Am Mittwochabend spielte die Robert-Schumann-Philharmonie in der Stadthalle. Das Konzert des Orchesters an diesem Donnerstag beginnt um 19 Uhr.
Am Mittwochabend spielte die Robert-Schumann-Philharmonie in der Stadthalle. Das Konzert des Orchesters an diesem Donnerstag beginnt um 19 Uhr. Bild: Andreas Seidel/Archiv
Chemnitz
4. Sinfoniekonzert der Robert-Schumann-Philharmonie: Ein Meer an Gefühlen

Freie Presse auf Google News folgen

Gustav Mahlers 4. Sinfonie und Lowell Liebermanns Konzert für Piccoloflöte und Orchester haben das Publikum beim in der Cemnitzer Stadthalle begeistert.

"Er litt nun unter schrecklichen Spannungen und Selbstquälereien; bald wünschte er sich den Tod, bald das irrsinnigste Leben", schreibt Gustav Mahlers Frau Alma Mahler-Werfel in ihren Erinnerungen an die Zeit, da ihr späterer Mann seine Sinfonie Nr. 4 G-Dur komponierte.

Diese Zerrissenheit prägt maßvoll die Sinfonie, die die Robert-Schumann-Philharmonie am Mittwochabend unter der Leitung von Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo im coronabedingt noch immer spärlich besetzten, aber ausverkauften großen Saal der Stadthalle geradezu zelebrierte. Einfühlsam, elegant und präzise führte der Dirigent das Orchester durch das Meer an Gefühlen, Freuden, Hoffnungen und Ängsten, das Mahler in der Sinfonie verarbeitet hat. Sanfte, beschwingte Passagen, Spaziergängen auf Blütenteppichen gleich, werden abgelöst von peitschenden, jagenden Momenten. Aufatmen, innehalten, tänzerische und liedhafte Passagen wechseln mit gewaltigen dunklen Einschüben und Brüchen, als schauten Schicksal und Tod zur Tür herein. Harmonie ist immer erkämpft und nie von Dauer. Bis zum Schlusssatz hin, der mit dem von Mahler schon Jahre vor der Sinfonie vertonten Lied "Wir genießen die himmlischen Freuden" aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" endet. Die japanische Sopranistin Ina Yoshikowa singt es hervorragend, verständlich und ausdrucksstark bis zum schlichten Ende. Wenn es nach dem schnell verklingenden Donnerhall des Jüngsten Gerichts heißt, "die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen, dass alles für Freuden erwacht", entschlummert die Musik sanft ... und jeder mag selbst entscheiden, ob dies eine Feier kindlicher Unschuld oder nach Theodor W. Adorno die Trauer über ihren Verlust ist. Erst nach langer Pause brandet der begeisterte Beifall auf und ein einzelner Bravo-Ruf ertönt.

Mahlers 4. Sinfonie, am 25. November 1901 in München unter seiner eigenen Leitung uraufgeführt, mutet in ihrer Komplexität und kontrastreichen Widersprüchlichkeit noch immer modern an. Viel "klassischer" wirkte dagegen das Konzert für Piccoloflöte und Orchester des hundert Jahre jüngeren Amerikaners Lowell Liebermann, mit dem das Konzert begann. Liebermann, 1961 in New York geboren, mehrfach ausgezeichnet, arbeitet auch als Pianist und Dirigent. Er gehört zu den am meisten aufgeführten amerikanischen Komponisten. Sein Werk umfasst mehr als hundert Kompositionen, darunter zwei Opern, eine zum "Bildnis des Dorian Gray" nach Oscar Wilde. Sein Flötenkonzert wird zur Sternstunde für die junge Schweizer Flötistin Sarah Pascher, die seit 2020 mit der Schumann-Philharmonie musiziert. Das dreisätzige, romantisch anmutende Werk lässt die Flöte sanft über dem Orchester tirilieren. Ausladenden, an Filmmusiken der 1950er Jahre erinnernden Klangteppichen setzt sie flackernde Lichter auf, begehrt auch virtuos auf. Zuweilen treiben sich die nie ins Liebliche, Sentimentale abgleitende Flöte und das mitunter stark zurückgenommene Orchester gegenseitig an und finden schließlich ein effektvolles Finale. Es gab sehr viel Applaus für das eingängige Konzert und viele Blumen für die Flötistin, die einmal mehr auch das herausragende solistische Niveau der Mitglieder der Robert-Schumann-Philosophie unterstrich.

