Eklat bei Testspiel des Chemnitzer FC in Tschechien: Fans skandieren Nazi-Parole

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OB Schulze zeigt sich schockiert, der Verein distanziert sich entschieden und kündigt Konsequenzen an.

Chemnitz.

Es hätte für den Chemnitzer FC ein Wochenende positiver Schlagzeilen werden können. Der Fußball-Regionalligist gewinnt beim tschechischen Viertligisten FK Banik Most Sous mit 1:0 auch das zweite Testspiel seiner Vorbereitung auf die neue Saison; Fans der Himmelblauen überreichten am Rande der Partie mehrere Hundert Euro für Opfer des Tornados, der Tage zuvor im Süden des Nachbarlandes verheerende Zerstörungen angerichtet hatte.

Doch schon wenige Stunden nach dem Spiel am Samstag machten im Netz einmal mehr verstörende Bilder von Anhängern des Vereins die Runde. Auf einem 15 Sekunden langen Video ist zu sehen, wie in Most Dutzende in Schwarz gekleidete Fans lautstark die Nazi-Parole "Sieg heil!" skandieren. Die Aufnahme ist allem Anschein nach in einer Straße (ulice Josefa Dobrovského) in einem Wohngebiet in der Nähe des Stadions entstanden.

Der Verein reagierte umgehend und ungewohnt deutlich. Er distanzierte sich am Sonntag entschieden und kündigte "mit aller Konsequenz und Härte" rechtliche Schritte an. "Erneut zieht damit eine unbelehrbare Minderheit den Ruf des gesamten Chemnitzer Fußballclubs in den Dreck und konterkariert alle bisherigen Anstrengungen, das Bild unseres Vereins zu verbessern", heißt es in einer auf der CFC-Internetseite veröffentlichten Erklärung. "Euch wollen und brauchen wir nicht!" Das Video zeige nicht den Chemnitzer FC und das, wofür er stehen möchte, so die Verantwortlichen. Der gut 2300 Mitglieder zählende Verein wolle nicht "durch eine Gruppe von Idioten in eine Ecke gedrängt werden". Die Aufnahme werde mit der Polizei geprüft; es solle zeitnah Anzeige erstattet werden.

Für weitere Diskussionen sorgten große Banner im Fanbereich des CFC gegen die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben und anderen sexuellen Minderheiten. "Was da zu lesen war, steht ebenfalls im Gegensatz zur Auffassung und Haltung des Chemnitzer FC", sagte Presse-Sprecher Steffen Wunderlich. Zumal sich der CFC erst wenige Tage zuvor an einer deutschlandweiten Aktion für Vielfalt und Akzeptanz beteiligt und all seine Beiträge in den sozialen Netzwerken durchgehend mit den Regenbogenfarben versehen habe.

Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) äußerte sich nach den Ereignissen in Most schockiert. "Das ist ein bewusster Angriff gegen das friedliche und respektvolle Zusammenleben in unserer Gesellschaft", schrieb er auf seiner Facebook-Seite und in einer Erklärung, die vom Rathaus am Sonntag an die Medien versandt wurde. "Meine Position dazu ist klar: Dafür gibt es keine Toleranz, dafür gibt es keine Entschuldigung." Wer bei derlei Aktionen dabei war, verachte Menschen und dürfe im Gegenzug nicht mehr auf Hilfe oder Verständnis hoffen. Jetzt, so das Stadtoberhaupt, komme es darauf an, jene Anhänger, Zuschauer, Funktionäre und Spieler des Chemnitzer FC zu unterstützen, die sich für ein friedliches, weltoffenes, sportlich faires und positives Bild des Fußballs einsetzen.

Rechtsradikale Anhänger der Himmelblauen hatten Chemnitz in den vergangenen Jahren schon mehrfach in Verruf gebracht. So sorgte im Frühjahr 2019 eine im Stadion veranstaltete Trauerzeremonie für den verstorbenen Gründer einer extrem rechten Fangruppierung "Hooligans - Nazis - Rassisten" für allerlei Negativschlagzeilen. Auch die international Aufsehen und Besorgnis erregenden Ausschreitungen nach dem tödlichen Messerangriff am Rande des Stadtfestes 2018 gingen maßgeblich auf die Mobilisierung einer Fangruppe des Chemniter FC zurück, die der sächsische Verfassungsschutz in der rechtsextremen Szene verortet.

Der erneute Vorfall dürfte die vereinsinterne Debatte um die künftige Ausrichtung des für den sportlichen Erfolg dringend auf zusätzliche Sponsoren angewiesenen Klubs weiter befeuern. Gemeinsam mit den Mitgliedern und Fans, aber auch mit der Stadtgesellschaft insgesamt will sich der Verein daher in den kommenden Monaten ein Leitbild erarbeiten - als eine Art verbindlicher Wertekompass für die künftige Arbeit. Dafür sind für den 5. und 10. Juli bereits zwei für jedermann offene Online-Veranstaltungen angesetzt. Im besten Fall, so Sprecher Wunderlich, könne das Leitbild noch in diesem Jahr verabschiedet werden.

Der Verein scheint entschlossen, den in den eigenen Reihen keineswegs unumstrittenen Weg weiterzugehen. Seine Auftritte im Netz sind seit dem gestrigen Sonntag mit einem neuen Bild des heimischen Stadions und einer Botschaft versehen. "Über 15.000 Plätze. Aber keiner für Nazis!"

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