Proteste gegen neue Bergbauprojekte in Mittelsachsen

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Aufgrund steigender Rohstoffpreise bleibt der Abbau von Kies, Granulit und Sand attraktiv. Nicht nur Anwohner ärgert das.

Burgstädt.

Das Oberbergamt Freiberg weist für die Region rund um Burgstädt mehr als zehn Steinbrüche aus. Im Boden lagern Kiese, Sande und verschiedene Bodenschätze wie Granit und Granulit. Seit Jahren protestieren Anwohner gegen neue Tagebaue. Aber auch Naturschützer machen sich stark gegen einen Raubbau der Natur. Die steigenden Rohstoffpreise führen zur Suche nach seltenen Bodenschätzen, heißt es in einem Bericht des Naturschutzbundes (Nabu). Im Granulit lägen Nickellaterite vor. Deren Aufbereitung sei problematisch, da Schwefelsäure zum Einsatz kommen könne. Ein Überblick:

Burgstädt: Der Abbau von Kies und Sand in der Grube Kieferberg ist 1991 bewilligt worden. Das Landratsamt Mittelsachsen hat jetzt aber das Naturschutzgebiet "Um die Rochsburg" um Teile von Burgstädt erweitert. Damit ist dort der Abbau von Bodenschätzen verboten. Da jedoch eine bergrechtliche Bewilligung besteht, könnte der Abbau trotzdem möglich sein. "Das beurteilen wir zurzeit in einem Planfeststellungsverfahren", sagt Bernhard Cramer, Chef des Oberbergamtes.

Mühlau: Der Abbau von Granulit am Windberg war bis 2020 bewilligt. Es gibt einen Rahmenbetriebsplan seit 2001. Aufgrund eines Widerspruchs sowie Grundabtretungsverfahren dürfen die Arbeiten vorerst nicht durchgeführt werden. Zudem gibt es eine Bürgerinitiative, die sich gegen den Abbau stark macht.

Lichtenau: Für die Kiessandgrube in Ottendorf wurde 2007 ein Rahmenbetriebsplan zugelassen. Aufgrund mangelnden Interesses an einer Gewinnung wurde der Plan 2012 widerrufen. Die Lagerstätte wurde vom Bergbau noch nicht berührt. Außerdem gibt es ein Restloch in Ottendorf.

Claußnitz: Die meisten Steinbrüche in der Region liegen in der Gemeinde Claußnitz. Im Granulitbruch Diethensdorf wird nur abgebaut, wenn konkreter Bedarf besteht. Das ist beim Bau der A 72 der Fall gewesen. Die Bergbauberechtigung basiert auf alten Gewinnungsrechten und teilweise auf einer befristeten Bewilligung. Aber: Die aktuellen Betriebspläne sind bis Ende 2021 befristet. "Derzeit laufen die Zulassungsverfahren für die Verlängerung und Abänderung/Ergänzung des Rahmenbetriebsplans und für einen neuen Hauptbetriebsplan", so Cramer. Im Granitbruch Markersdorf baut das Schotter- und Splittwerk Altenhain Granit ab. Das Unternehmen stellt daraus Brechsand, Schotter und Mineralgemische für den Straßenbau her. Ein Plan ist bis 2024 befristet.

Königshain-Altmittweida und Claußnitz: Eine weitere Fläche in Claußnitz gehört den Sandwerken Biesern bei Penig. Für den Gesamtkomplex Kiessandtagebau Königshain-Altmittweida-Claußnitz läuft seit 2001 beim Oberbergamt ein Planfeststellungsverfahren. Dort könnten Kiese und Sande abgebaut werden. Die Firma Heidelberger Sand und Kies möchte das rund 149Hektar große Feld Altmittweida schrittweise für etwa 30 Jahre erschließen. Geplant ist eine Fördermenge von rund 300.000 Tonnen pro Jahr. Gegen die Pläne gibt es Protest, den die Kritiker mehrfach öffentlich bei Zusammenkünften und mittels Plakataktionen geäußert haben. Dazu wurde ein Verein mit etwa 50 Mitgliedern gegründet. Die Betroffenen befürchten Lärm und Staub durch den Abbau und Transport sowie ein Absenken des Grundwasserspiegels.

Für die Kiessandgrube Röllingshain liegt eine baurechtliche Genehmigung zur Rückverfüllung vor, heißt es aus dem Landratsamt. Am Standort wird ferner eine Recyclinganlage betrieben.

Im Raum Claußnitz-Markersdorf gibt es eine Vielzahl kleiner Steinbruch-Restlöcher. Am bekanntesten ist der sogenannte Henschelbruch an der B 107. Das Gelände wird im Sommer gern von Badefreunden aufgesucht, obwohl es der Eigentümer verboten hat.

Hartmannsdorf: Die Mineral-Baustoff-Gesellschaft baut im Granulitbruch Hartmannsdorf-Kreuzeiche aufgrund alter Gewinnungsrechte Festgesteine ab, die im Tiefbau verwendet werden. Der Steinbruch wurde schon zu DDR-Zeiten betrieben. Ein Rahmenbetriebsplan ist bis 2065 befristet. Granulit wird zu Asphalt- und Betonmischwerken geliefert. Der Rohstoff wird zu Asphalt und Beton verarbeitet, der vor allem im Straßenbau eingesetzt wird. In Hartmannsdorf gibt es noch ein Restloch, der ehemalige Ratssteinbruch an der B 95.

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