E-Scooter in Chemnitz: Mobilitäts-Gewinn oder Verkehrshindernis?

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Sie sind eine Ergänzung herkömmlicher Verkehrsmittel, stehen aber auch in der Kritik: Elektro-Tretroller. Anbieter, Rathaus-Vertreter und eine Forscherin stellen Forderungen.

E-Scooter sollen eine Lösung sein, um den Verkehr zukünftig klimaneutraler zu gestalten. Sie sind leicht verfügbar, praktisch, verkürzen Wege und machen Spaß. Insbesondere junge Menschen finden an diesem Elektrokleinstfahrzeug Gefallen und nutzen sie als Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Taxiunternehmen und dem Auto, egal ob auf dem Arbeits- oder Nachhauseweg. Initiiert vom Chemnitzer Umweltzentrum, sprachen nun verschiedene Akteure bei einer Podiumsdiskussion über das sogenannte "E-Scooter-Sharing" als möglichen Mobilitätszweig zur CO2-Reduzierung.

E-Scooter-Sharing fördert die geteilte Mobilität - die gemeinsame Nutzung von Verkehrsmitteln wie Autos, Fahrrädern, E-Rollern und weiteren Elektrokleinstfahrzeugen. Lovisa Vacek, Absolventin der Technischen Universität Chemnitz, hat für ihre Masterarbeit Befragungen in sieben deutschen Städten durchgeführt. Sie sieht viel Potenzial in den Rollern: "In Randgebieten und zu Randzeiten kann das E-Scooter-Sharing eine echte Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sein." Jedoch bedarf es eines Gesamtkonzeptes und eines ausgewogenen Mobilitätsangebotes, um eine flächendeckende Nutzung dieses Fortbewegungsmittels zu ermöglichen, erklärte Vacek.

Alexander Kirste, Abteilungsleiter Verkehrsplanung im Rathaus, stimmte zu, schränkte aber ein: "Das Potenzial ist da, doch die flächendeckende Nutzung der E-Roller muss per Gesetz ermöglicht werden", sagte er und zog Vergleiche zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): Dem Gesetzgeber sei es wichtig, Menschen Möglichkeiten zu bieten, von A nach B zu kommen. Nach diesem System funktioniere auch der ÖPNV: "Als Stadt bestellen wir bei der CVAG, finanziert aus Fahrgeldern und Energieeinnahmen, um Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch in Randgebiete wie Grüna oder Einsiedel zu bringen." Nach demselbem Ansatz könnte die Stadt Elektro-Roller bestellen - jedoch sei dies weder rechtlich möglich noch finanzierbar, sagte er.

Georg Grams, Regionalmanager des E-Scooter-Sharing-Anbieters Tier, hofft ebenfalls auf Unterstützung aus der Politik und darüber hinaus. Man müsse Mobilitätsformen wie E-Scooter "regulatorisch, finanziell und mit begleitenden Infrastrukturmaßnahmen unterstützen", forderte er. Handlungsbedarf gebe es insbesondere in der städtischen Infrastruktur, die aufgrund jahrzehntelanger Maßnahmen hauptsächlich auf Autos ausgerichtet sei und dringend nachhaltig gestaltet werden sollte: "Nur mit einer ausreichenden Anzahl an Abstellflächen für E-Scooter, Fahrräder und Lastenräder sowie gut ausgebauten Radwegen kann sich Mikromobilität optimal in den urbanen Mobilitätsmix einfügen", sagte Grams. Er betonte jedoch, nur eine Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sein zu wollen, ähnlich wie die Taxiunternehmen: "Wir wollen kein Konkurrent sein. Nicht einmal in besten Zeiten könnten wir das leisten, was der ÖPNV leistet", so Grams.

Es gibt aber auch Kritik an den E-Scootern und ihren Nutzern: Durch falsches Abstellen und Herumliegen auf Gehwegen sorgen die Roller für Ärger. Besonders für blinde und sehbehinderte Menschen sowie Senioren können sie so zum Problem werden. Dazu kommen Fahrten unter Alkoholeinfluss, die zuweilen in Unfällen enden. Alexander Kirste von der Chemnitzer Verkehrsplanung nimmt nicht nur die Anbieter, sondern auch die Nutzer in die Pflicht: "Wir müssen noch mehr sensibilisieren und noch mehr Kundendialoge führen, um klarzustellen, wo und wie man fahren kann", sagte er. Darüber hinaus müssten auch Gespräche mit Behörden, beispielsweise der Polizei, geführt werden, um letzte Unklarheiten zu beheben. Eine Ursache für das Problem sieht Kirste in der Politik. So habe der Bund mehr oder weniger über Nacht Elektro-Roller zugelassen, ohne Voraussetzungen zu schaffen. In Chemnitz werden die Roller nun Eingang in den neuen Mobilitätsplan finden. Zuletzt hatte sich auch der Stadtrat mit dem Thema beschäftigt und das Rathaus aufgefordert, die Vereinbarungen mit den E-Scooter-Anbietern offenzulegen und womöglich durch weitergehende Regeln zu ergänzen.

Der Anbieter Tier hofft weiterhin darauf, dass Nutzerverhalten durch Anweisungen und Erklärungen, insbesondere durch Videodarstellungen, zu verbessern. Man wolle daraufhinwirken, dass sich die Fahrer rücksichtsvoller verhalten, sagte Regionalmanager Grams: "Wir möchten weg von dem Image, es sei ein Spaßmobil." Er erinnerte: "Es ist ein Elektrokleinstfahrzeug. Das heißt: kein Spielzeug, kein Alkohol."

 

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