CFC: Warum Daniel Frahn vor Gericht siegt

Der Ex-Kapitän hat sich erfolgreich gegen seine fristlose Kündigung beim Chemnitzer FC gewehrt und muss weiterbeschäftigt werden. Schnell auf den Platz zurückkehren wird er aber nicht.

Insolvenz, Abstiegssorgen, finanzielle Schwierigkeiten - zu den Problemen von Fußball-Drittligist Chemnitzer FC kommt nun noch ein andauernder und teurer Rechtsstreit dazu. Am Mittwoch unterlag der CFC vor dem Arbeitsgericht Chemnitz seinem Ex-Kapitän Daniel Frahn. Der Richter erklärte die fristlose Kündigung des Stürmers für ungültig und beauftragte den Club, den 32-Jährigen bis zu dessen Vertragsende im Juni 2021 weiterzubeschäftigen. Zwei Stunden nach dem Urteil gab der Verein bekannt, dass er Berufung einlegen wird.

Damit geht ein im deutschen Fußball bislang wohl einmaliges Gerichtsverfahren in die Verlängerung. Die Gesellschafter der Chemnitzer FC Fußball GmbH hatten Frahn am 5. August fristlos entlassen. Begründung: Der Stürmer habe sich durch "offenkundig zur Schau gestellte Sympathie zu führenden Köpfen der rechts gesinnten Gruppierung ,Kaotic Chemnitz‘ und der aufgelösten Gruppe ,NS-Boys‘ massiv vereinsschädigend" verhalten. Hintergrund war, dass Frahn, der zu diesem Zeitpunkt verletzt war, beim Auswärtsspiel des CFC in Halle am 3. August im Gästeblock zwischen CFC-Fans gesessen hatte, die der mutmaßlich rechtsradikalen Szene zugeordnet werden. Außerdem soll er mit diesen Personen auch die Fahrt nach Halle angetreten haben.

Frahn wohnte der Verhandlung am Mittwoch zeitweise bei, ließ aber seine Anwälte reden. Die räumten die Zusammenkunft mit den Personen ein. Von deren rechter Gesinnung habe sein Mandant aber nichts gewusst, erklärte einer der beiden Juristen. Außerdem habe es sich um eine private Angelegenheit gehandelt und der Verein habe ihm kein Kontaktverbot mit den Personen ausgesprochen. Die Anwälte forderten eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses. "Herr Frahn ist ein sympathischer sportlicher Leistungsträger und mit dem Herzen beim Verein", sagte einer der beiden Juristen. Sollte der CFC dazu nicht bereit sein, fordere sein Mandant 240.000 Euro.

CFC-Anwältin Nicole Marquardsen lehnte eine Weiterbeschäftigung des Offensivspielers ab. "Die CFC GmbH will das nicht", sagte sie. Die Juristin argumentierte, Frahns Verhalten habe dem Ansehen des Vereins geschadet. Der Ex-Kapitän sei vom damaligen CFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik mehrmals aufgefordert worden, den Kontakt zu Kaotic-Chemnitz-Mitgliedern zu unterlassen - unter anderem bei einer Abmahnung, die der Fußballer nach dem Gedenken für einen verstorbenen Neonazi im Stadion am 9. März erhalten hatte. Damals hatte Frahn beim Torjubel ein unter Hooligans verbreitetes T-Shirt hochgehalten. Marquardsen plädierte für eine Vertragsauflösung spätestens zum Ende dieses Jahres. Damit hätte der CFC Gehaltsnachzahlungen in Höhe eines maximal fünfstelligen Betrags leisten müssen.

