Liebeserklärung an den Handball

Mittelsachsens Sportler haben in der Vergangenheit national und international für viele Schlagzeilen gesorgt. Grund für eine Serie unter dem Motto: Was macht eigentlich ...? Heute: Günter Ostarek.

Freiberg.

Mit dem Rennrad über die Alpen, mit dem Mountainbike um den Gardasee, auf Skiern in das Stubaital hinab und Schwimmen, wo immer es Wasser gibt. Was sich nach dem Trainingsplan eines Leistungssportlers anhört, ist in Wirklichkeit die Freizeitbeschäftigung von Günter Ostarek. Der frühere Erfolgstrainer der HSG Freiberg ist mittlerweile 73 Jahre alt, aber immer noch sportlich aktiv.

Es habe sich aber einiges getan nach seinem Abschied aus Freiberg, erzählt der ehemalige DDR-Nationalspieler, der von 1974 bis 1987 bei der HSG erst Spieler und dann Cheftrainer war. Handballtrainer sei er aber bis heute", schmunzelt Günter Ostarek, der seit über 30 Jahren im niederbayrischen Simbach wohnt. "Ich habe hier den idealen Platz für mich und die Familie gefunden. Wir wohnen direkt am Inn und haben es nicht weit bis in die Berge", schwärmt der dreifache Vater. Bevor es ihn an die Grenze zu Österreich zog, legte Ostarek 1987 einen Zwischenstopp im Rheinland ein und trainierte dort die Frauen von Bayer 04 Leverkusen in der 1. Bundesliga. Ein Jahr später entschied sich der Diplomsportlehrer, der viele Jahre an der Bergakademie unterrichtete, für eine Umschulung zum Therapeuten und zog nach Simbach. TSV Simbach, Wacker Burghausen, TV Altötting und zuletzt TuS Pfarrkirchen gehörten zu den weiteren Stationen in seiner Trainerlaufbahn.

Die Zeit bei der HSG Wissenschaft blieb dem 73-Jährigen aber stets in Erinnerung. Vor allem die Freundschaft mit Eberhard Matthes, einem erfolgreichen Freiberger Skilangläufer. "Wir Handballer waren damals eng mit den Skisportlern verbunden. Oft habe ich Samstagabend gespielt und bin Sonntagmorgen zum Skiwettkampf", so Ostarek. Ende vorigen Jahres hatte er der Silberstadt wieder einen Besuch abgestattet. "Freiberg ist in den vergangenen Jahren noch einmal schöner geworden", freut sich Ostarek, der vor allem von vielen kleinen Eck-Cafés schwärmt. Der heutige Niederbayer ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, seinen ehemaligen Schützling Stefan Lange zu treffen. Anfang der 1980-er Jahre trainierte der heutige HSG-Geschäftsführer unter Günter Ostareks Fittichen. "Zu ihm habe ich immer aufgeschaut - ein wahrer Handballverrückter, der den Zusammenhalt unserer Mannschaft geprägt hat wie kein Zweiter", sagt Lange. Unter Ostarek gewann die C-Jugend der HSG 1984 bei den DDR-Meisterschaften in Wismar die Bronzemedaille. "Wir waren alle restlos begeistert. Als das Turnier nach vier Tagen vorbei war, hatte ich gar keine Stimme mehr", erinnert sich Ostarek schmunzelnd an seine kurze Zeit als Nachwuchstrainer.

Als überaus glücklicher Moment ist Ostarek auch das letzte Spiel der Saison 1979/80 in Erinnerung geblieben. Die HSG stand kurz vor dem Abstieg aus der DDR-Liga Süd, gegen den SC Magdeburg II musste ein Sieg her. "Wir haben mit 20:15 gewonnen und so den Klassenerhalt gesichert. Das war ein sehr emotionaler Moment, den wir mit 800 Zuschauern dann gebührend gefeiert haben", so der damalige Chefcoach. Die Zeit im jungen Freiberger Team, das viele unterschiedliche Charaktere aufwies, machte großen Spaß. "Wir hatten einen Pianisten in der Truppe. Sobald wir bei einem Turnier im Hotel übernachtet haben und es dort ein Klavier gab, hat er das ganze Hotel unterhalten."

Ein Spiel des aktuellen Teams der HSG Freiberg in der Mitteldeutschen Oberliga hat er bislang nicht gesehen. "Aber ich werde mir die Ansetzungen der kommenden Saison anschauen und definitiv eine Partie besuchen." Und wenn der Altmeister einmal nicht in seiner Rehaklinik oder an der Seitenlinie der Sporthalle steht, bereist er mit seiner Familie gern historische Städte. "Ich kann mich für Geschehnisse aus der Vergangenheit sehr begeistern. Hätte mich der Sport nicht so gepackt, wäre ich sicher Geschichtslehrer geworden." Die Geschichte von Günter Ostarek als Cheftrainer ist aber noch nicht zu Ende erzählt. Auch in der neuen Saison wird er seiner Leidenschaft weiter nachgehen. "Der Handball war Teil meines Lebens und wird es auch bleiben. Durch den Sport habe ich viele tolle Kontakte knüpfen können." Die soziale Komponente durch den Sport, der Zusammenhalt in der Familie und der Traumberuf als Existenzsicherung - diese drei Säulen zählen für Günter Ostarek über all die Jahre. Daher lautet sein Motto aus La Vida Bella - das schöne Leben: "Auch wenn es schlecht ist, ist es gut."

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