Ein Dorf zwischen Ruhe und Redebedarf

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Für ein millionenschweres Prestigeprojekt fließen vorerst keine Fördermittel, kommt der Zeitplan durcheinander. Im öffentlichen Teil der letzten Sitzungen des Gemeinderates wird dazu kein Wort verloren. Gibt es ein Umdenken?

Dennheritz.

Die Schaffung eines Dorfzentrums an der Meeraner Straße ist mit Abstand das größte Investitionsvorhaben, welches Dennheritz seit der Wiedervereinigung in Angriff nehmen will. Rund 3,5 Millionen Euro sollen in den ehemaligen Technikstützpunkt gesteckt werden. Damit könnten unter anderem ein 50 mal 20 Meter großer Festplatz und ein Mehrzweckraum, in dem Platz für rund 100 Besucher ist, entstehen. Der Zeitplan für die Umsetzung des ehrgeizigen Projektes ist mittlerweile durcheinandergekommen. Der Grund: Aus dem Förderprogramm "Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum" gibt es bislang keine Zuschüsse.

Obwohl entsprechende Informationen seit Ende Juli vorliegen, war im öffentlichen Teil der beiden letzten Gemeinderatssitzungen kein einziges Wort zu den Auswirkungen zu hören. Bürgermeister Frank Taubert (Freie Wähler) sprach das Thema nicht an, aus den Reihen der Kommunalpolitiker gab es keine einzige Frage. "Wir müssen Ruhe bewahren", begründet Frank Taubert im Gespräch mit der "Freien Presse" sein Schweigen zu dem Thema. Er habe die Gemeinderäte in einer nicht-öffentlichen Sitzung informiert und die Fragen der Medien zum Thema beantwortet.

Aber gibt es - wie bereits beschrieben - beim größten Investitionsvorhaben einer ganzen Generation im Ort nicht mehr Diskussionsbedarf? Die 1300-Einwohner-Gemeinde ist beim Versuch, Fördertöpfe für das Dorfzentrum-Projekt anzuzapfen, schon zum dritten Mal gescheitert. Das wirkt sich sicher auf den Zeitplan und - mit Blick auf die Entwicklung der Baupreise - vielleicht sogar auch auf die Gesamtkosten aus. Die Einschätzung, ob sich der durchweg mit Vertretern der Freien Wähler besetzte Gemeinderat damit beschäftigen muss oder nicht, gehen innerhalb des Gremiums weit auseinander.

"Wir halten am Projekt fest, brauchen momentan einfach Geduld", sagt Gemeinderat Siegfried Goldberg (Freie Wähler), der auch stellvertretender Bürgermeister ist. Er sieht sich umfassend und gut informiert. Eine Vermutung, weshalb sich Taubert mit Aussagen zurückhält, schiebt Goldberg nach: "Er war wie wir alle stocksauer über die Ablehnung des Fördermittelantrages, entsprechend aufgebraust." Gemeinderat Florian Kauffmann (Freie Wähler), der bei den im Sommer 2019 durchgeführten Kommunalwahlen am meisten Stimmen erhielt, sieht dagegen Gesprächsbedarf. Er kann mit Blick auf die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnhäusern befindlichen jetzigen Festplätze den Bedarf an einem neuen Dorfzentrum erkennen. "Aber nicht um jeden Preis", sagt Kauffmann in Bezug auf den Finanzbedarf. Er macht deutlich, dass nach der erneuten Ablehnung des Fördermittelantrages über Alternativen nachgedacht werden soll. Eine Variante sei, eine Reduzierung des Projektes oder eine etappenweise Umsetzung mit dem Bauhof. "Wir müssen entscheiden, wie lange wir bei dem Spiel noch mitmachen." Gemeinderat Matthias Trenkel (Freie Wähler) hält es für sinnvoll, die Debatte nicht nur innerhalb des Rates zu führen. Er schlägt eine Bürgerbeteiligung vor, wirbt für die Einbeziehung der Vereine.

Dennheritz ist mit seinen Anträgen aus unterschiedlichen Gründen durchgefallen. 2019 und 2020 befanden sich noch nicht alle Grundstücke, auf denen das Dorfzentrum entstehen soll, im Eigentum der Kommune. 2021, als erstmals ein Punktesystem zur Anwendung kam, schaffte es das Dorfzentrum-Projekt nicht auf die Prioritätenliste. Mit dem Widerspruch, den Frank Taubert einreichte, befasst sich weder der Freistaat noch der Landkreis Zwickau. Der Grund: Die Prioritätenliste legten die hiesigen Leader-Regionen fest. Mit dem Ergebnis ist selbst Stefan Czarnecki, Vorsitzender des Vereins "Zukunftsregion Zwickau" nicht besonders glücklich. "Der Ärger aus Dennheritz ist nachvollziehbar. Die Hoffnung, die gemacht wurde, hat sich nicht erfüllt", sagt Czarnecki nach einem Gespräch mit Vertretern aus Dennheritz. Er macht deutlich, dass aufgrund des diesmal veränderten Antragsverfahrens die Zeit für Abstimmungen gefehlt habe. Darauf setzt der Vereinschef künftig: "Um die Kommunen, die Geld haben wollen, auch an den Fair-Play-Gedanken zu erinnern."

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