Der Richter gab Daniel Frahn Recht. Zwar sei der Fußballer bei der Auswärtsfahrt nach Halle als Spieler aufgetreten und es habe sich damit nicht um eine private Angelegenheit gehandelt. Allerdings sei ihm vonseiten des CFC in den Gesprächen in den Monaten zuvor nicht eindringlich genug klar gemacht worden, dass ein fortwährender Kontakt mit Personen von Kaotic Chemnitz seinen Arbeitsvertrag gefährdet. Außerdem, so der Richter, habe der CFC im Umgang mit mutmaßlich rechtsgesinnten Personen selbst "nicht stringent" gehandelt. Er nannte die Meisterfeier am 4. Mai als Beispiel. Damals hatten nach mittlerweile bestätigten Berichten jene beiden Mitglieder von Kaotic Chemnitz in der Mannschaftskabine mitgefeiert, mit denen Frahn später in Halle gesehen wurde.

Frahns Anwälte sehen ihren Mandanten nun rehabilitiert. "Die Entscheidung zeigt, dass Herr Frahn weder rechtsradikal ist, noch mit rechtsradikalen Kreisen sympathisiert", sagte Christian Schößling. Ihm zufolge ist der Stürmer bereit, sofort ins Training einzusteigen. Das wird allerdings nicht passieren. Mit dem Berufungsantrag des CFC gilt vorerst die Kündigung - und der 32-Jährige bleibt vom Spiel- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen. Am Abend äußerte sich CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon zu dem Prozess. "Das Urteil ist ein Skandal. Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen und notfalls bis vor das Bundesarbeitsgericht beziehungsweise vor das Bundesverwaltungsgericht gehen", sagte er. (mit dpa)

16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    sonora
    12.12.2019

    Lesemuffel../ So eindeutig, wie Sie dies vermitteln wollen, ist das Urteil nicht. Dass ein Anwalt die Anschauung seines Mandanten vertritt liegt in der Natur der Sache. Dem TAGESSPIEGEL ist ein wenig mehr über die Ansicht des Richters zu entnehmen:

    "Der Richter bezog sich in seiner Urteilsbegründung auch auf den generell eher entspannten Umgang des Chemnitzer FC mit rechtsextremen Fans. So seien bei der Aufstiegsfeier der vergangenen Saison Junghänel und ein weiterer Rechtsextremist in der Mannschaftskabine gewesen. Trotz anwesenden Security-Personals hätten sich die Verantwortlichen des Klubs nicht dazu entschieden, die beiden aus der Kabine zu verweisen. Und der Stadionsprecher, der bei der Trauerfeier den verstorbenen Neonazi Thomas Haller gewürdigt hatte, darf nach seiner Freistellung mittlerweile auch schon wieder beim Chemnitzer FC arbeiten. Das widerspreche den Aussagen des Vereins, sich konsequent von allen zu trennen, die mit Nähe zu rechtsradikalen Fans aufgefallen sind, erklärte der Richter."

    Die Begründung könnte man also wie folgt zuspitzen: Ein Neonazi kann für einen Naziverein schlecht rufschädigend sein. Deswegen ist eine Kündigung für rufschädigendes Verhalten nicht rechtens.

    Verständlicherweise möchte man als Verein ein derart formuliertes Urteil nicht annehmen und so geht er halt in die Berufung. Wiederum ein normaler Prozess in unserer Rechtsordnung und bei weitem kein in Frage stellen unserer Demokratie.

  • 3
    5
    Lesemuffel
    11.12.2019

    Cn3... / Auch wenn es ihnen nicht gefällt, das Gericht hat die Kündigung für unrechtmäßig entschieden, basta. Frahns Anwalt hat die richtigen Schlussfolgerungen aus dem Urteil gezogen.

  • 8
    5
    cn3boj00
    11.12.2019

    "Die Entscheidung zeigt, dass Herr Frahn weder rechtsradikal ist, noch mit rechtsradikalen Kreisen sympathisiert" sagt der Anwalt. Wie kommt er denn darauf? Dazu ghat der Richter doch gar nichts gesagt. Im Gegenteil, der Richter hat gesagt dass auch der Verein selbst nicht klar genug gegen rechte Gruppierungen vorgegangen ist. Insofern hat er Frahns Umgang mit Rechtsradikalen bestätigt. Und was man von Kaotica halten darf ist doch wohl klar, von Lesemuffel mal abgesehen.
    Und wer Lesen kann: gleich am Anfang steht, dass der Verein Berufung einlegen wird. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig. Und das ist richtig so. Denn wenn es eine Abmahnung gab ist die Sache nicht so klar wie die Rechtsexperten hier meinen.