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Das könnte Sie auch interessieren
06:02 Uhr
5 min.
USA und Iran liefern sich neue Angriffe in Golfregion
USA und Iran liefern sich neue Angriffe in Golfregion - Die USA und der Iran liefern sich erneut gegenseitige Angriffe. (Archivbild)
Wie Du mir, so ich Dir? Der Iran schießt nach US-Angaben einen Militärhubschrauber ab. Es folgen Luftangriffe auf Ziele im Iran. Teheran wiederum greift Golfstaaten an. Hält die Waffenruhe das aus?
15:42 Uhr
2 min.
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren - Raquel und Adrian (vorn rechts) freuen sich über die Geburt ihrer Tochter.
Die kleine Carmen kam am Samstag gesund zur Welt. Sie ist bereits das zehnte Kind ihrer Eltern Raquel und Adrian.
Erik Anke
09.06.2026
2 min.
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen - Die Polizei wurde zum Wahllokal nach Bad Schlema gerufen.
Ein uneinsichtiger Wahlbeobachter hat am Sonntag in einem Wahllokal in Bad Schlema dafür gesorgt, dass das Auszählen der Stimmen unterbrochen wurde. Hat das Konsequenzen?
Heike Mann
06:00 Uhr
2 min.
Kraftsportler aus dem Erzgebirge sichern sich Titel und Medaillen
Kraftsportler aus dem Erzgebirge sichern sich Titel und Medaillen - Die Bankdrücker des FC Erzgebirge Aue standen bei der Sachsenmeisterschaft mehrfach auf dem Podest.
Bankdrücker des FCE Aue und aus Lauter haben bei der Sachsenmeisterschaft die Muskeln spielen lassen. Dabei stellten sich Erfolge ein. Aber es gab auch Luft nach oben.
Anna Neef
16.04.2026
3 min.
Chemnitzer Sinfoniekonzerte: Publikum feiert Pianistin und Kens Luis Debüt
Chemnitzer Sinfoniekonzerte: Publikum feiert Pianistin und Kens Luis Debüt - Die gefeierte Pianistin Marianna Shirinyan am Mittwochabend beim 7. Sinfoniekonzert der Robert-Schumann-Philharmonie in der Stadthalle.
Kompositionen von Ravel, Mozart und Mussorgski, erstklassig interpretiert von der Schumann-Philharmonie und Solistin Marianna Shirinyan, prägten das 7. Sinfoniekonzert unter dem Motto „Klanggemälde“.
Matthias Zwarg
12.03.2026
3 min.
Bravo-Rufe und Standing Ovations nach einem atemberaubenden Gustav-Mahler-Konzertabend in der Chemnitzer Stadthalle
Bravo-Rufe und Standing Ovations nach einem atemberaubenden Gustav-Mahler-Konzertabend in der Chemnitzer Stadthalle - Erlösung, Erleichterung, Freude – Standing Ovations, Bravo-Rufe nach einem wunderbaren Konzert: Gustav Mahlers 2. Sinfonie „Auferstehung“.
Gustav Mahlers 2. Sinfonie hielt alles, was sie versprach: Schumann-Philharmonie, Chöre und Solistinnen verschafften dem Publikum in der Stadthalle Gänsehaut-Momente und zeugten von der Kraft der Musik.
Matthias Zwarg
Mehr Artikel