblich) die dortigen Truppen auszubilden und im Umgang mit moderner Technik zu trainieren.
    Ich bin mit Sicherheit kein Freund von Krieg und Zerstörung. Aber solange sich deutsche Soldaten im Ausland tummeln (müssen) sehe ich schwarz für den Frieden und Völkerverständigung. Nun sollen ja noch mehr in diese, ach so friedliebenden Staaten, geschickt werden! Wenn nur die Sache mal nicht nach hinten losgeht, siehe 2.Weltkrieg!!! Aber laßt sie (die Regierenden) mal machen, denn sie wissen nicht was sie tun. LEIDER

  • 9
    12
    Täglichleser
    10.03.2018

    Frieden in der Welt erhalten, Konflikte und Kriege
    beenden ist schwierig. Also weil es schwierig ist,
    lassen wir den Versuch. Also weiter Aufrüstung.
    Keine Friedensverhandlungen, nicht auf UN setzen,
    Waffenexporte nach Saudi Arabien. Für mich die falsche Logik.

  • 20
    5
    osgar
    10.03.2018

    Ach ja, der Herr Berger von den Linken ist also für Frieden schaffen ohne Waffen. Wenn es so einfach wäre, hätte sicher niemand etwas dagegen.
    Aber wie war das doch damals mit ?Schwerter zu Pflugscharen ??

  • 10
    15
    Deluxe
    10.03.2018

    "Bei uns geht es ums Weiterkommen.
    Nich nur ums Stillstehen."

    Was will uns dieser Spruch denn sagen?
    Weiterkommen wohin? Vielleicht Richtung Osten?
    Verbal wird der nächste Rußlandfeldzug ja schon länger vorbereitet - Stichwort "NATO-Ostfront" usw.
    Es ist ein Graus...

  • 11
    10
    ArndtBremen
    10.03.2018

    Auch eine Stadt, die sich als Kulturhauptstadt bewirbt, hat ihren verpflichtenden Beitrag zum Verteidigungsauftrag unserer Heimat zu leisten. Ohne Frieden brauch auch keiner eine Kulturhauptstadt. Das sollten nun auch langsam mal die Rotgrünenlinken begreifen.



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