  • 3
    7
    franzudo2013
    11.12.2019

    Rote Karte für die Hetze des Vereins. Warum ist das Verleumdung ?
    Ein Arbeitgeber sollte es sich gut überlegen, ob er sich zum Deppen der Spalter macht.

  • 8
    11
    Lesemuffel
    11.12.2019

    ... "ein Skandal.." ".. Wir werden bis vors Bundesverwaltungsgericht ziehen.." Haben die noch alle T ... im Sch.? Was ist das Verbrechen des Herrn Frahn, dass er trotz richterlichen Freispruch wie ein Verbrecher behandelt wird? Schlimmer als im Mittelalter als sich feige Leute am von der Obrigkeit Angeprangerten austoben konnten.

  • 10
    11
    remarcel
    11.12.2019

    Traurig ist es schon, dass man sich ungestraft der Hooliganszene verschreibt, die stellvertretend für Gewalt und Rassismus steht und eben dieses ungesühnt bleibt. Formale Fehler hin oder her, Gerichte haben keinen Mut mehr erzieherisch zu wirken. Ein Vorbild für unsere Kinder ist Frahn jedenfalls nicht, auch wenn man ihn hier als Märtyrer stilisiert.

  • 6
    8
    Lesemuffel
    11.12.2019

    Sonora/ Da darf man gespannt sein, ob der Verein Berufung einlegt und wie das ausgeht. Man bekommt dann noch bessere Einblicke, wie hier Demokratie benutzt wird. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass doch einige Bürger hier frank und frei öffentlich im Forum verurteilen "Rote Karte für Hass und Hetze" schreibt ein Mitbürger. Ob er sich diese brutale Verleumdung auch von Angesicht zu Angesicht traute?

  • 9
    5
    sonora
    11.12.2019

    Der Verein legt meines Wissens nach Berufung ein, damit ist dies hier kein endgültiges Urteil.

  • 7
    12
    Distelblüte
    11.12.2019

    @ralf66: Sie haven den Artikel aber schon gelesen?

  • 17
    9
    ralf66
    11.12.2019

    @Distel, ist wieder klar, man kennt es gar nicht anders von Ihnen, Formfehler kommen wie immer bei Ihnen über Gesetze. Es geht nicht so einfach, jeden der nicht ihrer Meinung ist Licht ans Fahrrad zu machen und das nennt man Demokratie.

  • 16
    15
    franzudo2013
    11.12.2019

    Rote Karte für Hass und Hetze !

  • 19
    22
    Lesemuffel
    11.12.2019

    Der sogenannten Kampf gegen Rechts wurde vom Rechtsstaat in die Schranken verwiesen. Es müssen nicht gleich alle, die neben Fans sitzen, die einige hierzulande als Problem sehen, ihren Arbeitsplatz verlieren. Ein mutiges Gericht, es muss die Schnappatmung derer aushalten, die lieber Menschen, die anderer als deren Meinung ausserhalb der Gesellschaft stellen wollen.

  • 20
    22
    786163
    11.12.2019

    Die GmbH sollte das Urteil anerkennen und diejenigen die denken sich über das (Arbeits) Recht hinwegsetzen zu können auf Schadensersatz zu verklagen.

  • 12
    20
    peggi
    11.12.2019

    Richtig so. Es gibt sie also noch.!!!

  • 36
    26
    Distelblüte
    11.12.2019

    Was dem CFC fehlt - laut Gerichtsurteil - ist eine klare Linie gegen rechts. Hätte sich der Verein konsequent daran gehalten und keine formalen Fehler in der Kündigung gemacht - das Urteil wäre zugunsten des Vereins ausgefallen.

  • 31
    26
    1371270
    11.12.2019

    Manchmal kann man sich eben doch auf den Rechtsstaat verlassen. Super!



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