Seit 20 Jahren kümmern sich die Schädlichs in Oberlungwitz um ihre Patientinnen und Patienten, mittlerweile sogar mit tatkräftiger Hilfe der eigenen Kinder. Eine Geschichte über das Glück, anderen Menschen helfen zu können.
Zum 20. Jubiläum ihres Pflegedienstes müssen sich Bianka Schädlich (51) und ihr Mann Mario (49) noch keine Gedanken machen, wer das Unternehmen einmal weiterführt. Nicht nur, dass bis dahin noch viel Zeit ist. Schon jetzt gibt es mögliche Interessenten, denn die eigenen Kinder sind ziemlich begeistert von der Arbeit der Eltern. Die beiden 14-jährigen Zwillinge Lara und Luca wollen beide im sozialen Bereich lernen und eine Krankenpflegeausbildung absolvieren. "Den Berufswunsch habe ich schon lange", sagt Luca Schädlich, dem es genau wie seiner Schwester wichtig ist, Menschen zu helfen.
Zur Geburt waren Ordner und Laptop im Krankenhaus dabei
Beide haben vom Kindesalter an mitbekommen, dass die Arbeit der Eltern zwar anstrengend ist, aber Freude und Erfüllung bringt. Als die beiden geboren wurden, war das für die Eltern und ihr kleines Unternehmen eine Herausforderung. "Ich hatte die Ordner und den Laptop mit im Krankenhaus im Familienzimmer, weil gerade Abrechnungszeit war", erinnert sich Mario Schädlich. Gegründet hatte Bianka Schädlich ihren Pflegedienst am 1. März 2006. Der Start war nicht ganz leicht, weil es schon einige Anbieter gab, die sich etabliert hatten. Der erste Patient wurde bei winterlichen Bedingungen von ihr selbst aus dem Krankenhaus geholt, als Nachbarn und Freunde gerade auf die Gründung anstießen, aber die Chefin eben fehlte. "Es hat sich alles kontinuierlich entwickelt", sagt Bianka Schädlich rückblickend. Doch dass der Pflegedienst so dasteht wie heute, sei ganz bestimmt nicht vorstellbar gewesen. Um rund 180 Patienten kümmern sich die 45 Mitarbeitenden, von denen viele aus der Ukraine, Türkei, Indien, Russland, Kroatien, Bosnien und Rumänien stammen.
"Wir leben Integration und Inklusion"
"Da sind wir wirklich dankbar. Wir leben Integration und Inklusion", betonen die Verantwortlichen mit Blick auf ein noch recht junges Tätigkeitsfeld: Seit 2021 betreibt der Pflegedienst mit dem Wohnprojekt "Alte Druckerei" in einem denkmalgeschützten Wohn- und Geschäftshaus in Oberlungwitz eine Wohnstätte für mobilitätseingeschränkte Menschen, die durch Unfälle oder Krankheiten mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen leben müssen. Anstoß dafür war, dass eine junge Frau mit Behinderung über viele Jahre betreut wurde und dann eine Wohnmöglichkeit für sie gesucht wurde. Zudem bot der Eigentümer das Gebäude, das nur ein paar Schritte vom Wohnhaus von Familie Schädlich entfernt steht, zum Kauf an. "Das war für uns völliges Neuland und eine riesige Herausforderung", sagt Mario Schädlich mit Blick auf den aufwendigen Umbau und die vielen neuen Gesetze oder Regelungen für Wohnprojekte dieser Art.
Feste und Ausflüge dürfen nicht fehlen
Doch nicht nur die Pflege und das Wohnen sind wichtig. Neben regelmäßigen Ausflügen werden auch Veranstaltungen organisiert, unter anderem der Fasching für Senioren oder die Bewohner der "Alten Druckerei" an der Hofer Straße. "Zum Fasching haben wir mit den Leuten getanzt", erzählt Lara Schädlich, die genau wie ihr Zwillingsbruder oft bei Veranstaltungen dabei ist und mithilft. Die künftige Ausbildung wird voraussichtlich im Krankenhaus stattfinden. Darauf legt Mutter Bianka Wert. "Da wird viel medizinisches Fachwissen vermittelt", sagt sie und weiß, wovon sie spricht. Sie hat selbst im Krankenhaus in Lichtenstein gelernt, wo sie ihren Mann kennenlernte, als er Zivildienstleistender war. Sein Weg führte dann zielstrebig in den Pflegebereich und später ins gemeinsame Unternehmen, dessen Prokurist er ist.
Nicht nur das Theme Energie bringt neue Herausforderungen
Neben der ambulanten Pflege gibt es auch eine Partnerschaft mit der Wohnungsgesellschaft Hohenstein-Ernstthal für ein Betreutes Wohnen. Aktuell sorgen neue Pläne für zusätzliche Arbeit: Photovoltaik, Mieterstrom und Notstromversorgung im Wohnprojekt in Oberlungwitz sowie ein neues Fahrdienstangebot sind in Vorbereitung. (mpf)





