Vorbeugung: Kopfvitamine als Hilfe zur Selbsthilfe

Aue erlebt Mitte Juni eine Premiere: Beim ersten Fachtag zur psychischen Gesundheit im Erzgebirgskreis geht es vor allem um Prävention. Zentrale Frage: Wie kann ich mich selbst schützen?

Annaberg-Buchholz/Aue.

Vitamine für den Kopf im übertragenen Sinn: Das ist es, was Frederik Haarig und seine Mitstreiter unter die Leute bringen wollen. Beim 1. Fachtag zur psychischen Gesundheit im Erzgebirgskreis können sich Neugierige ein Bild von der Idee machen, die hinter "Kopfvitamin" steckt. Am 13. Juni im Auer Kulturhaus dreht sich alles um "Kopfsachen".

Stress, Burnout, Drogen, Depressionen, anderweitig bedingte psychische Störungen oder Schockzustände in Notsituationen - die Bandbreite solcher Themen ist in der heutigen Leistungsgesellschaft groß. "Unser Gesundheitssystem ist insgesamt defizitorientiert aufgestellt. Eine Krankheit tritt auf und wird erst dann behandelt. Wir setzen andersherum an, wollen vorbeugend wirken", sagt der Schwarzenberger Frederik Haarig. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni-Klinik Dresden und hat an der TU Chemnitz Psychologie studiert. Thema der Diplomarbeit: "Güte von Gutachten bei Sexualstraftätern".

Weniger speziell, sondern vielmehr auf die breite Masse angelegt ist der 1. Fachtag in Aue, den er mit Kollegen aus der Psychologie stemmt. "Seit etwa 15 Jahren nehmen Methoden zu, die die Gesundheit schützen, noch ehe sich die Krankheit entfalten kann." Das sei nicht zuletzt bei "Kopfsachen" eine gute Strategie. "Vermeiden ist immer besser, als das Ganze auszubaden und in ein mentales Tief zu rutschen."

Der Trend zum Vorbeugen hat in der Region bereits eine Plattform: in Form des Netzwerks "Erzgesund", zu dem Unternehmen gehören, in denen Führungskräfte und Mitarbeiter Wege gehen, die helfen, körperliches und seelisches Gleichgewicht zu erhalten. "Ein ganz wichtiger und guter Ansatz. Stressbewältigung ist das Stichwort", so Haarig.

Der Fachtag streift dieses Thema, will aber noch mehr bieten: Geplant sind Vorträge und Workshops zu Risiken beim Konsum von Crystal Meth als Droge, die im Erzgebirge eine zentrale Rolle spielt. Zudem soll es um Kurse in Schulen, um Burnout, psychologische Erste Hilfe bei Unfällen, Gesprächstechniken im Umgang mit Betroffenen und Tipps für eine gelungene Kommunikation im pflegerischen und medizinischen Bereich gehen. Ziel bei allem: Strategien aufzeigen, die die psychische Gesundheit der Menschen erhalten - noch bevor das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen ist.

"Angesprochen ist jedermann", betont Haarig. Junge Menschen vor dem Start ins Berufsleben ebenso wie Schüler, Lehrer, Pflegekräfte, Erzieher und Unternehmer, aber auch Mitarbeiter von Behindertenheimen und -werkstätten.

"Im Prinzip wollen wir die Psychologie und ihre Themen für jedermann anwendbar machen." Und so Hilfe zur Selbsthilfe geben. "Etwa durch Selbstfürsorge mittels Auszeiten, die sich jeder nehmen sollte, wenn es zu viel wird." Aber das muss man erst mal erkennen. Drei Pfeiler stützen den Fachtag: Beratung, Aufklärung und Coaching. "Wir wollen Lotse zur psychischen Gesundheit sein."www.kopfvitamin.de

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