Dank Oberlungwitzer Firma: Wie ein Berliner U-Bahnhof himmlisch wurde

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Die Handwerker vom Malerbetrieb Müller haben an der Museumsinsel in der Hauptstadt für Furore gesorgt.

Oberlungwitz.

Um ein faszinierendes Himmelszelt zu sehen, muss man abtauchen, tief in den Untergrund hinein. So erleben es zumindest die Berliner und die Besucher der Hauptstadt jetzt zu jeder Tag- und Nachtzeit. Denn unter ihrer berühmten Museumsinsel sehen sie neuerdings ein Himmelszelt. Und dafür haben Handwerker aus Oberlungwitz gesorgt.

Jan Müller erinnert sich noch ganz genau. "Es war ein Auftrag, bei dem wir eine ganz besondere Farbe nutzen konnten." Nämlich eine aus der Schweizer Farbmanufaktur kt.color. "Die Farben funkeln wie Neuschnee und leuchten wie Mondschein", beschreibt Dr. Katrin Trautwein, Chefin der Manufaktur, ihre Produkte. "Exklusive Pigmente zeichnen die Farben aus", sagt sie. Diese Pigmente werden aus der Natur gewonnen. Sie fügen sich nach Angaben der Firma aus mehr als 120 Pigmenten zusammen und sorgen so für entsprechende Farbtiefe.

Jan Müller und sein Team griffen für ihren besonderen Auftrag zu einem tiefblauen Ultramarinton aus der Produktion. Und schufen so eine außergewöhnliche U-Bahnstation in der Hauptstadt Deutschlands. Die Rede ist vom Untergrund-Bahnhof unter der Berliner Museumsinsel.

Für die Gestaltung sei das Büro von Professor Max Dudler verantwortlich, heißt es aus den Berliner Verkehrsbetrieben BVG. "Um den Bezug zu den vom preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel gebauten Gebäuden der Umgebung herzustellen, ließ sich Professor Dudler von einem Bühnenbild Schinkels inspirieren", so die BVG weiter.

Und deshalb mutet nun die gewölbte Bahnhofsdecke in dunkelblau mit genau 6662 Lichtpunkten wie ein Sternenhimmel an. Aufgetragen von den Müllers aus Oberlungwitz. "An einem solch außergewöhnlichen Bauprojekt teilhaben zu dürfen, war für uns etwas Besonderes", erinnert sich Jan Müller. Bescheiden, zurückgenommen, leise sagt er das. Dabei haben er und sein insgesamt 15-köpfiges Team auch schon mit anderen Aufträgen auf sich aufmerksam gemacht. Einem Wohnblock mit Stadtwerke-Logo in Oberlungwitz verpassten sie einen neuen Anstrich. Im italienischen Restaurant "Rossini" in der bayerischen Gemeinde Schwandorf platzierten sie Tapeten in Aussparungen unter der Decke. Im Chemnitzer Hotel und Restaurant "Alexxanders" tapezierten und bearbeiteten sie die Wände so, dass kein Stuhl beim Verrücken Streifen an der Wand hinterlassen kann. Und in einem uralten Gut in Niederfrohna dämmten sie die Wände so ab, dass es im historischen Gemäuer sommers kühl und winters mollig warm bleibt.

An sich selbst konnten sie nun endlich auch einmal denken. Für das im Juni 1966 gegründete Unternehmen gab es jetzt eine neue Firmenhalle. Architektendesignt, mit viel Platz für die Präsentation außergewöhnlicher Farbmuster. "Zudem können wir unseren Mitarbeitern nun auch ansprechende Räumlichkeiten für Pausenzeiten anbieten und Umkleiden", erklärt Jan Müller und ergänzt: "Ein gutes Arbeitsumfeld ist eine wichtige Investition in die Zukunft."

Den Fachkräftemangel am Markt kennen auch die Müllers. "Allerdings muss man sagen, dass wir offenbar einen guten Ruf genießen. Denn an Bewerbern um Lehrstellen beispielsweise mangelte es uns bisher nicht", so Malermeister Markus Müller, der gemeinsam mit seinem Großvater Reinhard Müller, mit seinem Vater Jan und seinem Bruder Jonas, der Baubetriebsmanagement studiert hat, das familieneigene Unternehmen führt. Der Weg zur eigenen Firmenhalle war steinig. Letztlich musste eine Investition von 1,2Millionen Euro her, um die Halle auf dem Grund einer einstigen Färberei den Ansprüchen der Umweltämter gerecht zu bauen. "Da haben die Mühlen der Verwaltung teils recht lahm gemahlen", sagt Jan Müller und lächelt inzwischen über die schwierigen Zeiten.

Die Umwelt zu schonen, das liegt dem Handwerksmeister auch ohne Amtszwang am Herzen. Denn rund um die neue Halle haben sich die Müllers ein richtiges Natur-pur-Paradies geschaffen. Mit Streuobstwiesen und einer eigenen Bienenzucht. "Also mal ehrlich, ein lackierter Apfel schmeckt doch überhaupt nicht", sagt der Malermeister. "Das weiß man doch spätestens, wenn man herzhaft in eine selbst gepflückte Frucht hinein beißt."

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