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Planet Erde zuerst! Bild: J. Woroniecki via unsplash
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Wesentlichkeitsanalyse in der Unternehmensstrategie: Nachhaltigkeit auf den Prüfstand gestellt

Ein ganzer Korb von Nachhaltigkeitsvorschriften und Berichterstattungspflichten führt bei Unternehmen innerhalb der EU zusehends zum Umdenken: Nicht nur aus schierem Eigeninteresse, sondern auch allein aufgrund von regulatorischen Auflagen. Teil dieser ist für ein Gros der Unternehmen seit dem Jahr 2024 auch die Wesentlichkeitsanalyse - die Nachhaltigkeitsaspekte anhand von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten auf den Prüfstand stellt.

Definition und Auslegung der Wesentlichkeitsanalyse

Alternativ als "Materialitätsanalyse" bezeichnet, ist über eine Wesentlichkeitsanalyse eine detaillierte Betrachtung von Nachhaltigkeitsthemen möglich: Die werden im Zuge der Analyse zunächst identifiziert, anschließend bewertet und perspektivisch deren Weiter-Entwicklung innerhalb des Unternehmens verfolgt.

Die Rahmenbedingungen hierfür schaffen zwei EU-Vorgaben: Einerseits die Corporate Sustainability Reporting Directive (kurz: CSRD), andererseits die European Sustainability Reporting Standards (kurz: ESRS). Letztere stellen die Einheitlich- und Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichte sicher, während jene wiederum durch die CSRD verpflichtend sind. Teil des Mantels aus Abkürzungen ist damit auch "ESG" - was kurz für Environmental (Umwelt), Social (Gesellschaft) und Governance (Unternehmensführung) steht. Die ESG-Kriterien agieren wiederum als inhaltliche Säulen und sind zwangsläufig Teil der späteren Berichterstattung.

Um diese auf kohärente und transparente Weise abzubilden, ist die Wesentlichkeitsanalyse für viele Unternehmen mittlerweile in einer doppelten Ausführung verpflichtend.

Bedeutung und Wichtigkeit der Wesentlichkeitsanalyse für Unternehmen

Wichtig ist die Wesentlichkeitsanalyse allein aufgrund geltender gesetzlicher Vorgaben. Sie kann und sollte, korrekt durchgeführt, Unternehmen aber auch wirtschaftliche und ökologische Mehrwerte liefern. Da sie Nachhaltigkeitsaspekte identifiziert, priorisiert und sowohl aus unternehmensinterner als auch externer Sicht auf den Prüfstand stellt, ist sie für verschiedene Unternehmensbereiche und diverse Stakeholder von essenzieller Bedeutung.

So ermöglicht die Wesentlichkeitsanalyse eine klare Ausrichtung der schon gelebten und perspektivischen Nachhaltigkeitsstrategie, sorgt für eine effiziente und möglichst umweltverträgliche Nutzung von Ressourcen und minimiert zugleich operative Risiken. Praktisch kann aus der Wesentlichkeitsanalyse im weiteren Verlauf zudem ein Wettbewerbsvorteil für das ausführende Unternehmen entstehen: Denn Nachhaltigkeit wird heute gesellschaftlich nicht mehr zwangsläufig als ein leidiges "Muss-Thema", sondern viel mehr als eine Verantwortung begriffen, der privatwirtschaftliche Unternehmen gerecht werden sollten.

Wesentlichkeitsanalyse ist echte Teamarbeit. Bildquelle: Getty Images via ubnsplash

Die belegbare und transparent gelebte Nachhaltigkeit könnte Unternehmen so weitere Marktanteile verschaffen, operative Margen steigern oder schlicht im Fachkräfte-Recruiting hilfreich sein. In der Kapitalbeschaffung hat Nachhaltigkeit ebenfalls Vorteile: Weil sich mehr und mehr Kapitalgeber, auch solche im europäischen Ausland, selbst einer nachhaltigen Ausrichtung mit ebenso nachhaltigen Investitionen verschrieben haben.

