Schnaps-Importeur verhöhnt Chemnitz

Der deutsche Importeur eines italienischen Kräuterbranntweins nimmt in seiner Werbekampagne die Stadt Chemnitz aufs Korn. Auf dem Motiv des Banners ist eine Flasche des Destillats abgebildet, während nebenan zu lesen ist: "Endlich wirst du befördert. Und versetzt nach Chemnitz." Die Botschaft endet mit der Aussage "Life is bitter" (das Leben ist bitter). Das Motiv wurde bisher im Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, versehen mit der Zusatzaussage: "Bock auf superschöne Fabrikgebäude?" Warum der Importeur mit Sitz in Hamburg oder die beauftragte Werbeagentur das Leben in Chemnitz als so bitter empfinden, teilte das Unternehmen auf Nachfrage der "Freien Presse" bisher nicht mit.

Chemnitz ist aber nicht die einzige deutsche Kommune, die in den Werbebotschaften der Brennerei auftaucht. Ähnlich ergeht es zum Beispiel auch dem schleswig-holsteinischen Pinneberg, dem nordrhein-westfälischen Duisburg und dem hessischen Offenbach. In einer Antwort auf eine Anfrage des Internetportals "Der Westen" teilt der Branntwein-Importeur mit, man habe sich bewusst für Städte entschieden, "die allgemein gängigen Klischees zufolge weniger lebenswert erscheinen als andere Städte in der entsprechenden Region". Man wolle damit die Bitterkeit zelebrieren und zugleich an die Fähigkeit appellieren, "auch einmal über sich selbst schmunzeln zu können". In Duisburg hat das Werbemotiv bereits zu einer regen Debatte in den sozialen Netzwerken geführt. Viele Nutzer kritisieren das Unternehmen dafür, den schlechten Ruf der Stadt weiter zu verstärken.

Anmerkung: Die "Freie Presse"-Redaktion hat sich bewusst dafür entschieden, auf die Nennung des Markennamens des Schnapses zu verzichten. (su)

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9Kommentare
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  • 2
    0
    TheBeastFromTheEast
    11.10.2016

    Naja, blacksheep, "Willkommen bei den Shti´s" sollte eigentlich jeder mal gesehen haben - wo das Leben ansonsten doch so bitter sein kann *lach* ....

  • 1
    2
    Interessierte
    08.10.2016

    "Endlich wirst du befördert. Und versetzt nach Chemnitz." - "Life is bitter"

    ( ich glaube , das hat schon viele betroffen ....

  • 1
    0
    BlackSheep
    07.10.2016

    Alle die sich deswegen Ärgern sollten sich "Willkommen bei den Schti`s" anschauen, hilft das Thema gelassner zu sehen.

  • 6
    0
    Klemmi
    07.10.2016

    Nach "Captain Chemnitz" und ähnlichem Quark sollte Chemnitz gelassener damit umgehen und sich derartige Publicity zum Nutzen machen. Z.B. "Ist dir das Gesöff zu bitter, dann lass die Beförderung sausen"...oder so. Das schlechte Image eilt Chemnitz auch ohne dieser Werbung voraus, deshalb sollte man sich daraufhin konzentrieren die Stadt attraktiver zu machen und Besucher der Stadt eines Besseren belehren und sich nicht wegen Kräuterschnapswerbung in die Schmollecke stellen.

  • 4
    2
    TheBeastFromTheEast
    06.10.2016

    Och, Kinners, geht´s noch ? Glaubt denn irgendwer, daß sich am Chemnitzer Image durch eine Kampagne für ´nen Kräuter tatsächlich verschlechtert ? Falls ja: Wenn Chemnitz am Image was ändern möchte - ändert was an Chemnitz. Denn "Image" heißt "Abbild" - "Weihwasser" wird sich als Party-Droge eher schlecht verkaufen ........

  • 2
    0
    hkremss
    06.10.2016

    Auch schlechte Publicity ist Publicity. :-)

  • 11
    1
    ts09112
    06.10.2016

    Abgesehen davon, das Fernet Branca nicht gerade mein Geschmack ist, aber Chemnitz sollte sich nicht in die Schmollecke zurückziehen, sondern entsprechend mit einem EIGENEN Kräuter reagieren. Die "Chemnitzer Wurzeln" wären doch schon mal ein Anfang, oder?

  • 10
    5
    gelöschter Nutzer
    06.10.2016

    So ähnlich hatte ich das auch schon geschrieben, allerdings etwas deftiger. Wie man sieht, sieht man nichts. Das mit der Provinz war dann wohl ein Volltreffer - sowohl bei der Stadt als auch beim heimischen Presseorgan.

  • 10
    8
    Blackadder
    06.10.2016

    Städte wie Bielefeld schaffen es doch auch, die Witze, die man über sie macht, aufzunehmen und selbst satirisch zu nutzen. Nur in Sachsen wird geschmollt und zum Lachen in den Keller gegangen.



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