In der Chemnitzer Region beginnt die Wirtschaft zu schwächeln

In Südwestsachsen geht eine lange wirtschaftliche Boomphase zu Ende. Vor allem die Industrie leidet. Andere Branchen können bisher nicht klagen.

Chemnitz .

Die konjunkturelle Lage im Kammerbezirk Chemnitz hat sich deutlich abgekühlt. Nachlassende Auftragsorder und rückläufige Exporterwartungen treffen vor allem die Industrie in Südwestsachsen hart. So schätzen die Industriebetriebe ihre Geschäftslage und ihre Erwartungen so schlecht ein wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das geht aus der gemeinsamen Umfrage zur Herbstkonjunktur der Handwerkskammer Chemnitz (HWK) und der Chemnitzer Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor. Dabei wurden rund 1500 Unternehmen mit etwa 40.000 Beschäftigten nach der wirtschaftlichen Lage befragt.

Die Einschätzung der Unternehmen hat einen realen Hintergrund. Nach Auskunft von Dieter Pfortner, Präsident der Chemnitzer IHK, sind die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe von Januar bis August 2019 insgesamt um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Auslandsumsatz ging sogar um 10,5 Prozent zurück, ein Tribut an die Handelskonflikte und den bevorstehenden Brexit. Einen besonderen Einbruch erlebten die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Dort gingen die Umsätze um 11,1 Prozent zurück. "In der Industrie setzt sich der Abschwung fort. Es wird ernst", sagte Pfortner. Das Klima in den Industriebranchen werde rauer.

Dagegen profitieren die Bauindustrie und das Handwerk immer noch stark von der stabilen Binnennachfrage. Die Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage über fast alle Gruppen hinweg als sehr gut und sogar besser als im Vorjahr. Allerdings haben sich die Erwartungen an das künftige Geschäft etwas abgeschwächt.
Aufgrund der prekären konjunkturellen Lage forderten die Vertreter von HWK und IHK am Dienstag Entlastungen für die Unternehmen. "Die Wirtschaft lässt sich nicht ewig wie eine Zitrone auspressen", sagte HWK-Präsident Frank Wagner. Er beklagte die hohen Kosten für Energie, Steuern und Bürokratie. Pfortner meinte, er habe das Gefühl, dass politisch so gut wie gar nichts passiert. "Wenn das so weitergeht, werden die Unternehmer zornig", sagte der IHK-Präsident. Der Abschwung müsste in dieser Heftigkeit nicht sein, wenn rechtzeitig gegengesteuert würde, meinte Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz: "Das ist ärgerlich, wenn man die Instrumente dazu eigentlich hat."

Nach der Umfrage besteht die Gefahr, dass sich der Konjunkturabschwung verfestigt. So berichten die Industrieunternehmen von deutlichen Abstrichen bei den Investitionsplanungen. Die Personalplanungen der Firmen folgen ebenfalls den pessimistischen Erwartungen.

Die konjunkturelle Lage in der Chemnitzer Region spiegelt sich auch in den Ergebnissen für ganz Sachsen wider. Die sächsische Wirtschaft verliert weiter an Schwung. Der von den drei IHKs in Chemnitz, Dresden und Leipzig errechnete Geschäftsklimaindex, der die Einschätzungen zur aktuellen Lage und zu den Geschäftserwartungen gleichrangig berücksichtigt, fällt von zuletzt 128 Punkten im Frühjahr auf jetzt 118 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Herbst 2014.

Etwas Hoffnung machte der ebenfalls am Dienstag veröffentliche Geschäftsklimaindex Ostdeutschland des Ifo-Instituts in Dresden. Er stieg leicht von 100,3 auf 100,6 Punkte, weil die Unternehmer ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate deutlich anhoben.

8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Zeitungss
    01.11.2019

    @ViS: Schöne und treffende Worte, die Deutschen ticken nun einmal anders als es gwünscht wird und genau das hat Ursachen, wo NACHDENKEN angebracht wäre. Einiges würde sich von selbst erklären.