Die praktische Umsetzung in Unternehmen

Die Umsetzung der Wesentlichkeitsanalyse lässt sich in zwei Teile gliedern. Kleine und mittelständische Unternehmen, teilweise ohne ESG-Abgestellten in den eigenen Reihen, können beide Teile potenziell zumindest anfänglich überfordern. Softwaretools von Drittanbietern wie Haufe können Unternehmen insbesondere bei der erst- oder zweitmaligen Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse eine Stütze sein und zugleich für einen geordneten, effizienten und damit wirtschaftlichen Prozess sorgen.

Unabhängig der Zuhilfenahme von derartigen Tools, muss die tatsächliche Umsetzung letztlich aber von den Mitarbeitenden durchgeführt werden. Im ersten Teil werden hierfür die relevanten Stakeholder im Unternehmen gemeinsam mit den jeweiligen Nachhaltigkeitsthemen bestimmt. Anschließend erfolgt eine Bewertung der Auswirkungen dieser einzelnen Themen, jeweils unter Berücksichtigung der Stakeholder. Liegt dieses Grundgerüst erst einmal vor, erfolgt die Priorisierung - also an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um für alle Stakeholder einen möglichst großen und ebenso möglichst positiven Effekt zu erzielen.

Darauf folgt der zweite Teil, der sich mit dem ersten Teil überschneidet: Die Umsetzung und Dokumentation einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse, die mittlerweile nach europäischen Vorgaben verpflichtend geworden ist. Dort werden zwei Perspektiven eingenommen:

Die Inside-Out-Perspektive stellt die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt in den Fokus. Hier wird beurteilt, welche Themen besonders große Auswirkungen auf beide haben und wie sich die tatsächliche Nachhaltigkeit verbessern lässt, auch um beispielsweise Risiken zu minimieren oder die Reputation zu verbessern.

Die Outside-in-Perspektive rückt indes wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund. Bei dieser geht es darum, wie sich Nachhaltigkeitsaspekte finanziell auf das Unternehmen und dessen wirtschaftliche Gesundheit sowie Perspektive auswirken. Haftungsansprüche, Vermögenswerte sowie natürlich Erträge und Kosten stehen hier im Mittelpunkt - und sollen jeweils durch Bemühungen zu mehr Nachhaltigkeit optimiert werden.

Kritik an der Wesentlichkeitsanalyse aus der Wirtschaft

Dass die Wirtschaft weitere Vorgaben und regulatorische Verpflichtungen moniert, ist nicht überraschend. So steht auch die Verpflichtung zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse regelmäßig in der Kritik, unter anderem aufgrund ihrer Komplexität. Speziell kleine und mittelständische Unternehmen ohne ESG-Beauftragten müssen zur Durchführung Mitarbeitende abstellen, deren Kompetenz nicht zwangsläufig in diesem Bereich liegt. Zugleich entwickeln und verändern sich Nachhaltigkeitsaspekte mit rasanter Geschwindigkeit, was konsequent Neu-Überprüfungen und -Bewertungen erforderlich macht - die im Ergebnis zudem durchaus subjektiv sein können. Die tatsächliche Integration von Veränderungen, wie sie sich aus der Wesentlichkeitsanalyse ergeben, stellt Unternehmen ebenfalls vor Herausforderungen - und das nicht nur KMUs, sondern auch Konzerne mit hochkomplexen Strukturen und zahlreichen Kompetenzebenen.

Die Wesentlichkeitsanalyse ist gekommen, um zu bleiben

Die nachhaltige Ausrichtung der Europäischen Union und des Schengenraums wird sich aller Voraussicht nach nicht mehr umkehren: Unternehmen müssen sich folglich damit abfinden, dass regulatorische Vorgaben und transparente Nachhaltigkeitsberichte fortan Teil des Unternehmensalltags sind. Gleichermaßen sollten die aber als Chance begriffen werden - schließlich bewiesen bereits unzählige Unternehmen, dass mehr Nachhaltigkeit auch in einem gesteigerten operativen Erfolg resultieren kann.

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