Mord in Ebersdorf: Opfer als mögliche Komplizin verhaftet

Nicht nur in Krimis, sondern auch im richtigen Leben gibt es überraschende Wenden. Im Ebersdorfer Mordfall wird aus der überfallenen Ehefrau offenbar eine Mittäterin.

Chemnitz. Sieben Wochen lang wurde eine zweifache Mutter aus Chemnitz für das Opfer eines grausigen Verbrechens gehalten: Ein Mann hatte vor ihren Augen dem 58 Jahre alten Ehemann mit einer Machete die Kehle durchschnitten und auch die Frau schwer verletzt. Am Donnerstag nun die überraschende Wende: Die Ehefrau, eine gebürtige Kenianerin, wurde von Beamten der Mordkommission festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt - im Rollstuhl sitzend mit bandagierten Beinen, da ihr bei der Tat beide Achillessehnen zerschnitten wurden. Der Richter erließ gegen die 32-Jährige Haftbefehl: wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem Ehemann. "Wir gehen davon aus, dass die Frau als Mittäterin beteiligt war", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Im Zuge der Ermittlungen habe sich herausgestellt, dass es keinen Überfall durch drei maskierte Unbekannte in dem Reihenhaus im Stadtteil Ebersdorf gegeben habe, teilte die Chemnitzer Polizei mit. So war das Geschehen vom Abend des 13. September bislang von der Ehefrau geschildert worden.

Eine reichliche Woche nach der Tat nahm die Polizei einen 38 Jahre alten Mann fest, der zum Bekanntenkreis der Familie gehörte und der mit der Frau liiert war. Nun nannte ihn die Polizei "Freund der Ehefrau". Schon davor hatten sich Gerüchte verbreitet, dass die Frau etwas mit der Bluttat zu tun haben könnte - auch weil sie mehrfach mit einem jüngeren Mann gesehen wurde. Nach dessen Verhaftung suchte die Polizei die Zschopau im Niederwiesaer Ortsteil Braunsdorf nach der Tatwaffe ab, die schließlich von Tauchern gefunden wurde: eine etwa 70 Zentimeter lange Machete.

Ob ein Geständnis des Mannes die Ermittler auf die neue Spur gebracht hat, wollte die Polizei nicht preisgeben. Offen blieb auch die Frage, warum die Frau von ihrem mutmaßlichen Komplizen dann derart schwer verletzt wurde, dass sie noch immer nicht laufen kann. Lief an dem Abend nicht alles nach Plan? Wollte die gebürtige Afrikanerin den Täter in letzter Minute doch noch aufhalten, sodass er auch sie schließlich angriff? Die beiden kleinen Kinder der Frau nahmen die Behörden in Obhut. Vater des älteren Kindes soll der mutmaßliche Mörder sein.

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