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Mohren-Apotheke am Altmarkt in Hohenstein-Ernstthal. Seit dem 18. Jahrhundert prägt sie und die Figur des sogenannten Mohren das Stadtbild.

Foto: Andreas Kretschel

Sachsen verteidigt Mohren-Apotheken

Gegenwärtig wird in Deutschland diskutiert, ob der Name diskriminierend ist. Was sagen der sächsische Apothekerverband und das Landesamt für Denkmalschutz dazu?

Von Lilith Grull
erschienen am 07.02.2018

Hohenstein-E/Glauchau. Da steht eine dunkelhäutige Figur im senffarbenen Gewand und ´rotem Kopftuch auf einem Vorsprung des Apothekenhauses und blickt über den Marktplatz der Stadt. Es ist der Mohr der gleichnamigen Apotheke. Dort thront er schon seit langem, seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts. "Ich erinnere mich noch an die Restaurierung der Mohren-Figur vor vielen Jahren. Damals haben sie viele vermisst. Es gab Anfragen der Bürger, warum der Platz am Eingang leer ist", sagt die Inhaberin der Mohren-Apotheke am Altmarkt von Hohenstein-Ernstthal, Jana Pönitz. "Von Beschwerden, so wie sie es an anderen Orten Deutschlands derzeit gibt, habe ich hier noch nichts gehört."

Deutschland diskutiert. In Frankfurt am Main beschwerte sich vor kurzem die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung bei der Stadtverordnetenversammlung und forderte, dass rassistische Bezeichnungen und Logos aus dem Stadtbild entfernt werden sollten. Konkret bezogen sie sich auf zwei Einrichtungen: "Mohren-Apotheke" und "Zeil-Apotheke zum Mohren". Die Diskussion um die Figur des Mohren läuft nun seit gut zwei Wochen durch die Medien. Doch ist der Mohr tatsächlich ein rassistischer Begriff? Die Kritiker: Ein dunkelhäutiger Mensch aus der Kolonialzeit wird klischeehaft dargestellt.

Was sagt der sächsische Apothekerverband dazu? In Sachsen gibt es mindestens 13 Apotheken, die Mohr im Namen tragen. Kathrin Quellmalz, Sprecherin des Apothekerverbandes: "Wir bedauern, wenn sich Kunden durch die Namensgebung Mohr aufgrund eines Missverständnisses rassistisch diskriminiert fühlen könnten. Eine entsprechende pharmaziehistorische Recherche legt nahe, dass die Benennung der Mohrenapotheken im 16. und 17. Jahrhundert auf eine Verehrung der maurischen Heilkunst zurückgeführt werden kann, von welcher die moderne Pharmazie sehr profitiert hat." Die Bezeichnung Mohr ei daher Teil "unserer Tradition und Geschichte" und sollte auch vor diesem Hintergrund diskutiert werden, so die Verbandssprecherin weiter.

Wilfried Wendler von der Mohren-Apotheke in Glauchau sagt: "Der Mohr ist kein Schimpfwort, sondern eine historische Bezeichnung der Bereicherung durch ferne Bräuche." Auch die Denkmalschützer - In Sachsen stehen zehn Mohren-Apotheken unter Denkmalschutz - sehen den Namen locker. Abteilungsleiter Hartmut Ritschel: "Nach dem immer noch aktuellen Sprachverständnis ist Mohr zwar eine veraltete, und in der heutige Alltagssprache unübliche, aber historische Bezeichnung."

 
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Kommentare
3
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 14.02.2018
    18:15 Uhr

    osgar: Ist zwar eine andere Baustelle, aber ich werde mir auch weiterhin hin und wieder einen Mohrenkopf gönnen. Egal was da im Supermarkt auf der Verpackung steht.
    Und auch ein Zigeunerschnitzel steht hin und wieder auf dem Speiseplan. Mal sehen, wann die politisch (Über)Korrekten uns das nehmen werden.

    0 2
     
  • 14.02.2018
    13:47 Uhr

    Interessierte: Geht das hier um den Mohr von den Raben von London ?

    0 3
     
  • 13.02.2018
    09:32 Uhr

    Hinterfragt: Dumm gelaufen.

    Einzig und allein hat sich diese Situation die Politik hier in Deutschland zuzuschreiben.

    Durch deren Whitwashing unserer Sprache ist doch genau das zu erwarten gewesen.

    Der Negerjkuss/ Mphrenkopf hat eine fast gleiche Geschichte:

    Wikipedia schreibt dazu:
    "...Die ersten Schokoküsse sollen um 1800 in Dänemark hergestellt worden sein.[12] Im 19. Jahrhundert entstanden in Konditoreien in Frankreich ?Tête de nègre?, auf Deutsch ?Negerkopf?, hergestellt aus einer baiserartigen Masse und einem Schokoladenguss. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es sie dann auch in deutschen Konditoreien..."

    Das hat niemanden interessiert, die Bezeichnung musste abgeschafft werden.

    0 5
     

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