"Das ist ein absoluter Renner"

Der Freiberger Adventslauf wird auch in diesem Jahr Hunderte Sportler in die Innenstadt ziehen. Das ist vor allem zwei Damen des Hetzdorfer SV zu verdanken.

Freiberg/Hetzdorf.

Bis Weihnachten ist es natürlich noch eine ganze Weile hin, dennoch wirft der Freiberger Adventslauf längst seine Schatten voraus. "Die Organisation steht. Eigentlich könnten wir nächsten Monat schon starten", sagt Susan Vergöhl von den Organisatoren des Hetzdorfer SV und schmunzelt.

Das ist allerdings keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Denn die Traditionsveranstaltung, die in den vergangenen Jahren jeweils um die 1000 Läufer in die Freiberger Innenstadt lockte, stand nicht nur auf der Kippe, sondern schon vor dem Aus. "Im Prinzip war das Ende nach der 27. Auflage beschlossene Sache", sagt Andrea Strahl, die wie Susan Vergöhl in den vergangenen Jahren zum "harten Kern" des Organisationsteams gehörte. Bei der Auswertung Anfang des Jahres habe nicht nur die Familie Leibelt, bei der die meisten Fäden zusammenliefen, ihr Engagement beendet. Auch fast alle anderen Mitstreiter zogen sich zurück, erzählt Susan Vergöhl. "Plötzlich standen wir beide allein da."

Sie seien sich aber einig gewesen, dass die Veranstaltung keineswegs - wie vor einigen Jahren zum Beispiel der Freiberger Stadtmauerlauf - sterben darf. "Der Lauf ist ein absoluter Renner", sagt Andrea Strahl. In den vergangenen Jahren waren jeweils fast 1000 Aktive über 12 und 6Kilometer sowie beim Staffelrennen an den Start gegangen. Dazu kamen etliche Nachwuchsläufer beim Kinder- und Bambini-Lauf.

Allerdings wurde es den beiden HSV-Damen nicht einfach gemacht. "Wir waren jahrelang ein verschworener Haufen. Jetzt wurde auf einmal mit verdeckten Karten gespielt", schüttelt Susan Vergöhl den Kopf. Auch im Verein habe es zunächst eher Gegenwind als Rückendeckung gegeben, als sie ihre Entscheidung verkündeten, die Fäden in die Hand zu nehmen.

Aber so ehrgeizig und zielstrebig, wie die beiden HSV-Läuferinnen zum Beispiel auf ihren ersten Marathon (2018 in Dresden) hingearbeitet hatten, nahmen sie die neue Herausforderung an. Zunächst ging es darum, neue Mitstreiter für das Organisationskomitee zu finden, das jetzt fast wieder zu alter Stärke angewachsen ist. Zudem bekamen die Sportlerinnen viel Rückenwind von anderen - von Läufern, von der Stadt und von Sponsoren, sowohl aktuellen als auch ehemaligen.

Inzwischen haben Susan Vergöhl und Andrea Strahl rund 50 Sponsoren für 28. Auflage des Adventslaufes zusammen. Dabei zählen das Kreiskrankenhaus Freiberg, das Ladycenter und die Firma Labor-Pilz zu den Hauptunterstützern. "Der Etat ist gesichert", freut sich Vergöhl. 6000 Euro sind notwendig, um die Veranstaltung abzusichern. Sogar die Preise für die Besten sind schon da. "Im Prinzip könnte es losgehen", so die 50-Jährige schmunzelnd. Mit Lausitz-Timing habe man eine neue Zeitmessfirma für die 28. Auflage gefunden, gerade werde eine Internetadresse für die Onlinemeldung eingerichtet. Ab August stehe das Anmeldefenster offen. Beide Hauptorganisatorinnen hoffen auf eine Teilnehmerzahl wie zuletzt, als insgesamt knapp 900 Starter gezählt wurden. "Dafür sind wir gerüstet", so Susan Vergöhl und Andrea Strahl.

Beide sind beide seit knapp zehn Jahren Mitglied beim Hetzdorfer SV. "Wir sind über unsere Kinder in den Verein gekommen", sagt Andrea Strahl. Die 42-Jährige ist zweifache Mutter, Susan Vergöhl (50) hat drei Kinder, die alle für den HSV aktiv sind. Längst bestreiten aber auch die Krankenschwester und die Grundschullehrerin Wettkämpfe im Hetzdorfer Trikot. Fünf bis zehn sind es pro Saison, sie haben sich vor allem auf Halbmarathons spezialisiert. Ansonsten kommen bei den zwei, drei Trainingseinheiten wöchentlich rund 30 Kilometer zusammen.

Auch in der Stadt war die Erleichterung groß, dass nicht auch für den nächsten großen Volkssportlauf der Bergstadt das Stoppzeichen kam. "Der Adventslauf ist ein absolutes Event und fest mit dem Christmarkt verknüpft", sagt Constanze Reuter, die Sachgebietsleiterin Sport der Stadtverwaltung Freiberg. "Das wäre ein Riesenverlust gewesen." Der Hetzdorfer SV habe sich bei der Organisation und Ausrichtung seit Jahren ins Zeug gelegt. Den neuen Organisatoren werde nun alle mögliche Unterstützung der Stadt zuteil, versichert Reuter. So seien Ordnungs- und Tiefbauamt, das Amt für Kultur und Stadtmarketing sowie das Gebäude- und Flächenmanagement mit im Boot.

Nicht zuletzt freut sich auch Vereinschef Thilo Matischok, dass Freiberg und der HSV am Vorabend des ersten Advents weiter gemeinsam in die Weihnachtszeit laufen können. "Der Adventslauf ist ein Aushängeschild des Hetzdorfer SV und jedes Jahr unsere größte Veranstaltung", sagt der 59-Jährige, der seit sechs Jahren an der Spitze des 300-köpfigen Vereins steht. "Ein großes Dankeschön, dass die Beiden sich bereit erklärt und die Organisation in die Hände genommen haben."

Freiberger Adventslauf Teilnehmerzahlen - 2011: 890 Starter (+ 88 Bambini); 2012: 612 (+40), 2013 720 (+50), 2014: 939 (+82), 2015: 953 (+60), 2016: 996 (+60), 2017: 980 (+60), 2018: 829 (+60)

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