  • 4
    0
    VaterinSorge
    01.11.2019

    Meine Beobachtungen sind anders:
    Die allg. sächs. Arbeitslosigkeit ist im Oktober weiter gesunken (5,1%) und nähert sich weiter dem Bundesdurchschnitt (4,5%). Die Leute konsumieren was das Zeug hält, die Einkaufszentren sind voll, auf große Autos, egal ob Diesel oder Benzin mit mehr als 200 PS gibt es lange Wartezeiten, die Restaurants sind brechend voll, man muss schon in Gartenlokalen einen Tisch bestellen und Städtereisen, Kreuzfahrten, Kurzurlaube in tropische Regionen sind gefragt wie nie. Das verabschiedete Klimapaket zur Heizgeräteumstellung hat bewirkt, dass zwei Drittel der bestellten Heizungsanlagen storniert statt installiert werden. Der Verbraucher tickt eben anders als, als IHK, HWK, Industrie und Management errechnen. Sicherlich werden alle Automobilhersteller ihre Produktion in Deutschland auf Elektromobile umstellen, dafür an anderer Stelle wie Nahe Bratislava, USA und China gewaltige Werke bauen, wo nach wie vor Verbrenner produziert und verkauft werden. Bosch hat schon vor 20 Jahren in China, Brasilien, Mexico, USA, Tschechien uvm. Produktionsstandorte errichtet, die 1 :1 die gleichen Prozesse und Produkte wie in Stuttgart- Feuerbach abbilden. Das heißt, die Zulieferer ziehen einfach mit. Und was bedeutet das nun für die Region Sachsen? Klar, kleinere Brötchen backen, das regionale Handwerk und Dienstleister stärken, nicht so viel Geld ins Ausland schleppen, sondern bewusst und gern für regionale Produkte, hiesigen Einzelhandel und Dienstleistungen ausgeben. Sich für die Jugend interessieren und Perspektiven schaffen, duale Ausbildung und duale Stipendien unterstützen, Fach- und Führungskräfte mit Bleibeperspektiven bei unseren Kindern suchen. Wir haben in unserer Region so viele Vorteile und nutzen zu wenig, dabei wäre es jetzt der richtige Zeitpunkt zusammen zu rücken und was aus unserem Land mit seinen vielen fleißigen Menschen zu machen, statt über geringeren Export, zu hohe Energiekosten oder den unverschämten Finanzbedarf des Staates zu debattieren. Wir wissen doch alle, dass das nichts bringt, sondern nur von der Arbeit abhält.

  • 4
    1
    Zeitungss
    30.10.2019

    Wenn diese Gegend nur noch AUTO kann, ist es eben so. Über Monokulturen habe ich in meiner Schulzeit schon etwas über deren Auswirkungen gelernt und das ist schon eine Weile her.

  • 1
    2
    Interessierte
    30.10.2019

    Da war die nach 1990 untergegangen und hat sich wieder aufgerappelt und nun geht es wieder los , das sie schwächelt - oder ?

  • 2
    2
    SimpleMan
    30.10.2019

    @2PLUTO6 Wir können aber nicht immer mehr herstellen, immer mehr verkaufen usw. Irgendwann ist der Bedarf gedeckt. Wenn gleichzeitig die Menschen immer älter werden, dann können nicht immer weniger die Versorgung der älteren erarbeiten. Also müssen Lösungen gesucht werden, so viel wie möglich Menschen in Arbeit zu bringen. Da können Dienstleistungen eine Möglichkeit sein (Bsp. Altenpflege usw.). Sie können natürlich auch versuchen den Technologie- und Strukturwandel zu ignorieren und versuchen alles so weiter zu machen, wie in den letzten 50 Jahren. Nur, das wird nicht gelingen. Schauen Sie sich die ehemaligen Autostädte in den USA an.

  • 4
    3
    2PLUTO6
    30.10.2019

    @SimpleMan, und wer soll die Dienstleister bezahlen, wenn die Altersarmut immer größer wird und die Ersparnisse aufgefressen werden, schon mal nachgedacht???

  • 4
    4
    SimpleMan
    30.10.2019

    @2PLUTO6 " ... Wir werden eines Tages alle nur noch Konsumenten sein ..." Die Idee ist so abwegig nicht, denn durch die Automatisierung werden immer weniger Arbeitskräfte gebraucht. Eine Stärkung des Dienstleistungssektors könnte einen Teil dieser Arbeitskräfte auffangen. Hier gibt es in Deutschland noch großes Entwicklungspotenzial, wohingegen die Nachfrage nach Autos weltweit einbricht und das hat relativ wenig mit dem Dieselantrieb zu tun, sondern eher damit, dass das Auto als Mobilitätsmittel in den entwickelten Industriestaaten an seine Grenze stößt.

  • 7
    3
    2PLUTO6
    30.10.2019

    Die Wirtschaft schwächelt schon seit langem, nicht erst seit jetzt. Es wollte nur keinem so richtig auffallen oder es sollte vor den Wahlen nicht öffentlich darüber diskutiert werden! Viele hausgemachte Probleme, beginnend mit dem Dieselskandal, die Diskrepanz wischen Mindestlohn und Stundenverrechnungssatz die alles verteuert, die Auslagerung der Arbeit in Billig-EU-Länder, Krankenkassenbeiträge, sämtliche Nebenkosten werden ständig teurer, die Energiedebatte, ständige Steuererhöhungen oder Einführung neuer Steuern u.s.w., u.s.w!
    Der Staat wirft das Geld mit beiden Händen täglich zu Fenster raus, siehe fehlgeschlagene Maut.
    Wir werden eines Tages alle nur noch Konsumenten sein, fragt sich nur wer dann das Alles bezahlen soll, wenn kaum noch produktive Arbeit da ist!!!



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